Nur Talente statt Stars

HSV-Transfergerüchte: So dreist torpediert Hrubesch Vorstand Boldt

  • Jan Knötzsch
    vonJan Knötzsch
    schließen

Als Zweitligist lassen sich nur wenig gute Spieler für HSV-Transfers begeistern. Aufstieg ist offen, Kohle fehlt. Und Horst Hrubesch torpediert Jonas Boldt.

HamburgJonas Boldt ist um seinen Job nicht zu beneiden. Zum einen muss der Sportvorstand des Hamburger SV mitansehen, wie das Präsidium des HSV sich entzweit – und den Machtkampf angesäuert kommentieren. Zum anderen wäre da noch das Corona-Chaos, das den HSV-Aufstieg beeinflussen könnte. Und die Sache mit den HSV-Transfergerüchten. Spieler in die Hansestadt Hamburg zu locken, ist so oder so schon nicht einfach – aber noch schwerer, wenn die Bemühungen aus dem eigenen Verein torpediert werden – in diesem Fall von Legende Horst Hrubesch.

Ex-Fußballspieler:Horst Hrubesch
Geboren:17. April 1951 (Alter: 69 Jahre) in Hamm
Größe:1,88 Meter
Aktuelle Tätigkeit:Nachwuchsdirektor Hamburger SV
Ehepartnerin:Angelika Hrubesch (verheiratet seit 1972)
Kinder:Danny Hrubesch, Mike Hrubesch

HSV-Transfergerüchte: Offenes Aufstiegsrennen großes Problem für Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel – Horst Hrubesch mischt sich ein

Doch der Reihe nach: Sechs Spieltage sind in der Zweiten Bundesliga für die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune noch zu absolvieren. In Hannover (3:3) und bei der Pleite gegen Darmstadt* (1:2) bekleckerte sich der HSV zuletzt nicht mit Ruhm. Der Sprung zurück in die Erste Bundesliga droht wieder einmal zu scheitern – der Frust von Stürmer Simon Terodde* steigt daher bereits ins Unermessliche. Und auch für Jonas Boldt, der zudem Gerüchte abwehren muss, er selbst würde den HSV verlassen und zu Eintracht Frankfurt wechseln*, ist die Situation vertrackt. Durch den sportlichen Misserfolg.

HSV-Transfers als Streitpunkt? Nachwuchsdirektor Horst Hrubesch (links) meldet sich zu Wort und erschwert die Arbeit von HSV-Sportvorstand Jonas Boldt. (24hamburg.de-Montage)

Dem Sportvorstand des HSV und seinem Sportdirektor Michael Mutzel fehlt das Pfund, mit dem andere Vereine in Gesprächen mit potenziellen neuen Spielern wuchern können: die Zugehörigkeit zur Ersten Bundesliga. Weil der Club aus dem Volksparkstadion nicht weiß, in welcher Liga er in der kommenden Saison spielt, gestaltet es sich aktuell schwierig, HSV-Transfergerüchte zu feststehenden Wechseln zu machen.

HSV-Transfergerüchte: Geld bei den Rothosen ist knapp – Urgestein Horst Hrubesch fordert mehr Talente

Jae-Sung Lee von Holstein Kiel pokerte genau deswegen mit dem HSV, sagte ab und wird künftig wohl für die TSG Hoffenheim – in der Ersten Bundesliga. Auch bei Uwe Seeler-Enkel Levin Öztunali*, der auf dem HSV-Wunschzettel steht, heißt es: Er kommt nur, wenn der Club aus der Stadt von Alster und Elbe in der Ersten Bundesliga spielt. Ein deutscher Nationalspieler*, um den es ein HSV-Transfergerücht gibt, dürfte – sofern realisierbar – auch die Erstklassigkeit fordern. Keine leichte Zeit für Jonas Boldt und Michael Mutzel, die am HSV-Kader für die neue Saison arbeiten.

Der HSV wird auf kurze Distanz finanziell nicht in der Lage sein, Topspieler einzulaufen.

Horst Hrubesch, HSV-Urgestein und aktuell Nachwuchsdirektor

Und dann wirft ihnen nun auch noch Horst Hrubesch Steine in den Weg. Der Nachwuchsdirektor des Hamburger SV mischt sich in die HSV-Transfers ein. „Der HSV wird auf kurze Distanz finanziell nicht in der Lage sein, Topspieler einzulaufen“, sagt das HSV-Urgestein im Gespräch mit „HSVlive“. Das mag stimmen, weil der Club nicht zuletzt dank der Coronavirus-Krise nicht im Geld schwimmt* und vor allem im Falle des Nicht-Aufstiegs Spieler wie Stephan Ambrosius verkaufen müsste*.

HSV-Transfergerüchte: Hrubeschs Forderung ist im Ansatz nachvollziehbar – aber sie macht Boldt und Mutzel die Arbeit noch schwerer

Andererseits aber muss die Frage erlaubt sein, ob Hrubeschs Aussage nicht dumm, zumindest aber dreist ist. Zumal die HSV-Legende nachlegt: Er sei der Meinung, dass der HSV ein reiner Ausbildungsverein ist. „Bei der Jugendarbeit ist ein Wort ganz wichtig: Kontinuität. Wir müssen diese Arbeit kontinuierlich betreiben, uns kontinuierlich hinterfragen und uns kontinuierlich verbessern wollen“, fordert der 69-jährige Nachwuchsdirektor mehr Platz im HSV-Kader für Talente wie Abwehr-Kante Stephan Ambrosius oder aber Josha Vagnoman und Ogechika Heil.

Auf der einen Seite hat die HSV-Legende recht. Auf der anderen aber schreckt Horst Hrubesch potenzielle Kandidaten ab und macht Jonas Boldt und Michael Mutzel die Arbeit bei HSV-Transfers schwer. Nur mit Talenten (Hrubesch im Februar 2021 im Hamburger Abendblatt: „Es ist ein verdammt guter Weg, wenn man ihn richtig geht und über den Nachwuchs Talente in die Profimannschaft bringt“) statt mit Topspielern wird der HSV vermutlich nicht mal sprichwörtlichen Blumentopf gewinnen. Der Mittelweg dürfte das probateste Mittel sein. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sportfoto Rudel/imago images & Robert Michael/dpa/picture alliance & Claus Bergmann/imago images & Karina Hessland/imago images

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare