Trainerdiskussion

HSV-Kommentar: Verzockt! Trainer Daniel Thioune muss gehen

  • Jan Knötzsch
    vonJan Knötzsch
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Mal wieder ist der Aufstieg für den HSV in großer Gefahr. Große Rückrunde-Krise, Trainer Daniel Thioune angezählt. 24hamburg.de mit Gründen, warum er weg muss.

Hamburg – Das Szenario ist identisch. Immer wieder. Dann, wenn es nicht läuft. Bei jedem Verein in der Ersten Bundesliga und der Zweiten Bundesliga: Der Trainer gerät in die Schusslinie. Davon können auch die Übungsleiter des Hamburger SV in den zurückliegenden Jahren das berühmte Lied singen. In der laufenden Saison trifft es nun auch Daniel Thioune. Nach desolaten Leistungen seiner Mannschaft steht er in Frage. Der Verein will ihn behalten, die Fans fordern seine Entlassung. Wer hat recht? 24hamburg.de/hsv beleuchtet beide Seiten, Sagt, wieso der Verein recht hat. Aber auch, warum eine Trennung nötig ist.

Fußballtrainer:Daniel Thioune
Geboren:21. Juli 1974 (Alter: 46 Jahre) in Georgsmarienhütte
Aktuelles Team:Hamburger SV (seit 2020)
Vorheriges Team:VfL Osnabrück
Stationen als Spieler:unter anderem VfL Osnabrück, LR Ahlen, VfB Lübeck

HSV: Trainer Daniel Thioune tritt immer nur zurückhaltend auf – fehlt ihm das Feuer für die harte Aufgabe in Hamburg?

Seit der laufenden Saison ist Daniel Thioune Trainer des Traditionsvereins aus dem Volksparkstadion. Anfangs erfolgreich, dann – von einer zwischenzeitlichen Krise heimgesucht* – mit weniger Erfolg. Aktuell gar erfolglos. Aber eines ändert sich bei all diesen Zuständen nicht: Daniel Thioune tritt immer auf wie der sympathische Schwiegersohn von nebenan. So, als sei nichts passiert. Hier ein mit Bedacht gewähltes Wort, dort eine Nettigkeit. Große Töne oder aber harte Kritik? Sucht man vergeblich, wenn der 46-Jährige spricht. Das mag zum einen eine gute Eigenschaft sein in einem HSV-Umfeld, in dem beim ersten Anzeichen einer Krise so oder so schon jeder überdreht.

Daumen runter für HSV-Trainer Daniel Thioune – ist er noch der richtige Mann bei den Rothosen?

Zum anderen aber darf die Frage gestattet sein: Ist Daniel Thioune zu weich für die Aufgabe in der Hansestadt Hamburg? Der Eindruck, dass ihm das Feuer für eine derartige Aufgabe fehlt – vermittelt er in jedem Interview. Jeder Pressekonferenz, in der er monoton sein Programm abspult. Emotionalität? Fehlanzeige. Es mag (s)ein Programm sein, extern ruhig zu sein und intern Tacheles zu reden. Aber: Tritt Daniel Thioune so nichts sagend auch vor seinem Team auf, ist es kein Wunder, dass dieses in den entscheidenden Spielen, in denen eben andere Eigenschaften gefordert sind, versagt. Es hat niemanden, der ihm vorlebt, was auf dem Spiel steht.

HSV-Trainer Daniel Thioune kann den Druck nicht vom Team nehmen – deshalb versagt seine Mannschaft in den entscheidenden Momenten

Ein weiteres Problem, gegen das Daniel Thioune als HSV-Trainer antritt? Der Druck, der in der Stadt von Alster und Elbe auf den Schultern seiner Spieler lastet. Immer dann, wenn es darauf ankommt, gehen beim Hamburger SV die Köpfe runter. Die Füße versagen. Weil der Kopf nicht mitspielt. Das war bei der Peinlich-Pleite gegen Würzburg so. Beim verlorenen Stadtderby gegen den FC St. Pauli. Im Spiel gegen Darmstadt*. Bei den Unentschieden gegen Aue* und gegen Hannover*. Klar: Der Hamburger SV kann nicht immer und überall glanzvoll gewinnen. Hin und wieder aber sollte er es tun. Sonst ist der Aufstieg weg. Und der Frust bei HSV-Top-Stürmer Simon Terodde* dürfte noch zunehmen.

Muss Daniel Thioune also schnellstmöglich weg? Die „Macher“ im Volksparkstadion sind anderer Ansicht. Sie wollen, so wie es der unliebsame Rivale Werder Bremen* in der Ersten Bundesliga (noch) vormacht, an ihrem Coach festhalten. Aus Sicht von Sportvorstand Jonas Boldt, der selbst bei anderen Clubs auf dem Zettel steht*, logisch: Eine Entlassung würde den HSV wieder nur Geld kosten. Geld, das der Klub aus dem Volkspark nicht hat. Im Falle des Nicht-Aufstiegs müssten Spieler verkauft werden*. Im Fall des Aufstiegs steigen die Kosten, es bleibt wenig übrig, um sich zu verstärken.

HSV will sich mit Trainer Daniel Thioune entwickeln – aber wo ist diese Entwicklung zu sehen?

Der Hamburger SV wollte sich unter dem Trainer Daniel Thioune entwickeln, etwas wagen. Da ist es nicht verboten, nachzufragen, warum man die Entwicklung nun stoppen sollte. Aber wo ist sie denn, diese Entwicklung? Der HSV vergeigt womöglich wieder einmal einen Aufstieg. Das kennt man aus den letzten Jahren schon. Die Entwicklung: null. Da kann Daniel Thioune von seinem Auftreten her noch so gut zur noblen, hanseatischen Zurückhaltung passen. Mit einem HSV-Kader wie dem jetzigen nicht aufzusteigen – es wäre der gleiche Stillstand wie in der Vergangenheit. Den kann sich ein Verein mit Ruhm und Ruf wie der HSV nicht auf ewig leisten.

HSV-Sportvorstand Jonas Boldt (links) und HSV-Trainer Daniel Thioune: Ein Herz und eine Seele – auch wenn der HSV nicht aufsteigen sollte?

Und auch rein sportlich muss sich Daniel Thioune als HSV-Trainer Vorwürfe gefallen lassen. Was mancher als Variabilität und Kreativität in Sachen Taktik und Aufstellung bezeichnet, darf genauso gut in die Schublade „er findet einfach kein System und stellt falsch auf“ eingeordnet werden. Bestes Beispiel: Manuel Wintzheimer, den besten Vorbereiter, im Dezember 2020 gegen Hannover 96 auf die Bank zu setzen*. Ohne Vorwarnung. Zunächst ohne Erklärung. Fragwürdig! In gleicher Weise manövriert sich der 46-Jährige durch die ganze bisherige Saison. Ohne Konsequenzen tragen zu müssen.

Der HSV muss das Gesamtwerk im Blick halten – und Trainer Daniel Thioune notfalls opfern, wenn es in Gefahr gerät

Nun kann man Daniel Thioune zu Gute halten, dass er hier und das zur Rotation gezwungen war. Weil ihm Leistungsträger wie Rick van Drongelen oder Toni Leistner fehlten. Aber gerade in der Defensive wurde deutlich: Der Kader ist nicht stark genug besetzt. Ein Gideon Jung hat, bei allem Respekt, nicht die Qualität für die Defensive einer Spitzenmannschaft. Klar, dass die Fans auf die Barrikaden gehen. Denn ein Hamburger SV muss als Spitzenmannschaft der Zweiten Bundesliga einfach besser dastehen, als er es aktuell tut. Reicht der HSV-Kader in seiner Qualität nicht aus, um aufzusteigen, ist dies auch HSV-Trainer Daniel Thioune anzulasten.

Er hat schließlich Wünsche geäußert, wen er haben will. Dann muss er für diese Miss-Einschätzung und andere Fehler auch geradestehen. Der Hamburger SV darf nicht vor großen Umbrüchen zurückstecken, wie sie der FC Bayern München gerade mit dem Wechsel von Hansi Flick zu Julian Nagelsmann ab dem Sommer vollzieht*. Der Umbruch mit Daniel Thioune ist misslungen. In Sachen Entwicklung schon jetzt. In Sachen Aufstieg vielleicht auch bald. Spätestens dann muss der HSV handeln. Der Verein und seine Ausrichtung sind wichtiger als einzelne handelnde Personen. * 24hamburg.de, deichstube.de und tz.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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