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Coronavirus und Kreuzfahrten: Die Dampfer fahren wieder – oder doch nicht?

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Von: Christian Domke Seidel, Vivienne Goizet, Johannes Rosenburg

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Die angekündigte Wiederaufnahme der Kreuzfahrten schien schon ein Desaster für den Kreuzfahrt-Giganten. Doch das Unternehmen AIDA Cruises darf endlich wieder ablegen. Gleichzeitig dürfen die letzten Passagiere von Hurtigruten das Kreuzfahrtschiff „Fridtjof Nansen" verlassen. Die Kreuzfahrtindustrie atmet auf.

Update vom Samstag, 22. August 2020, 13:22 Uhr: Rostock – Obwohl die bürokratischen Hürden nun endlich aus dem Weg geräumt sind, kämpft die Kreuzfahrt-Branche weiter mit der Rückkehr ins Tagesgeschäft. Vielen sind noch die Bilder der Diamond Princess im Gedächtnis – 700 Menschen auf dem Kreuzfahrtschiff waren zu Beginn der Pandemie auf dem Schiff mit dem Coronavirus infiziert worden. Der komplette Kreuzfahrtdampfer wurde unter Quarantäne gestellt und für die Urlauber war die Atmosphäre gar nicht mehr entspannend.

Das Kreufahrtschiff „Aida Luna“ auf der Elbe, im Hintergrund der Hamburger Hafen.
Stark gebeutelt von der Coronavirus-Krise: Kreuzfahrt-Unternehmen in Nordeutschland (Symbolfoto/24hamburg.de-Montage) © dpa/Aida Cruises

Um so wichtiger war es daher für die Reedereien, dass die Wiederaufnahme des Kreuzfahrtbetriebs einwandfrei vonstatten geht, damit die milliardenschwere Branche wieder in Gang kommt. Das hat nicht geklappt. Immer wieder werden Abfahrten aufgeschoben. Wer fährt wann wieder los? Offiziell gilt vom Auswärtigen Amt noch bis 31. August 2020 eine weltweite Reisewarnung.

Coronavirus und Kreuzfahrten: AIDA Cruises bekommt grünes Licht aus Italien – Kreuzfahrten starten wieder

Update vom Sonntag, 9. August 2020, 10:45 Uhr: RostockAIDA Cruises soll die ausstehende Freigabe von der italienischen Regierung erhalten haben. Die Genehmigung beträfe auch die Unternehmen MSC Cruises und Costa Kreuzfahrten. Zuletzt musste AIDA Cruises, die unter italienischer Flagge fahren, einige „Blaue Reisen“ ohne Landgang absagen. So bleiben viele Lebensmittel übrig. Diese dürfen – Zollbestimmungen zum Trotz – jetzt sogar an die Hamburger Tafel gespendet werden*.

KreuzfahrtmarkeAIDA Cruises
ZentraleRostock
Gründung1996
Besitzer/VerwenderCarnival Corporation & plc Konzernsegment EA
DachorganisationCarnival Corporation & plc, Costa Crociere

AIDA Cruises kriegt Freigabe: Kreuzfahrten können ab Sonntag, 16. August 2020, starten – Gäste dürfen Hurtigruten-Schiff verlassen

Die Freigabe für AIDA Cruises soll mit Samstag, 15. August 2020, gültig sein, berichtet das Fachportal Kreuzfahrttester. An den bisherigen vier Absagen ändert sich also nicht. Das Unternehmen hatte drei Kreuzfahrten der Aidaperle ab Hamburg (5. August, 8. August und 12. August) und eine der Aaidamar ab Warnemünde (12. August) storniert.

Ein Schiff von AIDA Cruises fährt im Hamburger Hafen an der Elbphilharmonie vorbei. Am rechten Bildrand ist eine italienische Flagge zu sehen.
Die italienische Regierung erteilt AIDA Cruises eine Freigabe. Ab Sonntag, 16. August 2020, sollen wieder Reisen möglich sein. (24hamburg.de-Montage) © AIDA Cruises/Percossi/ANSA/dpa/picture alliance

Während bei AIDA Cruises der improvisierte Coronavirus-Betrieb also bald anlaufen dürfte, muss er bei Hurtigruten schon wieder eingestellt werden. Das Unternehmen hat nach einem Ausbruch des Coronavirus-Sars-CoV-2 alle Reisen von Hamburg nach Norwegen eingestellt. Am Freitagmorgen, 7. August 2020, kam die „Fridtjof Nansen“ das vorerst letzte Mal in Hamburger Hafen an.

Hurtigruten im Hamburger Hafen: Gäste dürfen „Fridtjof Nansen“ verlassen – Topmanager räumt Posten wegen Coronavirus-Ausbruch

Statt 500 Gästen waren nur 171 Gäste an Bord. Dazu kommen 162 Besatzungsmitglieder. Ein Sprecher des Unternehmens erklärt gegenüber dem NDR: „Es sind alle Crew-Mitglieder und 168 Gäste auf Covid-19 getestet worden, und alle Tests kamen negativ zurück. Deswegen konnten alle Gäste das Schiff verlassen.“

Die Coronavirus-Infektionen bei Hurtigruten – mittlerweile wurden 41 Besatzungsmitglieder positiv getestet, 387 Gäste mussten in Quarantäne – haben auch personelle Konsequenzen. Topmanager Bent Martini habe auf Initiative des Unternehmens seine Ämter vorübergehend niedergelegt, teilte das Reiseunternehmen mit.

AIDA Cruises stoppt Kreuzfahrten: Corona-Desaster bei Hurtigruten – 387 Gäste in Quarantäne

Erstmeldung vom Montag, 3. August 2020, 11:02 Uhr: Rostock AIDA Cruises sagt vorerst alle geplanten Kreuzfahrten ab. Grund ist eine fehlende Freigabe. Es ist ein dramatischer Dämpfer beim geplanten Neustart der Kreuzfahrt-Branche*. Die „Blauen Reisen“ ohne Landgang galten als Hoffnungsschimmer nach einer finanziell desaströsen Pause durch das Coronavirus-Sars-CoV-2. Bei Hurtigruten kam es gar zu einem Coronavirus-Ausbruch. Rund 400 Gäste und Besatzungsmitglieder sind in Quarantäne.

Eine Ärztin in Schutzmontur hält sich die Hände in blauen Handschuhen an die Schutzbrille.  Im Hintergrund ist die AIDAblu im Ostseebad Warnemünde zu sehen.
Die Kreuzfahrt-Industrie leidet unter der Coronavirus-Krise. Der Neustart ist ein Desaster. (24hamburg.de-Montage) © Bernd Wüstneck/Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/picture alliance

AIDA Cruises im Coronavirus-Chaos: Kreuzfahrten abgesagt wegen fehlender Genehmigung - Hurtigruten-Gäste in Quarantäne

Das Problem bei AIDA Cruises ist eine fehlende Genehmigung. Ausgerechnet aus Italien. Zwar führen alle geplanten Touren ab Hamburg* und Warnemünde nur durch die Nord- und Ostsee, doch die Schiffe laufen unter italienischer Flagge. Die deutsche Marke „AIDA“ gehört nämlich zur italienischen Reederei Costa Crociere. Doch laut dem Kreuzfahrt-Unternehmen würde es sich dabei nur um eine formale Freigabe handeln. Dennoch müssen bis Mitte August gleich vier Kurzreisen abgesagt werden.

Folgende Fahrten der AIDA Cruises fallen aus

Noch viel schlimmer erwischte es den norwegischen Anbieter Hurtigruten. Der norwegische Anbieter teilte mit, dass 36 Besatzungsmitglieder positiv auf das Coronavirus-Sars-CoV-2 getestet wurden. Die geplante Reise mit der „Roald Amundsen“ sagte das Unternehmen daraufhin ab. Doch das Coronavirus-Sars-CoV-2 hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon verbreitet.

Die „Roald Amundsen“ von Hurtigruten hatte schon zwei Fahrten hinter sich: am Freitag, 17. Juli 2020, und am Freitag, 24. Juli 2020. Im Laufe der Nachverfolgung der Infektionen kam dann raus, dass auch einer der Passagiere nach der Reise positiv getestet wurde. Insgesamt befanden sich 387 Gäste an Bord der beiden Kreuzfahrten. Diese müssen jetzt zehn Tage in Quarantäne.

Das Schiff Roald Amundsen der Hrutigruten ist im Hafen von Tromsø vertaut.
Nichts geht mehr. Die „Roald Amundsen“ von Hurtigruten liegt im Hafen von Tromsø fest. 36 Besatzungsmitglieder sind am Coronavirus-Sars-CoV-2 erkrankt. © Hinrich Bäsemann/dpa/pictrure alliance

Corona-Kreuzfahrt bei Hurtigruten: 387 Gäste und 36 Besatzungsmitglieder in Quarantäne

Hurtigruten hatte noch vor AIDA und TUI Cruises einen Neustart ihres Kreuzfahrt-Angebots angekündigt*. Bereits Ende Juni hatte die „Fridtjof Nansen“ den Hamburger Hafen* verlassen. Unter strengen Coronavirus-Auflagen und mit vielen Einschränkungen. Das Schiff war nur zur Hälfte belegt, die Öffnungszeiten des Restaurants wurden erweitert, damit weniger Gäste zeitgleich essen. So sollte der Mindestabstand garantiert werden. Dazu installierte das Reiseunternehmen Hygienestationen an Bord. Dort sollten sich Gäste und Besatzung die Hände desinfizieren können.

Auch weitreichende Reinigungs-Pläne präsentierte das Unternehmen. Mit UV-Licht sollten Verunreinigungen sichtbar gemacht und entfernt werden, die mit dem bloßen Auge nicht zusehen gewesen wären. Doch scheinbar konnte nicht jedes Infektionsrisiko beseitigt werden. Vier Besatzungsmitglieder wurden ins Universitätskrankenhaus in Tromsø gebracht. Die restlichen 32 befinden sich in Quarantäne auf der „Roald Amundsen“. Passagiere sind keine mehr an Bord.

AIDA Cruises und TUI Cruises von Beginn an mit Corona-Problemen beim Kreuzfahrt-Neustart

Der Vorfall dürfte für die Mitbewerber eine Warnung sein. AIDA Cruises hatte schon vor Beginn der eigentlichen Fahrten ein Coronavirus-Problem*. 750 Besatzungsmitglieder hatte das Unternehmen einfliegen lassen. Trotz Tests und Quarantäne in ihrer Heimat fiel bei elf davon ein Test positiv aus.

Auch bei TUI Cruises lief nicht alles glatt. Zwar hat das Kreuzfahrt-Unternehmen mit seinen „Blauen Reisen“ ohne Landgang schon begonnen, doch auch hier musste die erste abgesagt werden. Wegen der Reisebeschränkungen war es TUI Cruises schlicht nicht möglich, die Besatzung komplett nach Deutschland fliegen zu lassen. Jetzt ist die „Mein Schiff 2“ allerdings wie geplant unterwegs. Ein anderes Corona-Problem betrifft die Pauschalreisen nach Spanien. TUI hat diese nach der Reisewarnung für Spanien* abgesagt.

AIDA Cruises erstattet alle bereits geleisteten Zahlungen zurück, muss sich in den sozialen Medien aber dennoch einiges an Kritik anhören. „Also sagt mal liebe Aida, was stimmt bei euch nicht? Ihr lasst Leute neue Kurz-Reisen buchen, obwohl noch keine Freigabe verfügbar ist???!?? Schämt euch“, kritisiert ein Nutzer das Unternehmen auf Facebook. Ein anderer wendet sich zwar an AIDA Cruises direkt, könnte aber auch die gesamte Branche meinen: „Aida wird nie wieder das sein, was es mal war, leider.“ Der Neustart der Kreuzfahrt-Industrie war eine der großen Neuerungen im August 2020*. * 24hamburg.de, nordbuzz.de und ruhr24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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