Globaler Alkohol-Aktionsplan

Alkoholverbot für gebärfähige Frauen? Sexismus-Vorwürfe gegen die WHO

  • Annabel Schütt
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Die WHO fordert ein Alkoholverbot für Frauen, die im gebärfähigen Alter sind. Setzt die Weltgesundheitsorganisation so schwer erkämpfte Frauenrechte aufs Spiel?

Hamburg – Frauen im gebärfähigen Alter sollen kein Alkohol trinken: Das fordert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem globalen Alkohol-Aktionsplan. Für Experten ist allerdings eben dieser Plan nur eines: ein absurder Versuch, Frauen jene Rechte wieder abzusprechen, für die sie jahrelang gekämpft haben.

Weltgesundheitsorganisation:World Health Organization (WHO)
Gründung:7. April 1948
Hauptsitz:Genf, Schweiz
Budget:9,004 Milliarden USD (2020-2021)
Dachorganisation:Vereinte Nationen
Tochtergesellschaften:Organización Panamericana de la Salud, Independent Panel for Pandemic Preparedness and Response

Globaler Alkohol-Aktionsplan: WHO spricht sich für Alkoholverbot bei gebärfähigen Frauen aus

Zugegeben, dass Alkohol ein Rauschmittel ist, das dem Körper im Übermaß schadet, ist nichts Neues. Wie eine aktuelle Datenerhebung der Weltgesundheitsorganisation zeigt, sterben jährlich um die drei Millionen Menschen an übermäßigem Alkoholkonsum und dessen Folgen.

Daher will die WHO nun zu drastischen Maßnahmen greifen. Insbesondere die Gesundheit von Frauen im gebärfähigen Alter soll durch den Verzicht auf den Konsum alkoholischer Getränke geschützt werden, da Alkohol die Chancen auf eine Geburt verringern könnte. Konkret heißt es in deren globalen Alkohol-Aktionsplans: „Angemessene Aufmerksamkeit sollte der Verhinderung des Beginns des Alkoholkonsums bei Kindern und Jugendlichen sowie der Verhinderung des Alkoholkonsums bei schwangeren Frauen und Frauen im gebärfähigen Alter gewidmet werden.“

Die WHO fordert ein Alkoholverbot für Frauen im gebärfähigen Alter. (24hamburg.de-Montage)

Ihre Forderung begründet die Weltgesundheitsorganisation mit den Auswirkungen auf Föten, die im Mutterleib Alkohol ausgesetzt wurden. Neben schlechtem Wachstum und auffälligen Gesichtsmerkmalen leiden eben diese Kinder oftmals unter Problemen bei Sozialisierung und Lernfähigkeit.

Kritik an Alkohol-Aktionsplan: Setzt die Weltgesundheitsorganisation schwer erkämpfte Frauenrechte aufs Spiel?

Moment mal, kein Alkohol für Frauen zwischen 15 und 50 Jahren – völlig unabhängig davon, ob sie schwanger sind oder nicht, geschweige denn wie Ina Müller überhaupt jemals Kinder wollen*?! Ein Vorschlag, der sowohl im Netz als auch bei Experten auf Gegenwind stößt.

„Es ist äußerst beunruhigend zu sehen, wie die Weltgesundheitsorganisation die hart erkämpften Rechte der Frauen aufs Spiel setzt, indem sie versucht, ihre Körper und Entscheidungen auf diese Weise zu kontrollieren. Indem die WHO alle Frauen – für 40 Jahre ihres Lebens – als wenig mehr als Behälter behandelt, reduziert sie Frauen auf wenig mehr als ihre reproduktiven Fähigkeiten“ konfert die Geschäftsführerin des British Pregnancy Advisory Service (BPAS), Clare Murphy.

Mit dieser Meinung steht Murphy nicht alleine da. Auch Christopher Snowdon vom Thinktank Institute of Economic Affairs findet deutliche Worte für den globalen Alkohol-Aktionsplan der WHO: „unwissenschaftlich, herablassend und absurd und eine klassische Idiotie der Weltgesundheitsorganisation.“ Als “sexistisch und paternalistisch” bezeichnete Matt Lambert von der Portman Group, die britische Brauereien und Brennereien vertritt, den Vorstoß der WHO.

Zahlreiche Experten in England kritisieren darüber hinaus die Unverhältnismäßigkeit des möglichen Alkoholverbots für gebärfähigen Frauen. „Der Vorschlag, dass wir einen beträchtlichen Teil der Frauen aktiv am Trinken hindern sollten, steht in völligem Widerspruch zwischen Risikoabwägung und der Einschränkungen der persönlichen Freiheit“, so Colin Angus, ein leitender Alkohol-Forscher an der Sheffield University.

Gesundheit von Föten: Auch Männer sollten bei Alkoholverbot in die Verantwortung genommen werden

Zudem werden bei dem Vorschlag der WHO die Auswirkungen von Alkohol auf die männliche Fruchtbarkeit völlig außer Acht gelassen. Verschiedene Studien belegen, dass Alkoholkonsum zu missgebildeten Spermien führen kann, wodurch Geburtsfehler, wie Lippenspalten oder Herzerkrankungen begünstigt werden können.

Zudem besagt eine dänische Studie, dass die Zeugungsfähigkeit von Männern abnehmen kann, wenn mehr als fünf Bier pro Woche konsumiert werden. * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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