Sportdirektor sieht null Bedarf

HSV-Sturm-Misere: Kommt noch jemand? Das sagt Mutzel

  • Jan Knötzsch
    vonJan Knötzsch
    schließen

Beim HSV trifft Simon Terodde wie am Fließband. Aber eben nur er. Was ist, wenn Terodde mal ausfällt? Das erklärt Michael Mutzel zu möglichem Stürmerkauf.

  • Mit 19 Saisontoren ist der Hamburger SV derzeit die treffsicherste Mannschaft der Zweiten Bundesliga.
  • Simon Terodde leidet unter Ladehemmungen, doch Sportdirektor Michael Mutzel sieht null Bedarf.
  • HSV-Konkurrent Hannover 96 macht‘s anders und beschäftigt sich mit Torjäger Vedad Ibisevic.

Update vom Mittwoch, 9. Dezember 2020, 9.30 Uhr: Hamburg Der Hamburger SV hat mit aktuell 19 Treffern zwar gemeinsam mit der SpVgg Greuther Fürth die meisten Tore in der laufenden Saison der Zweiten Bundesliga erzielt, doch so richtig rund läuft es in vorderster Reihe bei den Stürmern der „Rothosen“ nicht. Einzig und allein Simon Terodde wies in der aktuellen Spielzeit bislang nachhaltig sein Können in Form von Toren nach. Neunmal traf der 32-Jährige ins Schwarze. In den letzten beiden Spielen gegen Heidenheim und Hannover aber blieb Terodde blass — und vor allem torlos. Die „Joker“ aus der zweiten Reihe wie Lukas Hinterseer und Bobby Wood kommen nicht ansatzweise an Teroddes Torquote heran.

Fußballverein:Hamburger SV
Gründungsdatum:29. September 1887 (in Hamburg)
Cheftrainer:Daniel Thioune (seit 1. Juli 2020)
Vorsitzender:Marcell Jansen (seit 19. Januar 2019)
Vorstand:Frank Wettstein (Finanzen, Recht & Personal), Jonas Boldt (Sport)
Sportdirektor:Michael Mutzel (seit 1. April 2019)
Ligenzugehörigkeit:Zweite Bundesliga, DFB-Pokal

HSV: Ligakonkurrent Hannover 96 beschäftigt sich mit Transfer von Torjäger Vedad Ibisevic

Ein neuer Stürmer kommt dem HSV allerdings dennoch weiterhin nicht ins Haus. Sportdirektor Michael Mutzel sieht null Bedarf, auf der Position zu handeln. Dabei wäre ein Top-Kandidat für einen Wechsel im Winter auf dem Markt. Doch den wird unter Umständen Ligakonkurrent Hannover 96 dem HSV vor der Nase wegschnappen. Die Rede ist von Vedad Ibisevic. Der bereits in der Bundesliga erprobte Angreifer hat sich mit dem FC Schalke 04 auf eine Auflösung seines Vertrages zum Jahresende geeinigt und ist ablösefrei. Die Neue Presse berichtet über ein konkretes Interesse der Niedersachsen an dem 36-jährigen „Oldie“.

HSV: Bislang traf nur Simon Terodde gut — doch der hat seinen Torriecher zuletzt auch verloren

Erstmeldung vom Freitag, 27. November 2020, 16:20 Uhr: Hamburg — Eigentlich liest sich alles gut. Und dennoch ist die Sache nicht komplett in Ordnung: Der Hamburger SV hat in der laufenden Saison in der Zweiten Bundesliga bislang in acht Spielen 17 Treffer erzielt. Mehr als jeder andere Konkurrent der „Rautenkicker“. Aber: ein Großteil davon geht auf das Konto von Simon Terodde, bei dem sich selbst HSV-Legende Uwe Seeler kürzlich klar positionierte, der Verein möge doch bitte unabhängig vom Gelingen des Aufstiegs mit dem 32-Jährigen verlängern. Neun Mal war Terodde bisher erfolgreich.

Abgesehen von den Torerfolgen des 32-Jährigen tut sich beim HSV in der vordersten Reihe nicht viel: Manuel Wintzheimer legte zwar seinen Teamkollegen bislang vier Saisontore als Vorbereiter auf, traf selbst allerdings nur zwei Mal ins Schwarze — zu wenig für einen Stürmer. Noch schlechter sieht die Bilanz bei zwei weiteren Angreifern aus, die im Kader von Trainer Daniel Thioune stehen: Sowohl Bobby Wood als auch Lukas Hinterseer konnten bislang bei ihren Joker-Einsätzen nicht überzeugen. Für beide steht bislang noch kein einziges Tor in der aktuellen Zweitliga-Saison zu Buche.

Hamburger SV: Mutzel hält schützend die Hand über die „Torlosen“ — „Gute Jungs mit viel Qualität“

Bei Wood gibt‘s ebenso wie bei Hinterseer bereits Gerüchte über einen Abgang. Spätestens im Sommer 2020, wenn die Verträge der beiden auslaufen. Womöglich aber auch schon, wenn das Winter-Transferfenster sich öffnet. Für Hinterseer soll es Interessen aus der Zweiten Bundesliga geben. Der Österreicher liebäugelt aber eher mit einem Wechsel in Richtung England, seinem fußballerischen Traumland. Einleuchtender Hintergrund: Hinterseer hegt Hoffnungen, noch in den österreichischen EM-Kader zu rücken. Die ideale Voraussetzung dafür: regelmäßige Einsatzzeit und Tore.

Würde Hinterseer gehen, hätte der HSV neuen finanziellen Handlungsspielraum. Doch muss der Verein nicht auch unabhängig von einem möglichen Abgang des Österreichers handeln? Eine wirkliche Torgefahr kommt schließlich weder von Wintzheimer noch von den beiden „Jokern“ Wood und Hinterseer, die es bislang nicht geschafft haben, sich dauerhaft für die erste Elf zu empfehlen. Michael Mutzel findet darauf eine ganz eindeutige Antwort. „Ich sehe da kein Problem und keinen Bedarf“, erklärte der Sportdirektor des Hamburger SV in dieser Woche in einer offiziellen Medienrunde. „Bobby und Lukas sind gute Jungs mit viel Qualität, die wir hinten dran haben“, befindet Mutzel.

HSV: Hinterseer und Wood können „nicht bei jeder Einwechselung ein Tor schießen“

„Sie sind in dieser Saison einfach noch nicht auf so viel Einsatz-Zeiten gekommen“, zitiert die Bild den HSV-Sportdirektor, der schützend die Hände über seine Torlos-Torjäger hält: „Man kann nicht bei jeder Einwechselung ein Tor schießen“, sagt Mutzel und verdeutlicht: „Wir haben viele torgefährliche Spieler und zwei Stürmer, die aktuell gut treffen. Somit haben wir nicht den Gedanken, dass wir einen Stürmer verpflichten.“ Offenbar also reicht Mutzel die Torausbeute von Terodde und die „Mini-Ausbeute“ von Wintzheimer.

Simon Terodde (rechts) ist der einzige Stürmer beim HSV, der regelmäßig trifft.

Das Risiko, das der HSV mit dieser Entscheidung geht, ist klar: Sollte Terodde sich verletzen, länger ausfallen oder aber aus finanziellen Nöten gar mit einem Transfer zu Geld gemacht werden müssen, hätte man nur noch Stürmer im Kader, die bislang den Beweis ihres Könnens in dieser Saison nur in Ansätzen (Wintzheimer) oder gar nicht (Wood und Hinterseer) erbracht haben.

Hamburger SV: Thioune setzt auf Terodde und Wintzheimer — „Blockieren auf positive Weise die Plätze“

Simon Terodde hat mit seinen Toren zurückgezahlt, bei Manuel Wintzheimer ist es ähnlich. Er hat seine Aufstellung jedes Mal gerechtfertigt. Ich kann als Trainer auch nur elf Mann aufstellen“, sagte Trainer Daniel Thioune auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Heidenheim zur Stürmer-Situation beim Zweitligisten aus dem Volkspark. „Bobby Wood hat seine Fähigkeiten, auch wenn er sie das eine oder andere Mal nicht so abgeliefert hat. Ich kann nur die Trainingsleistungen bewerten. Zudem hat er die Möglichkeit, sich über Spielzeit anzubieten“, so der Übungsleiter der „Rothosen“.

Das gleiche „verbiete ich auch Lukas Hinterseer nicht. Er ist vom Spielertyp her ein Box-Stürmer — ähnlich wie Simon Terodde. Hier waren die Leistungen nicht so, dass er sich für mehr empfehlen konnte. Simon und Manuel blockieren derzeit auf positive Weise die Plätze“, so Thioune weiter. Auch der HSV-Coach hält also eine weitere personelle Blutauffrischung in seinem Angriff nicht für zwingend notwendig.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare