Im Portrait

HSV-Sportdirektor Michael Mutzel: „Schattenmann“ mit Felix Magath-Vorliebe

  • Lars Wiedemann
    VonLars Wiedemann
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Er ist der „Schattenmann“ von Jonas Boldt, zieht im Stillen die Fäden: Sportdirektor Michael Mutzel. Sein Start im Profi-Fußball hat mit einer HSV-Legende zu tun.

Hamburg – Seine ersten Monate beim Hamburger SV waren chaotisch. Wie so oft beim einstigen Bundesliga-Dino. Michael Mutzel begann am 1. April 2019 als Sportdirektor in der Hansestadt Hamburg. Mit dem Mann, der ihn empfohlen hatte, war es nur ein kurzes Vergnügen: HSV-Sportvorstand Ralf Becker musste zum Saisonende 2018/2019 gehen. Jonas Boldt übernahm wenig später das Amt.

Fußball-Funktionär:Michael Mutzel
Geboren:27. September 1979 in Memmingen
Körpergröße:1,82 Meter
Position beim HSV:Sportdirektor
Vertragslaufzeit in Hamburg:30. Juni 2023

HSV-Sportdirektor Michael Mutzel: Bundesliga-Debüt unter Felix Magath – am Ende steht eine Niederlage

Das Abenteuer HSV begann für Michael Mutzel mit einer bösen Überraschung, doch der Mann aus dem bayerischen Memmingen wollte genau diese Herausforderung. „Der HSV ist nun mal kein normaler Verein. Und ich hatte und habe richtig Bock auf den HSV“, berichtete der Ex-Profi damals schon. Mutzel hat als HSV-Sportdirektor in und um das Volksparkstadion seitdem Eindruck gemacht. Unauffällig, fleißig und mit einem guten Gespür.

Michael Mutzel ist seit April 2019 Sportdirektor des HSV. (24hamburg.de-Montage)

Diese Attribute passen auch zu seiner aktiven Profikarriere. Der Mittelfeldspieler trug die Trikots von Eintracht Frankfurt, dem VfB Stuttgart und dem Karlsruher SC und brachte es auf jeweils 92 Einsätze in der Ersten und Zweiten Bundesliga. Dazu kommen noch fünf Einsätze im UEFA-Cup, bei denen Michael Mutzel lange vor seinem Engagement in Hamburg auf dem Platz gestanden hat.

HSV-Sportdirektor Michael Mutzel: Nächste Karriereschritte – und immer wieder kreuzt Felix Magath den Weg

Ins kalte (Bundesliga-)Wasser geworfen wurde der jetzige HSV-Sportdirektor Michael Mutzel einst von keinem geringeren als HSV-Legende Felix Magath, damals Trainer bei Eintracht Frankfurt. Am 6. Februar 2000 stand Mutzel bei der 0:1-Niederlage bei der SpVgg Unterhaching auf einmal in der Startelf. Übrigens auch das erste Spiel von Magath für die vom Abstieg bedrohte Eintracht. Bis 2002 blieb Mutzel in Hessen, wechselte anschließend zum VfB Stuttgart. Sein Trainer dort: erneut Felix Magath, mit dem er in der Saison 2002/2003 Vizemeister wurde.

 Es war zwar nie einfach mit ihm, aber er hat mir als Jungprofi viel mitgegeben.

HSV-Sportdirektor Michael Mutzel über seine Profizeit unter Felix Magath

Eine harte Schule, für die Mutzel aber sehr dankbar ist: „Es war zwar nie einfach mit ihm, aber er hat mir als Jungprofi viel mitgegeben.“ Von nichts, kommt nichts. Das will der HSV-Sportdirektor den HSV-Spielern ebenfalls mitgeben, wie er im vereinseigenen Podcast erzählte: „Wenn die Jungs ein bisschen jammern, dass sie zu viel trainieren, erzähle ich ihnen, was wir unter Felix Magath machen mussten.“, plaudert Mutzel ins Mikrofon. Am Ende des Trainingslagers habe ihm seine Jeans nicht mehr gepasst, erinnert sich der heutige HSV-Sportdirektor an seine Zeit unter dem Mann, der den Spitznamen „Quälix“ trägt. Offenbar zurecht.

HSV-Sportdirektor Michael Mutzel: Kurzes Gastspiel als Nachwuchstrainer

Die längste Zeit seiner Karriere verbrachte Mutzel allerdings beim Karlsruher SC. Von 2004 bis 2011 erlebte er dort eine Berg- und Talfahrt: 2007 der Aufstieg in die Bundesliga – momentan das anvisierte Ziel mit dem HSV. Nur zwei Jahre später folgte mit dem KSV der Absturz in die Zweitklassigkeit. 2011 bekam der jetzige HSV-Sportdirektor keinen neuen Vertrag, war ein halbes Jahr auf Vereinssuche. Und landete letztlich bei der Zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg. Der starke Mann bei den Wölfen war damals – natürlich – Felix Magath.

Wenn die Jungs ein bisschen jammern, dass sie zu viel trainieren, erzähle ich ihnen, was wir unter Felix Magath machen mussten.

HSV-Sportdirektor Michael Mutzel

Nicht auszuschließen, dass Magath ihn auch zu einer Trainerkarriere riet. Diese begann nämlich im Anschluss bei der TSG Hoffenheim. Zunächst als Co-Trainer der U17. Das Engagement war aber nur von kurzer Dauer. „Als Trainer auf dem Platz war ich irgendwie zu ungeduldig. Mir ging es bei den Jungs nie schnell genug. Ein Trainer muss allerdings Geduld haben, Ruhe ausstrahlen und für die Spieler einen entsprechenden Entwicklungsweg finden“, sagt HSV-Sportdirektor Michael Mutzel. Dennoch eine wichtige Erfahrung für Mutzels Werdegang als Sportdirektor: „Es war ein spannender Einblick, der mir auch heute als Sportdirektor hilft, die Aufgaben und Probleme eines Trainerstabs nachzuvollziehen.“

HSV-Sportdirektor Mutzel: Arbeiten im Schatten von Jonas Boldt – „der HSV ist ein riesiger Club“

Die TSG Hoffenheim war die richtige Entwicklungsstufe für HSV-Sportdirektor Michael Mutzel, der bei „Hoffe“ Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums wurde. 2014 dann übernahm Mutzel die Sportliche Führung bei der SpVgg Greuther Fürth als „Direktor Profifußball“. Mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet endete die Zusammenarbeit dennoch bereits nach knapp 18 Monaten. Familiäre Gründe sollen den Ausschlag gegeben haben. Mutzel ging zurück nach Hoffenheim, leitete dort das Scouting.

Aus der Provinz in die Weltstadt. So lautete der Weg, den Mutzel letztlich dank Ralf Becker im April 2019 einschlug. Der Rest ist erzählt. „Der Hauptunterschied ist die Größe des Vereins. Der HSV ist ein riesiger Club mit einem großen Umfeld und einem enormen Medieninteresse,“ so Mutzel. Doch genau das reizt den Sportdirektor. Und der Geist von Felix Magath schwebt bekanntlich immer wieder über Hamburg. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Michael Schwarz & IMAGO / Nordphoto

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