Dauerläufer und Vorlagenkönig

Mit diesen vier Worten will Tim Leibold seinen Hamburger SV für Nordderby und Aufstieg fit machen

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Für den Hamburger SV steht das Nordderby gegen Holstein Kiel an. Der nervenaufreibende Kampf um den Aufstieg biegt in die entscheidende Phase. Tim Leibold reduziert das Drama auf vier Worte.

Hamburg – Der Hamburger SV hat harte Wochen hinter sich. Eine katastrophale Nicht-Leistung in der zweiten Halbzeit bestrafte der VfB Stuttgart mit drei Gegentoren. Null Punkte für den HSV. Es folgte ein qualitativ überschaubares Spiel gegen Wehen Wiesbaden, das aber immerhin drei Punkte einbrachte. Am Montag, 8. Juni, steht um 20:30 Uhr im heimischen Volksparkstadion das Nordderby gegen Holstein Kiel an. Der 30. Spieltag. Und Tim Leibold macht eine klare Ansage und vergleicht den Hamburger SV mit dem 1. FC Nürnberg.

FußballspielerTim Leibold
Geboren30. November 1993 (Alter 26 Jahre), Böblingen
Größe1,74 m
Gewicht72 kg
Aktuelles TeamHamburger SV (#21/Abwehrspieler)
Beitrittsdaten2014 (VfB Stuttgart), 2015 (1. FC Nürnberg), 1. Juli 2019 (Hamburger SV)

Tim Leibold vom Hamburger SV: Mit Wille im Endspurt gegen Holstein Kiel - So klappt der Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga

Tim Leibold ist einer der Unterschiedsspieler beim Hamburger SV - der Dauerläufer und Vorlagenkönig. 31 Pflichtspiele mussten die Hanseaten bisher bestreiten (29 in der Liga und zwei im DFB-Pokal) und Tim Leibold verpasste keine Spielminute. In dieser Zeit brachte er es auf 14 Torvorlagen. Topwert in der zweiten Bundesliga. Für das Fachmagazin Kicker ist er der beste defensive Außenbahnspieler der Liga.

Tim Leibold verlangt den unbedingten Willen, um im Liga_Endspurt den Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga klar zu machen. (24hamburg-Montage)

Doch es gibt da auch ein pikantes Problem. Spielt Tim Leibold nicht gut – wie gegen den FC St. Pauli (0:2), Erzgebirge Aue (3:0) oder den VfB Stuttgart (3:2) – dann verliert der HSV. Zu abhängig scheint die Mannschaft vom linken Defensivmann zu sein. Einzige Ausnahme ist das Spiel gegen Wehen Wiesbaden. Trotz seiner Torvorlage zum zwischenzeitlichen 2:1 durch Joel Pohjanpalo konnte er nicht wirklich überzeugen (Kicker-Note: 4,5).

Hamburger SV im Nordderby gegen Holstein Kiel: Endspurt im Aufstiegsrennen der zweiten Fußball-Bundesliga

Doch im Interview mit der vereinseigenen Homepage des HSV verrät er nun, warum ihm genau das Mut macht: „Wir haben vorher dreimal gut gespielt und nur zwei Punkte geholt, jetzt war es mal nicht so berauschend, dafür haben wir aber gewonnen. Das sollte im Kopf einiges lösen.“ Eine Aussage, die auch Hoffnung machen soll.

Das betont auch Leibold: „Obwohl die Ergebnisse das nicht unbedingt widerspiegeln, haben wir als Mannschaft einen Schritt nach vorn gemacht. Das hat mit dem ordentlichen Spiel gegen Fürth begonnen, welches wir ebenso wie die Partien gegen Bielefeld und Stuttgart weitestgehend kontrolliert haben.“ Auch, wenn die Fans zum Spiel gegen die Schwaben eine andere Meinung haben.

Tim Leibold im Pech: Beim 0:0 gegen Arminia Bielefeld traf der Vorlagenkönig der zweiten Fußball-Bundesliga nur den Pfosten.

Eine Spannung, die natürlich auch der Defensivspieler mitbekommt, der sich aber auf die positiven Aspekte der emotionalen Fans konzentriert: „Da ich in den sozialen Medien nicht so vertreten bin, bekomme ich diesbezüglich nicht so viel mit. Wenn ich aber beim Bäcker oder im Supermarkt bin und mit HSV-Fans spreche, dann wird uns viel Mut zugesprochen. Die Leute erzählen mir, wie sie die Spiele mit der ganzen Familie verfolgen und uns die Daumen drücken. Natürlich gibt es auch Kritiker, insgesamt ist die Unterstützung aber überragend. “

Was Hamburger SV und 1. FC Nürnberg gemeinsam haben: Tim Leibold über den Endspurt im Aufstiegsrennen

Leibold weiß, wie eine Mannschaft den Aufstiegskampf erfolgreich meistern kann. Das hat er einst mit dem 1. FC Nürnberg vorgemacht. Und die Parallelen sind auffällig. Wie der Hamburger SV hätten auch die Franken damals wenig konstant gespielt. Erst im Endspurt hätte die Mannschaft gezeigt, dass sie den Aufstieg unbedingt wollen würde. Das erkenne er jetzt auch beim HSV und fordert: „Wenn wir vom Kopf her ruhig bleiben und als Einheit auf dem Platz zusammenstehen, dann können wir es schaffen.“ Oder eben in vier Worten: „Jetzt zählt der Wille. Eine Kopfsache also, wie schon bei Julian Pollersbeck.

Gut, dass HSV-Coach Dieter Hecking genau das vorlebe, wie Tim Leibold sagt: „Er will um jeden Preis in die Bundesliga und lebt uns das vor. Wenn wir uns an seinem Willen orientieren, dann haben wir gute Chancen.“ Das Nordderby gegen Holstein Kiel ist genau das richtige Spiel, um diesen Willen zu beweisen. Das Hinspiel endete 1:1. Der HSV konnte froh sein, einen Punkt zu ergattern, weil David Kinsombi das Ausgleichstor erst in der Nachspielzeit erzielte. Glück? Oder eben ein Zeichen für den unbedingten Willen.

Doch scheinbar kamen die Worte nicht an, wie der Punktverlust gegen den VfL Osnabrück beweist. In der Nachspielzeit gibt der VAR dem Hamburger SV einen Elfmeter nicht - Dieter Hecking und Timo Letschert flippen aus.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/picture alliance

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