Ex-Profi in der Kritik

HSV: Sozialschmarotzer? Millionär Jansen kassiert Versicherungssumme

  • Jan Knötzsch
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Marcell Jansen dürfte als HSV-Präsident und Unternehmer ausreichend Kohle haben. Warum bezieht er trotzdem Geld aus der gesetzlichen Unfallversicherung?

  • Ex-Profi Marcell Jansen* beantragt Zahlungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung.
  • Instagram-User sehen im Vorgehen des Unternehmers und Start- Up-Gründers „eine Unverschämtheit
  • Der HSV-Präsident lässt sich diese Vorwürfe nicht gefallen und zofft sich deshalb auf „Instagram“

Hamburg – Eigentlich ist mit Marcell Jansen, wie man es so schön sagt, gut Kirschen essen. Der Präsident des Hamburger SV gilt als netter, eloquenter Mann. Der 35-Jährige weiß, sich auszudrücken und macht zudem mit Beteiligungen an etlichen Start-Ups auch abseits des Fußballplatzes Geld und Karriere. Zuletzt brachte der Ex-Nationalspieler mit Geschäftspartnern eine Intim-Pflege für Männer* auf den Markt. Kurzum: Jansen geht‘s gut. Er dürfte finanziell keine Probleme haben. Dennoch hat „Cello“, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der HSV Fußball AG ist, jetzt richtig Ärger am Hals.

Ex-Fußballspieler:Marcell Jansen
Geboren:4. November 1985 (Alter: 35 Jahre) in Mönchengladbach
Aktuelle Tätigkeiten: Präsident Hamburger SV e.V (seit 19. Januar 2019), Aufsichtsratsvorsitzender HSV AG (seit 28. März 2020), Unternehmer
Karrierebeginn als Profi:1990
Karriereende als Profi:2015 (aktuell: Amateur-Fußballer beim Hamburger SV III)
Bisherige Vereine:Hamburger SV III (seit 2018), Hamburger SV (2008-2015), FC Bayern München (2007-2008), Borussia Mönchengladbach (2004-2008)

HSV: Sozialleistungen werden nicht auf das Einkommen von Präsident Marcell Jansen angerechnet

Der HSV-Präsident zählt nach einem Bericht von Spiegel Online zu denjenigen unter den Ex-Fußballspielern, die bei der gesetzlichen Unfallversicherung eine Verletztenrente beantragt und genehmigt bekommen haben. Diese Art der Unterstützung ist für Arbeitsnehmer vorgesehen, deren Erwerbstätigkeit durch einen Arbeitsunfall auf Dauer stark eingeschränkt ist. Das Attraktive an den Zahlungen, selbst für diejenigen, die in ihrer Karriere ordentlich Kohle gemacht haben: Sie sind steuerfrei. Heißt: Das Geld wird, anders als es bei anderen Sozialleistungen der Fall ist, nicht auf das übrige Einkommen angerechnet.

HSV-Präsident Marcell Jansen zofft sich auf Instagram mit Usern, die ihn zuvor verbal angegriffen hatten. (24hamburg.de-Montage)

Hamburger SV: Marcell Jansen erhält Zahlungen von mehreren tausend Euro pro Monat

Jansens genehmigte Verletztenrente, angeblich soll es sich dabei um vier Verletzungen handeln, von denen die letzte acht Jahre zurückliegt, beläuft sich offenbar auf mehrere Tausend Euro pro Monat. Zusammen summieren sich seine Verletzungen zu einer Minderung seiner Erwerbsfähigkeit, der sogenannten „MdE“, um 50 Prozent. Mit so viel rechnet die gesetzliche Versicherung laut Spiegel Online gewöhnlich bei Verletzten nach der Amputation eines Beins. Allein für eine Schulterverletzung aus dem Jahr 2012 erlitt, könnten laut Spiegel Online über Jahre Gesamtzahlungen in Höhe von 300.000 Euro fließen.

HSV: User werfen Präsident Jansen vor, er bediene sich „am Geld der arbeitenden Bevölkerung“

Ein Umstand, der unter einem Instagram-Post Jansens für mächtig Empörung, Ärger und entsprechende Kommentare von den Usern sorgt. „Sind Sie ein Sozialschmarotzer und bedienen sich am Geld der arbeitenden Bevölkerung?“, fragt ein User Jansen unverblümt, während ein anderer dem Ex-Nationalspieler rät: „Hör du lieber auf die gesetzliche Unfallversicherung abzukassieren. Kein feiner Zug“. Ein weiterer User greift Jansen in seinem Kommentar an, dass er sich „schämen soll. Das wäre verwerflich, weil in diese Solidarkasse auch Geringverdiener einzahlen.“ In mehreren anderen Kommentaren ist ebenso von „einer Unverschämtheit“ die Rede, die der Präsident des Zweitligisten aus Hamburg da begehe.

Hamburger SV: Präsident und Unternehmer Marcell Jansen bezeichnet User als „Wutbürger“

Zu viel für Jansen, der mit seinem Ärger über derartige Kommentare nicht hinter dem Berg halten kann und in der Kommentarspalte unter seinem Post als Antwort auf die Vorwürfe, er sei ein Versicherungs-Schmarotzer, deutlich zurückschießt. Einen der Kritiker bepöbelt der sonst so eloquente Jansen zunächst als „Wutbürger“, ehe er dann mit einem Wink auf das berühmte Zitat von Ex-Profi und Ex-Bundestrainer Rudi Völler („Er hat den Fußball nie geliebt“) in Ironie verfällt und sich die User verbal zur Brust nimmt.

„Erst habe ich den Fußball nie geliebt, jetzt gibt es einen Riesen-Aufschrei, sich mit Schmerzmittel auf den Platz der Fünften Liga zu schleppen. Im nächsten Leben werde ich es anders machen für Euch, die Kohle im Ausland nochmal absahnen (steuerfrei) und teile nicht brüderlich fast 50 Prozent meines Gehaltes, wie in meiner ganzen aktiven Zeit“, ätzt Jansen in Richtung der unverhohlenen Kritiker.

HSV: Präsident Jansen will sich lieber „um die wirklich wichtigen Dinge kümmern“

Im nächsten Leben werde er „nicht Gründer und schaffe Arbeitsplätze, sondern verbrate sein Geld mit Lifestyle. Dass extreme Arbeitsunfälle, größere Operationen, irgendwann mal entschädigt werden, sollte eigentlich nicht verwundern. Erst recht nicht, wenn Vereine wie zum Beispiel der HSV 1,5 bis zwei Millionen Euro pro Saison in das System einzahlen.“

„Das Multiplizieren mit allen anderen Bundesligisten erspare ich mir an dieser Stelle und auch das Hochrechnen auf meine sieben Jahre beim HSV“, teilt HSV-Präsident Marcell Jansen weiter aus und konstatiert: „Also zahlte meine Mama, die 35 Jahre bei Aldi im Lager gearbeitet hat, nicht die Leistung für die Bundesligaspieler. Sondern die Vereine, für die man die Knochen hingehalten hat.“ Kurios übrigens: Seine Antwort auf die User-Kommentare schließt Jansen mit dem Hinweis, sich jetzt „um die wirklich wichtigen Dinge“ zu kümmern und verlinkt auf sein Projekt „Hygiene Circle“... * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa/picture alliance

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