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2G-Plus: Wie sinnvoll sind Schnelltests bei Geimpften?

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Von: Andree Wächter

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Zweifelhaft und doch nicht komplett sinnlos: Schnelltests bei 2G-plus. Unter einer Bedingung könnten die Selbsttests helfen.

Der bekannte Berliner Virologe Christian Drosten hält 2G-Plus-Regelungen für nur bedingt hilfreich. „Eine blinde Testung bei gesunden Geimpften ist nicht nur logistisch schwierig, sondern möglicherweise auch in ihrer Aussagekraft eingeschränkt“, sagte er dem Magazin Spiegel. Sinnvoller seien Tests, wenn Symptome vorliegen würden. Bei der 2G-plus-Regel müssen vollständig Geimpfte oder Genesene zusätzlich einen Coronatest machen.

Corona-Schnelltests: Wie gut kann eine Infektion nachgewiesen Werden?

VirusCoronavirus, Covid-19
ErregerSARS-CoV-2
VorkommenWeltweit
Erster bekannter Fall1. Dezember 2019

Der Virologe Christian Drosten begründet seine Aussage mit der Annahme, dass Infektionen bei Geimpften gerade in den ersten Tagen der Infektion nicht so gut durch einen Antigen-Schnelltest nachzuweisen seien. Drosten: „Das ist aber allein eine erste Einschätzung.“ Hier seien noch weitere Untersuchungen notwendig. Die derzeitige Studienlage sei noch nicht ausreichend, heißt es im Spiegel.

Im gleichen Bericht äußerte sich auch Manuel Krone, Arbeitsgruppenleiter am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg. Er sieht bei der Zuverlässigkeit der Schnelltests keine Unterschiede: „Unseren Daten zufolge sind Schnelltests bei Geimpften genauso zuverlässig wie bei Ungeimpften“, sagt Krone. „Wir sehen in der Klinik keinen Unterschied.“ Auf welche Daten sich Christian Drosten beziehe, wisse er nicht. „Wahrscheinlich hat er im Labor etwas beobachtet.“

2G-plus: Schnelltests können nicht jede Coronainfektion nachweisen

Dass Schnelltests nur eine bedingte Aussagekraft haben, ist bekannt. Sie können nicht jede Coronainfektion nachweisen. Ein negatives Testergebnis gibt also keine hundertprozentige Sicherheit. Mit diesem Wissen ist zu erwarten, dass sich auch bei Veranstaltungen mit 2G-plus-Konzept Männer und Frauen mit dem Virus anstecken werden. Vermutlich werden es weniger sein als bei 2G oder 3G. Ab Mittwoch gilt in Niederachsen 2G-plus.

Wie gut sind Antigen-Schnelltests im Vergleich zu PCR-Tests? Dieser Frage ist Infektiologin Claudia Denkinger von der Uniklinik Heidelberg nachgegangen. „Bei Geimpften und Genesenen ist die Viruslast bei der Infektion insgesamt geringer“, sagt sie dem SWR. „Sie braucht länger, bis sie ansteigt, sie fällt auch schneller wieder ab. Und insofern sprechen die Tests nicht so gut an.“ Heißt: Schnelltests sind weniger geeignet.

Aber: „Die Infektionen, die eine hohe Viruslast haben, die vor allem zu der Weitertragung der Infektionen beitragen, die werden detektiert.“ Von ihnen geht ein hohes Ansteckungsrisiko aus.

Die neue Corona-Verordnung in Niedersachsen legt es fest: Wer zum Friseur oder ins Restaurant möchte, muss die Kriterien der 2G-plus-Regel erfüllen.
Die neue Corona-Verordnung in Niedersachsen legt es fest: Wer zum Friseur oder ins Restaurant möchte, muss die Kriterien der 2G-plus-Regel erfüllen. © Imago Sportfotodienst GmbH

Der Aufwand für die Testung oder Kontrolle der Testergebnisse bedeutet für Veranstalter viel Aufwand - egal ob öffentlich oder privat. Laut Drosten wäre es sinnvoller, stattdessen darauf konzentrieren, neue Infektionen bei Ungeimpften zu vermeiden. „Eine neue Modellierungsstudie zeigt, dass selbst bei niedrigerer Impfquote die Übertragung ganz überwiegend von Ungeimpften ausgeht.“

Unterstützung bekommt Drosten von der Virologin Sandra Ciesek. Sie sagte im NDR-Podcast, dass ein zusätzlicher Corona-Schnelltest Geimpften keine hundertprozentige Sicherheit böte. „Ungefähr die Hälfte der Infektionen wird übersehen.“ Ein tagesaktueller PCR-Test wäre laut der Direktorin der Medizinischen Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main ideal. Doch das sei bei den meisten Veranstaltungen kaum umsetzbar und schon gar nicht bei kleineren privaten Treffen.

Auch die 3G-Regeln sieht der Experte kritisch. Der Virologe Drosten schrieb kürzlich auf dem Nachrichtendienst Twitter: „Vor Symptombeginn sind Schnelltests einfach nicht empfindlich genug. Daher meine Zweifel an 3G.“ Bei Geimpften scheine die Empfindlichkeit noch schlechter. „Darum Impflücken schließen, boostern und bis dahin Kontakte reduzieren.“ Hinzu kommt, dass es bei Selbsttests zu Anwenderfehler kommen kann.

Schnelltests bei 2G helfen in festen Gruppen

Ist nun 2G-Plus reiner Aktionismus der Politik? Nein. Trotz aller Kritik hält Virologe Christian Drosten Schnelltest durchaus für sinnvoll, allerdings nur bei festen Gruppen und wenn regelmäßig getestet wird. Wenn man etwa in einer Firma immer wieder die gleiche Gruppe teste und im Falle eines erkannten positiven Falles diese Gruppe in eine Kurzquarantäne schicke, könne dies viel bewirken, sagt der Virologe der „Zeit“. Testungen vorm einmaligen Kino- oder Restaurantbesuch hält er für wenig hilfreich.

Ähnlich sieht es Infektiologin Claudia Denkinger: „Es gibt ein Intervall ganz zu Beginn der Infektion, wo die Viruslast im Ansteigen begriffen ist, wo die Antigentests auch noch nicht anschlagen.“ Und weiter sagte sie: „Wenn wir uns regelmäßig testen, dann ist dieses Intervall für die Infektionskontrolle sehr wenig relevant, denn dann erkennen wir es beim nächsten Mal testen.“ * kreiszeitung.de ist Angebote von IPPEN.MEDIA

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