Mann zwischen den Pfosten

HSV-Torhüter Sven Ulreich: Titelsammler als Stabilisator

  • Jan Knötzsch
    VonJan Knötzsch
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Er spielte für den VfB Stuttgart und „hamsterte“ Triumphe mit dem Bayern München ein. Mit dem Hamburger SV will Torhüter Sven Ulreich in die Bundesliga aufsteigen.

  • Sven Ulreich wechselte im Oktober 2020 zum Hamburger SV.
  • Der Torhüter spielte in der Bundesliga für den FC Bayern München und den VfB Stuttgart.
  • Im Sommer 2019 nominierte ihn Joachim Löw für die Nationalelf, wo er aber nicht zum Einsatz kam.

Hamburg — Begonnen hat alles in Lichtenwald. Einer kleinen Gemeinde im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Um ganz genau zu sein: beim TSV Lichtenfeld. Dort machte im Jahr 1993 noch auf Kindesbeinen ein gewisser Sven Ulreich die ersten Schritte auf dem Fußballplatz. Es folgte eine Station beim TSV Schornbach, einem Stadtteil-Verein in seinem Geburtsort, und dann 1988 der Sprung in die Jugendabteilung des VfB Stuttgart. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war Sven Ulreich dem großen Traum, später einmal im Profifußball zu landen, ein ganzes Stück näher als manch anderer. Und es sollte tatsächlich gelingen: Heute ist der 1,92 Meter große Keeper seit langem ein echter Name, der nahezu jedem Fußball-Fan geläufig ist.

Fußballspieler:Sven Ulreich
Position:Torhüter
Geboren: 3. August 1988 in Schorndorf
Größe:1,92 Meter
Gewicht:84 Kilogramm
Aktuelles Team: Hamburger SV (seit Oktober 2020, Rückennummer: 26)
Vorherige Vereine:FC Bayern München, VfB Stuttgart, VfB Stuttgart II

HSV: Zu Beginn der Laufbahn steht Sven Ulreichs Karriere wegen einer Verletzung kurz vorm Ende

Allein schon, weil Sven Ulreich jahrelang zur kickenden Belegschaft jenes Vereins zählte, der in Deutschland nicht nur in Titeln gemessen nun einmal der bekannteste ist. Der Schlussmann stand fünf Jahre lang bei niemand geringerem als dem Deutschen Rekordmeister FC Bayern München unter Vertrag. In dieser Zeit absolvierte der „Goalie“ 45 Spiele in der Bundesliga, aber das war nicht alles. Mit einem Verein wie dem FC Bayern „tanzt“ man als Fußballer fast schon logischer Weise auf mehreren (Fußball-)Hochzeiten zusätzlich. Der DFB-Pokal und die Champions League lassen grüßen. Auch dort durfte Ulreich zeigen, was er kann.

Dabei hätte es der Schlussmann beinahe gar nicht so weit gebracht. Denn auch, wenn sich der fußballerische Lebenslauf des Sven Ulreich wie einer liest, in dem alles bestens zusammenpasst, so gab es in der Karriere des Keepers Rückschläge. Anno 2005 gewann er als Teil der Mannschaft des VfB Stuttgart zwar die Deutsche A-Jugendmeisterschaft, zog sich aber in der Saison 2005/2006 dann eine schwere Schulterverletzung zu, die jeglichen Einsatz in Spielen für ein Jahr lang zunichte machte und die Fortsetzung der noch jungen Torhüter-Karriere in Frage stellte.

Seit Oktober 2020 steht Sven Ulreich als Torhüter beim HSV zwischen den Pfosten (24hamburg.de-Montage).

HSV: Als Torhüter in München lernt Sen Ulreich von „einem der weltbesten Torhüter“

Sven Ulreich biss sich durch, bestritt im März 2007 sein erstes Spiel in der Regionalliga und rückte schließlich im Januar des Jahres 2008 in den Profikader des VfB Stuttgart auf. Sein Bundesliga-Debüt feierte er im Februar 2008. Auf seinem langen Weg zum Profi hatte es bis dahin zuvor noch einen weiteren Rückschlag hinnehmen müssen: Sein Vater starb im Sommer 2000 an Krebs. „Es ist sehr schade, dass er nicht mehr miterleben kann, was ich seither alles erreicht habe“, sagte Ulrich selbst im Jahr 2020 nach seinem Wechsel zum HSV in dessen Stadionzeitung.

Für den VfB Stuttgart bestritt Ulreich mehr als 200 Pflichtspiele, ehe er den Verein im Sommer 2015 Stuttgart verlässt und sich für einen Transfer zum FC Bayern entscheidet. „Der Wechsel war damals für viele überraschend. Ich hatte aber einen Plan, wollte etwas für mein Leben mitnehmen und mit Manuel Neuer von einem der weltbesten Torhüter lernen“, erklärt Ulreich den Schritt Jahre später bei seinem Dienstantritt in Hamburg. Und der Wechsel an die Isar sollte sich für den Mann, der 2018 vom Sportmagazin „kicker“ zum Torhüter des Jahres gewählt wurde, lohnen.

HSV: In seiner Zeit beim FC Bayern München holt Sven Ulreich insgesamt 14 Titel

Sven Ulreich entwickelte sich in der bayerischen Landeshauptstadt zu einem echten Titelsammler. Mit dem FC Bayern wurde er 2016, 2017, 2018, 2019 und 2020 fünfmal in Folge Deutscher Meister. 2016, 2019 und 2020 gewann er mit dem Club den DFB-Pokal. Gleich viermal – nämlich 2016, 2017, 2018 und 2020 – holte er mit den Münchenern zudem den DFB-Supercup. Zudem gewann Ulreich mit den Bayern 2020 den UEFA-Supercup und ebenfalls anno 2020 auch den Titel in der Champions League.

Insgesamt bringt es der Torhüter, der in der Corona-Phase die Aktion „We kick Corona“ seiner Bayern-Teamkollegen Leon Goretzka und Joshua Kimmich unterstützte und im Jahr 2017 ein Fernstudium zum zertifizierten Sportmanager mit Erfolg abschloss, in seinen fünf Jahren in Diensten von Bayern München 14 Titel.

HSV: Im Jahr 2019 wird Sven Ulreich ins Nationalteam berufen, aber nicht eingesetzt

Im Sommer 2019 wurde „Ulle“, wie Ulreich mit Spitznamen genannt wird, von Bundestrainer Joachim Löw sogar für die Deutsche Nationalmannschaft berufen. In den beiden Länderspielen gegen Weißrussland und Estland saß er jedoch jeweils die vollen 90 Minuten über nur auf der Ersatzbank und kam nicht zum Einsatz. Nationalspieler aber darf sich Ulreich dennoch nennen, schließlich kam er in Nachwuchs-Nationalteams wie der U16, der U19 und der U21-Nationalmannschaft mehrfach zum Einsatz.

Anlässlich seines Wechsels zum Hamburger SV im Oktober 2020 kurz vorm Ende der Transferperiode erklärte Ulreich damals, er hätte „fünf tolle Jahre in München“ gehabt: „Ich habe viele Spiele bestritten und die Zeit genossen.“ Zum Ende der Zeit aber sei bei ihm dann „in mir der Gedanke gereift, dass ich wieder für einen Club spielen möchte, bei dem ich als Nummer eins im Tor stehen kann.“

Hamburger SV: Der Vertrag von Torhüter Sven Ulreich beim Zweitligisten läuft bis 2023

Der „Goalie“, zu dessen Stärken EIns-gegen-Eins-Situationen und die Tatsache, fußballerische Lösungen parat zu haben, zählen, unterschrieb beim Verein aus dem Volksparkstadion einen Drei-Jahres-Vertrag, der bis zum Sommer 2023 läuft. Seitdem ist klar, welches Ziel „Ulle“ mit dem aktuellen HSV-Kader von Trainer Daniel Thioune verfolgt: aus der Zweiten Liga in die Bundesliga aufzusteigen. Es wäre zwar keine weitere „große“ Trophäe für den Titelsammler, aber fraglos ein Erfolg, wenn es ihm gelänge, mit den „Rothosen“ wieder in Deutschlands Fußball-Oberhaus zurückzukehren.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa/picture alliance

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