Schritt in die richtige Richtung?

HSV: Verkehrte Welt — Mutzel und Boldt sehen trotz Pleite Aufwärtstrend

  • Jan Knötzsch
    vonJan Knötzsch
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Ein Widerspruch in sich: Die Verantwortlichen sehen den HSV nicht in der Krise — trotz drei Pleiten in Folge und zuletzt insgesamt fünf nicht gewonnenen Spielen.

  • Der HSV geht gegen Hannover im dritten Spiel nacheinander ohne Punkte vom Platz.
  • Sportvorstand Jonas Boldt wertet das Spiel trotz Niederlage als „Schritt in die richtige Richtung.“
  • Sportdirektor Michael Mutzel spricht von einer Delle, aber „die bekommen wir auch wieder ausgebeult.“

Hamburg — Eigentlich, so heißt es ja, sind aller guten Dinge drei. Beim Hamburger SV* muss dieses Sprichwort aktuell allerdings umgedichtet werden. Bei den Kickern aus dem Volksparkstadion ist momentan aller schlechten Dinge drei. Das Spiel gegen Hannover 96 vom vergangenen Wochenende ist nach den Pleiten gegen den VfL Bochum und den 1. FC Heidenheim die nunmehr bereits dritte Niederlage der Mannschaft von Trainer Daniel Thioune in Serie. Rechnet man die vorherigen Unentschieden gegen Holstein Kiel und den FC St. Pauli hinzu, warten die Hamburger bereits seit fünf Spielen auf ein Erfolgserlebnis. Kurzum: ein echter Negativlauf. Aber für Sportdirektor Michael Mutzel und Sportvorstand Jonas Boldt stellt dies weiterhin keinen Anlass zu großen Sorgenfalten auf der Stirn dar.

Fußballverein:Hamburger SV
Gründung:29. September 1887, Hamburg
Stadion:Volksparkstadion
Kapazität:57.000
Vorsitzender:Marcell Jansen
Liga:Zweite Bundesliga
Cheftrainer:Daniel Thioune

HSV: Sportvorstand Jonas Boldt tadelt Sonny Kittels Platzverweis als „dumm und unnötig“

„Es ist fast schon skurril, dass wir dieses Spiel trotz der Unterzahl nicht noch gewonnen haben, aber so ist Fußball manchmal. Das Ergebnis war richtig bitter, dennoch war es eine gute Reaktion auf die letzten Spiele und definitiv ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Jonas Boldt in einer Medienrunde mit Blick auf das Spiel vom vergangenen Samstag. „Fünf Spiele ohne Sieg sind nicht unser Anspruch — das ist klar. Doch wir müssen diesen Sturm jetzt aushalten und dürfen uns durch ihn nicht vom Weg abbringen lassen“, ergänzte der Sportvorstand des Zweitligisten.

Aus Sicht von Sportdirektor Michael Mutzel und Sportvorstand Jonas Boldt hat sich der HSV trotz der Niederlage gegen Hannover gesteigert. (24hamburg.de-Montage)

Gegen die Niedersachsen aber kam der HSV eben von jenem Weg ab — und das, wo die Hannoveraner doch der mit Abstand am schlechtesten aufgelegte Gegner waren, der in der laufenden Saison seine Visitenkarte im Volkspark abgab. Zu einem großen Teil war die neuerliche Niederlage selbstverschuldet. Durch den Platzverweis von Sonny Kittel, der sich nach einem ebenso übermotivierten wie überflüssigen Einsteigen schon nach 25 Minuten die Gelb-Rote Karte einhandelte. „Der Platzverweis von war dumm und unnötig, das weiß er selber“, so Boldt über den Kittel.-Aussetzer. „Zudem hatten wir eine kurze schlafmützige Phase, in der das Gegentor fällt“, fügte der Sportvorstand hinzu.“

Hamburger SV: Sportdirektor Michael Mutzel spricht von „unglaublich blöden Gegentoren“

Von da an, so die Auffassung von Jonas Boldt, sei der HSV „deutlich besser als der Gegner“ gewesen und „hatte etliche Torchancen.“ Allein: keine davon konnten die Kicker von Coach Daniel Thioune in Zählbares ummünzen. Allen voran auch, weil der ansonsten so treffsichere Top-Torjäger Simon Terodde aktuell sein Zielwasser verloren zu haben scheint. Dennoch zieht nicht nur Boldt trotz der erneuten Pleite ein positives Fazit, sondern auch Michael Mutzel. „Ich habe eine Mannschaft gesehen, die nach dem Platzverweis 65 Minuten lang richtig gut gearbeitet, leidenschaftlich gekämpft, das Spiel beherrscht und sich viele Chancen herausgespielt hat.“

So weit, so gut — der Haken bleibt aber dennoch eben das Ergebnis. „Das hat nicht gestimmt. Das wissen wir, deshalb reden wir auch nichts schön. Es gibt solche Phasen, in denen man sich unglaublich blöde Gegentore einfängt und vorne den gegnerischen Torwart anschießt“, konstatiert der Sportdirektor, der nicht umhin kommt, zuzugeben: „Wir haben eine Delle. Die können wir nicht wegdiskutieren und wollen wir nicht wegdiskutieren.“ Die aber, so Mutzel mit einer gehörigen Portion Optimismus, „kriegen wir auch wieder ausgebeult, wenn wir so weiterarbeiten.“

HSV: Für Jonas Boldt ist das Hannover-Spiel trotz Pleite „ein Schritt in die richtige Richtung“

Denn aus Sicht der beiden HSV-Verantwortlichen ist klar, dass die Leistungskurve des HSV im Vergleich zu den vorherigen Spielen im Match gegen Hannover nach oben zeigte. „In den ersten fünf Spielen waren wir so erfolgreich, weil wir richtig dagegengehalten haben. Wir haben nicht gewackelt und waren stabil“, befindet Jonas Boldt. Dies sei auch in den Duellen gegen den FC St. Pauli und Holstein Kiel zum größten Teil noch so gewesen. „Was nicht passieren darf, sind Leistungen wie gegen Heidenheim und Bochum. Gegen Hannover hatten wir unsere bisherige Griffigkeit wieder zurück. Deshalb werte ich das Spiel trotz des Ergebnisses als Schritt in die richtige Richtung.“

Überhaupt: Der HSV muss nach vorn und nicht zurück schauen, so der Tenor der Verantwortlichen. „Der Blick in den Rückspiegel bringt uns nicht weiter. Wir beschäftigen uns jetzt mit dem nächsten Spiel“, fordert Michael Mutzel volle Konzentration auf die bevorstehende Partie gegen den SV Darmstadt 98 am Samstag, 12. Dezember (Anstoß: 13 Uhr, Stadion am Böllenfalltor), wo die Hanseaten dann ohne „Gelb-Rot-Sünder“ Sonny Kittel auskommen müssen, zu dessen Aufritt am Samstag auch Mutzel eine deutliche Meinung hat, wobei er allerdings auch eine schützende Hand über den Mittelfelfspieler hält.

Hamburger SV: Trainer Daniel Thioune sieht in Sonny Kittel nicht den alleinigen Sündenbock

„Sonny wollte nach der Kritik der letzten Wochen unbedingt beweisen, dass er es besser kann und war daher übermotiviert und ungestüm. Er hat einen großen Fehler gemacht und ist natürlich extrem geknickt, dass er der Mannschaft solch einen Bärendienst erwiesen hat“, so Mutzel, der in der Medienrunde mit Blick auf das Hannover-Spiel anfügte: „Da gehen wir als Team jetzt zusammen mit ihm durch und bauen ihn auch wieder auf. Es geht weiter.“ Und zwar zusammen.“ Mehr Interpretationsspielraum, was er von der Aktion Kittels hielt, ließ derweil Trainer Daniel Thioune.

„Vielleicht war er übermotiviert. Beide Aktionen waren nicht gut. Die Situation war unnötig“, sagte der HSV-Coach, der zunächst ankündigte, das Gespräch mit dem „Sünder“ zu suchen und „dazu erst einmal nicht mehr sagen“ wollte, um dann aber doch noch zumindest ein klein wenig einzulenken: „Es wäre mir zu einfach, jetzt alles darauf zu reduzieren. Sonny hat sicher einen Fehler gemacht. Aber wir hatten 65 Minuten Zeit, das Ergebnis zu egalisieren.“ * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Carmen Jaspersen/Axel Heimken/dpa/picture alliance

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