„Goalgetter“ vom Dienst

HSV-Stürmer Simon Terodde: Teamplayer mit eingebautem Torriecher

  • Jan Knötzsch
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Simon Terodde wechselte zur Saison 2020/2021 zum Hamburger SV. Der Torriecher des HSV-Stürmers soll die „Rothosen“ zurück in die erste Fußball-Bundesliga führen.

  • Simon Terodde wechselte zur Saison 2020/2021 zum Hamburger SV.
  • Der Stürmer ist alleiniger Rekordtorschütze der eingleisigen Zweiten Bundesliga.
  • Simon Terodde stieg mit dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Köln schon in die Erste Liga auf.

Hamburg – Im Fußball ist immer dann, wenn jemand gut und regelmäßig das gegnerische Tor trifft, gerne davon die Rede, dass dieser Spieler für seinen Verein so etwas wie die personifizierte Lebensversicherung ist. Eine Rolle, wie sie Simon Terodde irgendwie auf den Maß geschneidert zu sein scheint. Dreimal wurde der im nordrhein-westfälischen Bochholt geborene Fußballer bereits Torschützenkönig in der Zweiten Bundesliga: in den Jahren 2016, 2017 und 2019.

Fußballspieler:Simon Terodde
Geboren:2. März 1988 in Bocholt
Größe:1,92 Meter
Gewicht:83 Kilogramm
Aktuelles Team:Hamburger SV (seit 2020, Rückennummer: 9)
Beitrittsdaten:1. Januar 2018 (1. FC Köln), 2016 (VfB Stuttgart) u.v.m.

HSV: Simon Terodde wurde schon drei Mal Torschützenkönig in der Zweiten Bundesliga

Anno 2016 erzielte Terodde für den VfL Bochum 25 Tore, im Jahr 2017 waren es 25 Treffer für den VfB Stuttgart und zwei Jahre später legte der Angreifer in Diensten des 1. FC Köln noch einmal etwas obendrauf: Im Trikot der Rheinländer schaffte er es, den Ball insgesamt 29 Mal über die gegnerische Torlinie zu bringen. Mit seinen Treffern für den VfB Stuttgart und den 1. FC Köln war er jeweils der Hauptverantwortliche, der mit seinen Torerfolgen einen immensen Anteil am Aufstieg der beiden Mannschaften hatte.

Insgesamt übrigens ist Simon Terodde mit seiner Ausbeute an Einschlägen im gegnerischen Netz der beste Torschütze der eingleisigen 2. Bundesliga (seit 1981) sowie der drittbeste Zweitliga-Torschütze insgesamt. Darüber hinaus absolvierte er für den 1. FC Köln und den VfB Stuttgart bislang 58 Spiele in der Bundesliga, in denen er zehn Tore erzielte. Kurzum: Das Toreschießen scheint dem am 22. März 1988 geborenen Fußballer schlicht und einfach irgendwie in die Wiege gelegt zu sein.

Treffsicher: HSV-Stürmer Simon Terodde überzeugte bislang bei all seinen Karrierestationen als Torjäger (24hamburg.de-Montage).

HSV: Simon Terodde wechselte zur Saison 2020/2021 vom 1. FC Köln in die Hansestadt

Ein Grund dafür, warum die Verantwortlichen des HSV Terodde zur Saison 2020/2021 vom 1. FC Köln loseisten und ins Volksparkstadion holten. Für Simon Terodde bedeutete der Transfer aus dem Rheinland in die Hansestadt einen Schritt zurück aus der Ersten in die Zweite Liga. Bis zuletzt galt die prekäre Finanzsituation der Hanseaten als ein Hindernis, an dem die Verpflichtung des Zweitliga-Bombers hätte scheitern können.

Letztlich aber konnten sich die Vereine doch einigen. „Wir sind sehr froh, dass dieser Transfer geklappt hat. Simon Terodde kennt die Liga und hat eindrucksvoll bewiesen, dass er sehr genau weiß, wo das Tor steht“, erklärte HSV-Sportvorstand Jonas Boldt seinerzeit im August 2020. „Simon ist heiß auf den HSV und auf die Aufgabe, unsere insgesamt sehr junge Mannschaft mit seiner Erfahrung und Qualität in ihrer Entwicklung zu unterstützen und besser zu machen“, ergänzte Boldt.

HSV: Angreifer Simon Terodde „ist kein Spieler, der in der Kabine große Reden schwingt“

Und genau das tut Terodde seitdem. Der Stürmer, der nach sieben Jahren in der Jugend beim SV Krechting zum VfL Rhede und von dort über den 1. FC Bochholt zum MSV Duisburg wechselte, wo er den Sprung aus dem Nachwuchs in den Profibereich schaffte, ist eben – wie eingangs erwähnt – die personifizierte Lebensversicherung für den jeweiligen Club, für den er seine Fußballschuhe schnürt. Egal, ob nun beim HSV oder auf den vorherigen Karrierestationen in Köln, Stuttgart, beim VfL Bochum, Union Berlin oder Fortuna Düsseldorf.

Der 1,92 Meter große Rechtsfuß ist dabei keinesfalls ein extravaganter Torgarant, der sich nur über die eigene Trefferquote definiert, sondern vielmehr ein bodenständiger Teamplayer, wie er selbst zum Beginn seiner Zeit in Hamburg in der Stadionzeitung des HSV verlauten ließ. „Du kannst nicht sagen, wie es gehen soll, wenn du deine eigene Leistung nicht bringst“, erklärte Terodde dort und ergänzte: „Ich komme gern über die Leistung und bin kein Spieler, der unabhängig davon in der Kabine große Reden schwingt.“

HSV: Terodde sagte seinem Berater, dass er in der 2. Liga nur mit dem Hamburger SV sprechen sollte

Vielleicht, weil Simon Terodde auch weiß, wie es sich anfühlt, wenn man einmal nicht ganz oben ist. Denn nach seinem Sprung in den Profibereich stagnierte die Karriere des 1,92 Meter-Mannes in Duisburg. „Damals habe ich gedacht: Geil, ich habe meinen Traum zum Beruf gemacht und bekomme Geld dafür Fußball zu spielen. Doch dann bin ich durch eine Meniskusverletzung mehr als ein Jahr raus gewesen. Auch in Düsseldorf war ich nach einem guten Start mit einer Rippenverletzung drei Monate raus. Da war es auf einmal nicht mehr so, dass die Vereine Schlange standen.“ Terodde hätte damals beinahe mit dem Fußball aufgehört.

Seinem Vater sagte er, dass er keine Lust mehr habe und es nicht sein Anspruch sein könne, „in der 90. Minute eingewechselt zu werden. Ich wollte etwas Handfestes in der Hand haben und hatte überlegt, zurück in den Job zu gehen. Aber mein Vater, meine Freunde und auch der Trainer haben mir das ausgeredet. Ein Stück weit macht es mich stolz, dass ich diesen Weg gegangen bin. Ich habe früh erlebt, wie es ist, auch mal ganz unten am Boden zu sein“, so Terodde, der vor dem Wechsel in die Hansestadt zu seinem Berater sagte, „dass er in der Zweiten Liga mit keinem Verein sprechen muss – außer mit dem HSV.“

Hamburger SV: Torjäger Simon Terodde mag es, bei Traditionsvereinen zu spielen

Denn Terodde mag es, „bei Traditionsvereinen zu spielen. Ich mag die damit verbundene Erwartungshaltung und das Anspruchsdenken. Bei solchen Vereinen gibt es nur Gewinnen oder Verlieren. Es gibt keinen Graubereich, wo es vielleicht mal egal ist, ein Spiel zu verlieren.  Du musst ausstrahlen, dass du für einen Traditionsverein spielst und dass du immer der Favorit bist.“ 

Wie Terodde im Sommer 2020 zu seinem Dienstantritt in der Stadionzeitung der „Rothosen“ erklärte, „bewegt der HSV deutschlandweit viele Menschen. In diesem Umfeld kannst du mit deinen Leistungen den Glauben der Leute bewegen. Du kannst beeinflussen, mit welchem Gefühl sie nach dem Spieltag in der kommenden Woche zur Arbeit gehen.“ Und Simon Terodde kann dies besonders beeinflussen. Mit seinen Toren. Und im besten Fall obendrein mit dem aktuellen Kader des Hamburger SV zum Ende der Saison 2020/2021 den in Hamburg inzwischen lang ersehnte Aufstieg in die Bundesliga klarmachen...

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa/picture alliance

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