Leistungsexplosion

HSV: Vom Loser zum Liebling – Kittel in Topform

  • Jan Knötzsch
    VonJan Knötzsch
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Nach seinem Platzverweis gegen Hannover war Sonny Kittel bei den Fans unten durch. Er wurde im Netz phasenweise übel angefeindet. Nun dreht er voll auf.

  • Sonny Kittel trifft für den HSV gegen den SC Paderborn doppelt.
  • Die Leistungskurve des 28-Jährigen zeigt seit Wochen nach oben.
  • Trainer Daniel Thioune spricht über die Entwicklung des Mittelfeldspielers.

Hamburg – Er war so etwas wie die Hassfigur der Fans beim Hamburger SV*. Zumindest kurz vor dem Ende des vergangenen Jahres. Im Heimspiel gegen Hannover 96 am 5. Dezember 2020 flog Sonny Kittel* nach 25 Minuten vom Platz. Für ein Foul an einem Gästespieler, der in dem Moment als Kittel ihn zu Boden beförderte, schon im Aus stand. Mit einem Mann weniger verlor der HSV 0:1. Sonny Kittel avancierte zum Sündenbock, löschte seinen Instagram-Account – und ist jetzt, etwas mehr als einen Monat später, auf einmal der neue Heilsbringer beim Zweitligisten.

Fußballspieler:Sonny Kittel
Geboren:6. Januar 1993 (Alter: 28 Jahre) in Gießen
Größe:1,79 Meter
Gewicht:65 Kilogramm
Aktueller Verein:Hamburger SV (seit 2019, Rückennummer: 10)
Position:Mittelfeld

HSV: Platzverweis gegen Hannover – nach Kritik löscht Sonny Kittel seinen Instagram-Account

Ein krasser Karriere-Kick, nachdem es lange Zeit so ausgesehen hatte, als hätte die HSV-Zeit von Sonny Kittel eher einen kräftigen Knick statt eines Kicks bekommen. Zwar beteuerte Kittel, er habe seinen Instagram-Account so oder so löschen wollen und dies habe nichts mit der Kritik an seiner Person zu tun. Doch auch unabhängig davon: Der Mittelfeldspieler des HSV musste viel über sich ergehen lassen. Vor dem Hannover-Spiel Kritik an seinem bisweilen phlegmatischen Spielstil, nach dem Platzverweis Spott, Häme und zum Teil wüste Beleidigungen für eben jene Aktion.

HSV-Mittelfeldspieler Sonny Kittel hat nach der Kritik an seiner Person aus dem Dezember 2020 inzwischen allen Grund zum Jubeln. (24hamburg.de-Montage).

Es folgte nicht nur die Sperre wegen des Platzverweises. Nein, Trainer Daniel Thioune* verlängerte die Pause Kittels noch um eine weitere Partie, in der er nicht auf ihn setzte. Offenbar die richtige Entscheidung des HSV-Coaches, um den 28-Jährigen entsprechend zu kitzeln und für einen Wendepunkt zu sorgen. Denn statt als Figur, an der sich die Geister des HSV-Anhangs scheiden, fungiert Kittel seitdem wieder als Stammspieler. Nein, sogar mehr als das. Das einstige Sorgenkind hat sich zum Leistungsträger entwickelt.

HSV: Sonny Kittel bessert seine Bilanz auf – fünf Treffer und fünf Vorlagen

Es läuft gut für Kittel. Richtig gut. Der gebürtige Gießener ist auf dem Flügel gesetzt und dort ein belebendes Element im Offensivspiel des Clubs aus dem Volksparkstadion*. Insgesamt stehen jetzt fünf selbst erzielte Saisontreffer auf Kittels Zettel. Hinzu kommen fünf Vorlagen, die der 28-Jährige seinen Teamkollegen zu Toren gab. Eine Bilanz, die sich mehr als nur sehen lassen kann. Aber warum funktioniert Sonny Kittel auf einmal? Und warum ausgerechnet jetzt?

„Im Moment klappt es sehr gut“, muss auch Trainer Daniel Thioune erst einmal anerkennen, dass nach Bakery Jatta* und dem ebenso wie Kittel viel gescholtenen David Kinsombi*, der auch endlich aufdreht, der nächste HSV-Kicker die Kurve gekriegt hat. „Sonny wird immer auf einzelne Szenen reduziert“, kritisiert Thioune allerdings, dass die Beurteilung und Wahrnehmung Kittels nicht immer fair verlaufen sei. „Ich habe immer betont, dass er ein wichtiger Faktor für unsere Mannschaft und unseren Verein ist“, so Thioune.

HSV: Trainer Thioune muss Kittel nicht anstacheln – sondern „an Dinge erinnern, die er gut macht“

Nun ist Kittel aber einer dieser Spieler, die zwar zu genialen Momenten neigen, die man aber andererseits allerdings auch ein bisschen in Watte packen muss, wenn es einmal nicht so läuft. „Man muss Sonny nicht anstacheln, sondern an die Dinge erinnern, die er gut macht“, bestätigte Thioune in der Hamburger Morgenpost diesen Eindruck und ergänzt: „Wenn man bei ihm Unzufriedenheit spürt, liegt es meistens daran, dass er nicht so in seine Abläufe kommt“. Entsprechend also ist Thioune bei Kittel zu einem gewissen Maß auch auf psychologischer Ebene gefordert.

„Es kommen sicher auch wieder Spiele, in denen es nicht ganz so läuft wie zuletzt“

HSV-Trainer Daniel Thioune über Mittelfeldspieler Sonny Kittel

„Wir haben alle etwas davon, wenn er so spielt. Er macht es sehr gut im Moment, aber Sonny hat auch sehr viel dafür getan, dass er sich aus der nicht so guten Phase herausgebracht hat“, konstatiert der Trainer des Zweitligisten aus Hamburg*, der aber weiß: „Es kommen sicher auch wieder Spiele, in denen es nicht ganz so läuft wie zuletzt.“ Dann ist Thiounes Händchen gefragt, um dafür zu sorgen, dass nach Sonny Kittels Karriere-Kick in die richtige Richtung nicht doch ein Knick folgt. *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Frank Molter/dpa/picture alliance & Christian Charisius/dpa/picture alliance

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