Katerstimmung statt Euphorie

HSV-Krise: Die Gesichter des Leistungstiefs

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Nach einem guten Saisonstart 2020/21 ist der HSV seit fünf Spielen ohne Sieg. Damit hat der Hamburger SV die Tabellenführung der zweiten Liga zunächst verspielt. Was kann jetzt helfen?

Hamburg – Es ist kein Geheimnis, dass niemand, der es mit dem HSV hält, zuletzt zufrieden sein konnte. Nach der zweiten Pleite in Folge mehren sich die kritischen Stimmen im zuletzt ungewohnt ruhigen Umfeld des Traditionsvereins. Dass der Hamburger SV keine Ergebnisse mehr wie zu Beginn der aktuellen Spielzeit einfährt, hängt auch mit der Krise von vier vermeintlichen Leistungsträgern zusammen.

Fußballverein:Hamburger SV
Cheftrainer:Daniel Thioune
Kapazität:57.000
Gründung:29. September 1887, Hamburg
Vorsitzender:Marcell Jansen
Ligen:2. Fußball-Bundesliga, DFB-Pokal

Hamburger SV versagen die Nerven – Sven Ulreich leistet sich Blackout

Der Ausgang der Partie in Heidenheim kann spöttisch mit dem Filmtitel „Und täglich grüßt das Murmeltier“ beschrieben werden. Wie bereits im Juni 2020 kassierte der HSV in der Stadt an der Brenz erneut eine Last-Minute-Niederlage*. Zwar wäre ein leistungsgerechtes 2:2-Remis am Ende ein faires Ergebnis gewesen, doch sorgte ein Blackout von Torhüter Sven Ulreich für den Siegtreffer der Heidenheimer.

Haben derzeit nicht viel zu lachen: Die HSV-Kicker Tim Leibold und Sven Ulreich sind seit fünf Spielen sieglos. (24hamburg.de-Montage)

HSV-Coach Daniel Thioune, ganz der Teamplayer, wollte mit seinem Spieler nach Abpfiff nicht allzu hart ins Gericht gehen. Dennoch wird sich auch der ehemalige Übungsleiter vom VfL Osnabrück bewusst sein, dass zumindest ein Punkt leichtfertig hergeschenkt wurde. Nun geht es für das gesamte Team mitsamt Betreuern darum, die letzten Negativ-Erlebnisse schnell aus den Köpfen zu bekommen. Neben Ulreich gilt dies vor allem für Khaled Narey, Tim Leibold* und Sonny Kittel*.

HSV in der Krise: Sonny Kittel agiert lustlos, Khaled Narey läuft eigenen Ansprüchen hinterher

Trotz seines Treffers zur 1:0-Führung für den HSV konnte Kittel in Heidenheim nicht überzeugen. Schon im Spiel gegen Holstein Kiel agierte der 27-Jährige lethargisch und wirkte mitunter gar lustlos. Dies lässt sich nicht zuletzt an seiner Laufleistung festmachen, welche die am wenigsten zurückgelegten Kilometer der Rothosen-Kicker aufweist. Im Stadtderby gegen den FC Sankt Pauli durfte Kittel lediglich 20 Minuten ran, bei der Pleite gegen den VfL Bochum* waren es lediglich 23 Minuten.

Der aus Gießen stammende Linksaußen sucht genauso nach seiner Form wie Khaled Narey. Der Flügelflitzer wird seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht und kommt bisher auf drei Scorerpunkte (zwei Tore, eine Vorlage). Narey kann getrost als „Schönwetter-Fußballer“ bezeichnet werden, der nur dann zu Höchstform aufläuft, wenn die gesamte Teamleistung stimmt. Doch braucht der HSV auch Spieler, die eine Partie durch eine Einzelaktion im Alleingang entscheiden können.

Tim Leibold im Formtief – HSV-Torhüter Ulreich noch nicht der erhoffte Führungsspieler

Damit die Kicker des Hamburger SV überhaupt erst in aussichtsreiche Positionen vor dem gegnerischen Tor gelangen, bedarf es natürlich auch entsprechender Vorlagengeber. Als solcher ist definitiv Außenverteidiger Tim Leibold zu bezeichnen – zumindest in der Saison 2019/2020. In der vergangenen Spielzeit avancierte der ehemalige U20-Nationalspieler zum besten Vorbereiter in der 2. Fußball-Bundesliga. Stolze 16 Assists sowie ein Tor standen am Ende für Leibold zu Buche. Da der 27-Jährige in allen 34 Spielen zum Einsatz kam, war er somit durchschnittlich alle zwei Partien an einem HSV-Treffer beteiligt.

Auf solch eine Statistik kann Tim Leibold derzeit nicht verweisen. Bisher steht für ihn nur ein Saisontor in der persönlichen Bilanz, Vorlagen werden vergebens gesucht. Dabei sollte der Linksverteidiger mit seinen Offensivqualitäten zum Faustpfand im eng umkämpften Aufstiegsrennen werden. Und auch Sven Ulreich kommt eine besondere Rolle zu. Der ehemalige Ersatztorhüter vom FC Bayern München heuerte erst im Oktober 2020 beim HSV an und sollte eine Führungsrolle einnehmen. Dies ist bis dato nur bedingt erfolgt.

Krisen-Duell mit Hannover 96: HSV will Negativ-Spirale entkommen

Unabhängig von Ulreichs Patzer im Spiel gegen Heidenheim wirkte der 32-Jährige zuletzt desorientiert. Schon bei der Heimspiel-Niederlage gegen den VfL Bochum fiel der Torhüter durch zahlreiche, lange Abschläge auf, die im Aus landeten und damit ins Leere führten. Der gebürtige Schwabe kann auf rund 225 Einsätze im Fußball-Oberhaus zurückblicken und soll mit all seiner Erfahrung und Qualität das Aufbauspiel der Hanseaten bereichern. Ein Auftrag, dem Ulreich zuletzt nicht nachkommen konnte.

Woran dies liegt, muss HSV-Coach Daniel Thioune zeitnah ermitteln. Bereits am Samstag, 5. Dezember 2020, steht für die Rothosen das nächste Spiel an. Es wartet das Duell mit dem Nordrivalen Hannover 96, der sich ebenfalls in einer Krise befindet. Um die Hannoveraner hinter sich zu lassen, setzt der Hamburger SV wie gewohnt auf den ausgeprägten Torriecher von Stürmer Simon Terodde, der sich im wahrsten Sinne des Wortes als Volltreffer erwiesen hat. Am Ende wird jedoch die Qualität aller HSV-Kicker benötigt, um den sprichwörtlichen Bock umzustoßen. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa & Christian Charisius/dpa & Lukas Schulze/dpa

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