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HSV-Transfergerüchte sind durch: Haben Mutzel und Boldt sich verzockt?

  • Jan Knötzsch
    VonJan Knötzsch
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Das Transferfenster ist dicht. Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel können nichts mehr tun. Ist der HSV-Kader gut genug? Ein Kommentar.

Hamburg – Rien ne va plus. Oder für die, die mit Französisch nichts am Hut haben: Nichts geht mehr. Ein im Spielcasino immer wieder gern genutzter Satz. Er gilt aber auch anderswo. Für den Hamburger SV zum Beispiel. Für den Klub aus dem Volksparkstadion ist das Transferfenster zu. Geschlossen. So wie die Türen beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV) oder der S-Bahn Hamburg kurz vor der Abfahrt. Wenn denn nicht gerade wieder ein Bahnstreik fahrende Bahnen verhindert.

Die Frage, die nach dem „Deadline Day“ bleibt: Haben Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel gut eingekauft? Oder haben sich die beiden beim Versuch, den Kader von Trainer Tim Walter zu verstärken, verzockt?

Fußballverein:Hamburger SV
Gegründet:29. September 1887, Hamburg
Ligazugehörigkeit:Zweite Bundesliga
Stadion:Volksparkstdion (57.000 Plätze)
Trainer:Tim Walter

HSV-Transfers: Jonas Boldt und Michael Mutzel haben Wünsche von Tim Walter erfüllt – Trainer hat keine Ausreden mehr

Beginnen wir mit den Abgängen: Tim Walter hat dahingehend keinerlei Ausreden mehr. All diejenigen Spieler, die auf der Streichliste des neuen HSV-Trainers gestanden haben, sind weg. Von Klaus Gjasula über Toni Leistner und Aaron Opoku, die keine Chance mehr hatten, über den in den Vorsaison von Horst Hrubesch sogar schon suspendierten Jeremy Dudziak bis hin zu Amadou Onana. Der Transfer des Belgiers zum OSC Lille tut angesichts dessen Fähigkeiten zwar weh, aber der HSV brauchte eben das Geld.

HSV-Sportdirektor Michael Mutzel (links) und Sportvorstand Jonas Boldt: Haben sie Tim Walter die richtigen Spieler besorgt? (24hamburg.de-Montage)

Auch Kicker wie Ogechika Heil, Xavier Amaechi, Gideon Jung, David Bates oder Khaled Narey hat Tim Walter, salopp formuliert, nicht mehr an der Backe. Kurzum: Boldt und Mutzel haben Altlasten abgebaut. Einen Umbruch vollzogen. Alles bereit gemacht für den Neuanfang. Auch Sven Ulreich, von dem Walter nicht viel hielt, ist längst über alle Berge und zum FC Bayern München gewechselt. Wohl selten wurden einem Trainer im Volksparkstadion die Wünsche quasi fast schon von den Augen abgelesen und obendrein dann auch noch erfüllt.

HSV-Transfers: Einige Spieler kommen mit Vorschusslorbeeren – sie müssen dennoch ihr Können nachweisen

Doch reicht das alles auch aus, um das Ziel HSV Aufstieg in die Erste Bundesliga wirklich zu erreichen? Man darf da so seine Zweifel haben. Nicht nur, weil der HSV mit sechs Punkten aus fünf Spielen nicht unbedingt ruhmreich in die neue Saison gestartet ist und Torwart Daniel Heuer Fernandes offenbar schon etwas angesäuert ist. Mit Simon Terodde, dessen Demission Sportdirektor Mutzel ausführlich erklärte, ist der Top-Stürmer weg. Bei allem Respekt: Robert Glatzel oder Mikkel Kaufmann müssen erst beweisen, dass sie ähnliche Fähigkeiten haben und Torquoten erreichen.

Mit Jonas Meffert im defensiven Mittelfeld hat Tim Walter einen veritablen Kicker hinzubekommen, den er bereits von Holstein Kiel kennt. Auch ein Spieler wie der neue Kapitän Sebastian Schonlau verfügt fraglos über gute Zweitliga-Qualitäten und ist in der Lage, ein Team zu führen. Beide sind nicht alt, haben noch einige Jahre vor sich. Das gilt gerade auch für Youngster im Team wie den viel gelobten Anssi Suhonen, das gerade erst mit vielen Vorschusslorbeeren verpflichtete Abwehr-Talent Mario Vuskovic oder Tommy Doyle, der von Manchester City an den HSV ausgeliehen wurde.

HSV-Transfers: Ohne die „Säulenspieler“ – ist der Kader von Tim Walter zu jung für das Ziel Aufstieg?

Überhaupt: Die Vielzahl der Neuzugänge ist jung. Noch formbar. Und im besten Fall gierig. Gierig darauf, das große Ziel Aufstieg in der Hansestadt Hamburg zu realisieren. Doch es bleibt ein großes „Aber“: die sogenannten „Säulenspieler“ wie Ulreich, Leistner oder Gjasula, auf die man in Hamburg in der Vorsaison noch gesetzt hat, sind weg. Mit Torhüter Tom Mickel ist gerade mal ein Spieler im Kader jenseits der 30 Jahre.

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Es kann ein Vorteil sein, denn schließlich hat der HSV-Kader so gesehen ein enormes Entwicklungspotenzial. Andererseits mangelt es dem Team von Trainer Tim Walter an Erfahrung – und man weiß nie, wie Youngster einschlagen oder wann und ob sie zwischenzeitlich in ein (Leistungs-)Loch fallen. Ebenso fraglich: Haben Talente wie Doyle überhaupt das Niveau, um in der Liga direkt einzuschlagen? Denn das müssen sie.

Der HSV muss funktionieren. Komplett. Besser als in den ersten Spielen. Sonst ist das Endergebnis identisch mit dem aus dem Vorjahr: Nicht-Aufstieg. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/imago & Jan Hübner/imago

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