HSV-Beirat schmettert Kandidatur ab

HSV-Präsident: Als Marcell Jansen-Gegner abgelehnt – Ex-Profi platzt Kragen

  • Jan Knötzsch
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Marcell Jansen will wieder Präsident werden. Marinus Bester hatte das gleiche Ziel. Seine Kandidatur wurde abgelehnt. Jetzt droht dem HSV unter Umständen Dilemma.

Hamburg – Der Tag aller Tage ist auf den 7. August 2021 terminiert. Dann soll ab 11:00 Uhr bei der Mitgliederversammlung des HSV e.V. entschieden werden, wer neuer Präsident wird. Dass Marcell Jansen seinen Hut in den Ring wirft – seit Wochen bekannt. Auch Ex-Profi Marinus Bester und weitere Kandidaten wollten kandidieren. Doch dann der große Knall: Kandidatur abgelehnt! Vom HSV-Beirat, der laut Satzung die Kandidaten auswählt. Marinus Bester und seinem Team platzt der Kragen.

Und der Hamburger SV steuert möglicherweise auf das nächste Dilemma nach dem HSV-Machtkampf zu, an dessen Ende bekanntlich das bis dato amtierende Präsidium um Marcell Jansen im Frühjahr 2021 geschlossen zurückgetreten ist.

Verein:Hamburger SV
Gegründet:29. September 1887 in Hamburg
Vereinsfarben:Blau-Weiß-Schwarz
Mitglieder:85.360 (Stand: 1. Mai 2021)

HSV-Präsidium: Nach Machtkampf vom Frühjahr 2021 neuer Stress – weil der Beirat Marinus Bester als Gegenkandidat zu Marcell Jansen kippt

Denn hinter den Kulissen droht der nächste Machtkampf beim Verein aus dem Volksparkstadion. Wenn er nicht schon längst tobt. Der fünfköpfige HSV-Beirat hat Marcell Jansen und seine Mitstreiter Bernd Wehmeyer und Michael Papenfuß zugelassen. Auch Dr. Ralph Hartmann, der nur auf das Amt des Vizepräsidenten scharf ist, darf sich dem Votum der Mitglieder stellen.

Marinus Bester hingegen nicht. Seine beiden Wegbegleiter Edina Müller, Paralympics-Gewinnerin, und Philipp Wenzel, Volkswirt und Pressekoordinator von „Fridays for Future Hamburg“ ebenfalls nicht.

Erneuter HSV-Machtkampf? Dass Marinus Bester (rechts) nicht als Gegenkandidat für Marcell Jansen bei der Wahl zum HSV-Präsidenten zugelassen wird, spaltet den Verein. (24hamburg.de-Montage)

Heißt ergo: Den HSV-Mitgliedern wird noch vor der Wahl die eigentliche Wahl genommen. Dass das Bester-Team nicht antreten darf, um möglicherweise eine erneute Präsidentschaft von Marcell Jansen, der als Unternehmer Intimpflege auf den Markt gebracht hat, beim HSV zu stoppen, soll der Beirat mit der Eignung von Philipp Wenzel begründet haben.

Ihm fehle es an Qualifikation und Erfahrung einen Millionen-Etat zu verwalten, so der Beirat über den studierten Volkswirt. In der Bild-Zeitung kontert Wenzel diese Begründung: „Edina, Marinus und ich sehen in unserer Nicht-Zulassung die blanke Angst vor Veränderung.“

HSV-Präsidium: Ex-Profi Marinus Bester und sein Team schießen gegen Beirat – bekannte HSV-Mitglieder beziehen Stellung

Ex-Profi Marinus Bester, der in Hamburg unter anderem Spieler, Teammanager, Co-Trainer war, und sein Team reagieren insgesamt deutlich, schießt Richtung HSV-Beirat: „Der Schritt des Beirats lässt uns völlig fassungslos zurück. Man handelt dem Wohle unseres Vereins zuwider. Mit der Entscheidung, unser Team nicht zuzulassen, wurde nicht nur unsere Kandidatur verhindert, sondern die Mitgliedschaft auch um die Chance einer Wahl und einer inhaltlichen Debatte über die Zukunft unseres Vereins gebracht“, teilt das Trio, das um das Duell mit dem Team von Marcell Jansen gebracht wurde, in einem offenen Brief mit.

Ich habe im Sinne eines fairen demokratischen Wahlprozesses überhaupt kein Verständnis dafür, dass Bester und sein Team nicht zugelassen werden

Bernd Bönte, Ex-HSV-Aufsichtsrat und ehemaliger Manager der Klitschko-Brüder

Andere im HSV gehen noch weiter. Bernd Bönte, Ex-Aufsichtsrat und ehemaliger Manager von Vitali und Wladimir Klitschko, ist aus dem Verein ausgetreten. Er habe „im Sinne eines fairen demokratischen Wahlprozesses überhaupt kein Verständnis dafür, dass Bester und sein Team nicht zur Präsidiumswahl zugelassen werden.“ Frank Mackerodt, früher selbst im Beirat und HSV-Aufsichtsrat, wütet auf Facebook mächtig rum. Wie das Bester-Team und Bönte schießt auch er gegen den HSV-Beirat.

HSV-Präsidium: Marcell Jansen noch längst nicht HSV-Präsident – bei Wahl im August kann‘s zum Riesen-Dilemma kommen

„Der HSV-Beirat spannt einen Schutzschirm über Präsident Jansen und lässt nur ihn als Kandidat zum HSV-Präsidenten zu. Unfassbar! Nach meinem Verständnis sollten die HSV-Mitglieder entscheiden und niemand sonst. Die interne Konkurrenz scheint zu groß, um einen Konkurrenten zuzulassen. Schämt Euch“, lautet sein Posting im Sozialen Netzwerk.

Der HSV-Beirat spannt einen Schutzschirm über Präsident Jansen.

Ex-HSV-Beirat Frank Mackerodt, der auch schon HSV-Aufsichtsrat war

Und der HSV? Sagt nichts. Könnte dafür aber die fette Quittung an eben jenem 7. August 2021 in der Hansestadt Hamburg bekommen. Bei der Wahl zum HSV-Präsidenten braucht Marcell Jansen 50 Prozent der Stimmen. Im ersten Wahlgang. Einen zweiten gibt‘s nicht. Verfehlt er diesen Wert, ist er durchgefallen. Dann müssen laut Bild-Zeitung eine neue Ausschreibung und eine neue Versammlung her.

Und zumindest Marinus Bester und Edina Müller könnten erneut kandidieren. Sie hat der Beirat schließlich nicht abgelehnt. Sondern nur Philipp Wenzel. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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