Trainerdiskussion

HSV-Kommentar: Verdient! Trainer Daniel Thioune muss bleiben

  • Natalie-Margaux Rahimi
    VonNatalie-Margaux Rahimi
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Fans wollen seinen Rauswurf – die Bosse um Jonas Boldt, dass er bleibt. 24hamburg.de nennt die Gründe, warum Daniel Thioune HSV-Trainer bleiben muss.

Hamburg – Es ist ein bekanntes Szenario beim HSV. Kaum läuft es nicht, wird von Außen der Trainer angezählt. So ergeht es derzeit auch Daniel Thioune. Der Verein um Sportvorstand Jonas Boldt will an Thioune als HSV-Trainer festhalten. Viele Fans hingegen rasten regelrecht aus und fordern seinen Rauswurf. Aber wer hat recht? Mein Kollege Jan Knötzsch schlägt sich auf die Seite der Fans und zeigt: warum Thioune als Trainer unbedingt wegmuss. Ich hingegen, bin dafür am Trainer festzuhalten. Und erkläre auch warum.

Fußballtrainer:Daniel Thioune
Aktuelles Team:Hamburger SV
Vorheriges Team: VfL Osnabrück
Beim HSV seit:2020
Geboren:21. Juli 1974, Georgsmarienhütte

Mit Daniel Thioune hat der HSV etwas gewagt – warum jetzt in alte Muster zurückfallen?

Zweimal vergeigte der HSV den Wiederaufstieg in die Erste Bundesliga aufgrund einer desolaten Rückrunde. Auch in diesem Jahr zeichnet sich das gleiche Bild ab. Zweimal haben die Bosse des Hamburger SV den Trainer für den Absturz verantwortlich gemacht – Dieter Hecking und Hannes Wolf mussten gehen. Wie man heute weiß, hat sich mit einem neuen Trainer das Rückkundenproblem aber nicht in Luft aufgelöst. Also warum den Trainer schon wieder feuern? Wie viel oder wenig ein Trainerwechsel bringt*, hat deichstube.de kürzlich für 1. Liga zusammengefasst.

Darum muss Daniel Thioune Trainer vom HSV bleiben. (24hamburg.de-Montage)

Mit Daniel Thioune hat der HSV etwas gewagt. Ein junger und eher unerfahrener Trainer wurde geholt. Dass dieser auch Fehler macht, dürfte den Verantwortlichen um Jonas Boldt und Michael Mutzel bewusst gewesen sein. Das Thioune keine Erfahrung im Umgang mit einer Millionenstadt mit zahlreichen hungrigen Journalisten hat, war ebenso bekannt – bevor man ihn holte. Der HSV wollte mit Daniel Thioune den Umbruch wagen. Weg von Erfahrung, weg vom großen Retter. Daniel Thioune sollte etwas entwickeln. Und das geht eben nicht von heute auf morgen.

Mit Daniel Thioune wollte sich der HSV entwickeln – wieso jetzt die Entwicklung stoppen?

Apropos Entwicklung. Immer wieder betonte Thioune, dass sich sein Team noch in der Entwicklungsphase befindet. Darf diese Phase nicht einmal eine Saison dauern? Durfte man erwarten, dass dieser Trainerneuling, der lediglich beim kleinen VfL Osnabrück auf der Bank gesessen hatte, mit dem großen HSV direkt in die Bundesliga zurückkehrt? Wohl eher nicht. Denn wenn das vor ihm erfahrene Männer wie Dieter Hecking nicht geschafft haben, warum sollte es dann Daniel Thioune direkt gelingen?

Vielleicht mal einen Weg gemeinsam gehen.

Jonas Boldt am Sky-Mikrofon nach dem Spiel gegen Jahn Regensburg.

„Ich habe keine Zweifel am Trainer“, hatte Jonas Boldt nach dem Remis gegen Regensburg gesagt. Und das ist auch gut so. Denn Gemeinsam haben Daniel Thioune, Jonas Boldt und Michael Mutzel beim Hamburger SV einen neuen Weg eingeschlagen. Keiner tritt dem anderen auf die Füße, keiner wird öffentlich angeprangert und Konflikte werden innerhalb des Teams geklärt. Und das ist auch richtig so, wenn man in Ruhe arbeiten möchte.

Mit Daniel Thioune hat der HSV einen Trainer, der kreativ und variabel ist

Ja, Daniel Thioune hat sich im Laufe der Saison bei der einen oder anderen Aufstellung verzockt. Vogelwild schienen die HSV-Profis zuletzt im Spiel gegen den SV Sandhausen. Vermutlich lag das tatsächlich an der neuen Formation, die Thioune spielen ließ. Aber Entwicklung heißt doch auch ausprobieren. Und das musste Thioune. Denn immer wieder fehlte ihm das Stammpersonal. Mit Toni Leistner fiel ihm zum Beispiel zu Beginn der Rückrunde eine echte Säule der Defensive aus.

Das Positive ist doch, dass Thioune Ideen hat. Er ist variabel und kreativ. Nicht festgefahren in einem uralten System, dass nicht zu den Spielern passt. Das hat er in der Saison ebenfalls bewiesen und wurde dafür von den Fans gefeiert. Klar, dass man zwischendurch mal über das Ziel hinausschießt oder sich irrt.

Mit Daniel Thioune hat der HSV einen Trainer, der zu Hamburg passt

So unerfahren er als Trainer auch sein mag, Daniel Thioune passt zur Hansestadt an der Elbe. Mit seiner Schlagfertigkeit setzt er sich auch den kuriosesten Fragen der vielen Journalisten aus. Immer wieder stellte er sich schützend vor seine Mannschaft. Aus der Haut fährt er nie. Und genau so einen Trainer braucht es beim HSV. Einen Trainer, der sich nicht nervös machen lässt. Einen Trainer, der an seinen Plan glaubt und einen Trainer, der auch ausgemusterten Spielern immer wieder die Chance gibt, sich zu beweisen.

Mit Daniel Thioune hat der HSV einen Trainer, in dem noch Entwicklungspotenzial steckt. Was der Verein braucht, ist kein neuer Trainer. Der HSV braucht ein neues Kostüm. Und damit sind nicht die Vereinsfarben gemeint. Nein, der HSV braucht eine andere Außendarstellung. Denn der Verein hat sich gewandelt. Vom großen Bundesliga-Dino zum Zweite-Liga-Normalo. Es wird Zeit, dass sich die Erwartungen daran anpassen. * 24hamburg.de und deichstube.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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