Antrag auf Abwahl gestellt

HSV-Machtkampf eskaliert: Gremien wollen Jansens Vize rauskicken

  • Jan Knötzsch
    VonJan Knötzsch
    schließen

Der Zoff im HSV-Präsidium erreicht eine neue Stufe. Weil Präsident Jansen und Stellvertreter Schulz sich nicht mehr grün sind, soll der „Vize“ abgesägt werden.

  • In einer E-Mail fordern die HSV-Gremien eine Mitgliederversammlung.
  • Auf dieser Mitgliederversammlung soll Vizepräsident Thomas Schulz abgewählt werden.
  • Schulz selbst äußert sich mit einem Post auf „Facebook“ und weist Vorwürfe zurück.

Hamburg – Der HSV-Machtkampf im Präsidium des Vereins, in dem es in erster Linie darum geht, dass Präsident Marcell Jansen* und sein Stellvertreter Thomas Schulz nicht mehr miteinander klarkommen, geht in die nächste Runde. Dass das Tischtuch zwischen „Präsi“ und „Vize“ derart zerschnitten ist, dass eine Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen den beiden nicht mehr gegeben ist, ist bekannt. Die Gremien des Clubs aus dem Volksparkstadion* wollen nun weiteren Schaden vom Hamburger SV* abwenden und drängen auf eine Abwahl von Schulz.

Fußballverein:Hamburger SV
Gegründet:29. September 1887
Stadion:Volksparkstadion
Kapazität:57.000
Ligazugehörigkeit:2. Fußball-Bundesliga
Cheftrainer:Daniel Thioune

HSV: Präsident Marcell Jansen befindet sich mit seinen beiden Stellvertretern im Richtungsstreit

Der Zwist zwischen Jansen und Schulz geht auf den Rücktritt von Letzterem aus dem Aufsichtsrat im Zuge der Trennung vom damaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann* zurück. Jansen votierte damals als Mitglied des Aufsichtsrats für den Abschied von Hoffmann. Schulz gilt als Hoffmann-Getreuer und zog seinerzeit seine Konsequenzen und trat aus Verärgerung über die Trennung von Hoffmann aus dem Aufsichtsrat zurück.

Nichts als Ärger: Zwischen HSV-Vizepräsident Thomas Schulz (li.) und Präsident Marcell Jansen ist keine vernünftige Zusammenarbeit mehr möglich. (24hamburg.de-Montage)

Aktuell liegt Jansen mit Schulz ebenso wie mit seinem zweiten Stellvertreter, Schatzmeister Moritz Schäfer, in zwei weiteren Punkten nicht auf einer Linie. Zum einen in der Frage nach Kandidaten für den Aufsichtsrat der HSV Fußball-AG, zum anderen, was den möglichen Verkauf weiterer Anteile an einen zusätzlichen Investor neben Klaus-Michael Kühne angeht, der auch in diesem Machtkampf eine Rolle spielt. Jansens „Vize“ Moritz Schaefer schoss jüngst via „Facebook“ quer – und zwar Richtung Aufsichtsrat. Nun erhält Jansen im Streit mit Schulz Rückendeckung aus dem Club.

HSV: Gremien beantragen Versammlung – der einzige Tagesordnungspunkt ist die Schulz-Abwahl

Die Gremien des Traditionsvereins aus Hamburg*, im Einzelnen der Ehrenrat, Beirat, Seniorenrat, Rechnungsprüfer und Fördernde Mitglieder, haben eine außerordentliche Mitgliederversammlung beantragt. Der einzige Punkt auf der Tagungsordnung: die Abwahl von Thomas Schulz. Die Mitgliederversammlung soll spätestens sechs Wochen nach der Antragstellung stattfinden.

In einer E-Mail schreiben die Befürworter einer Schulz-Ablösung:  „Wir halten das Handeln des HSV-Vizepräsidenten Thomas Schulz für nicht länger tragbar. Er hat durch die Art und Weise seiner Amtsausübung das Vertrauen aller Gremien verloren. Versuche, diese Probleme intern zu klären, haben nicht zu der erhofften Änderung in der Zusammenarbeit geführt.“

HSV: Vizepräsident Thomas Schulz antwortet auf das Schreiben der Gremien per Facebook-Post

Schulz lasse sich, so der Vorwurf, „bei seinen Entscheidungen zu häufig von eigenen Zielen, statt dem Wohl des HSV leiten. Sein Verhalten ist mehr von Taktik und Manipulation geprägt, als von vereinskameradschaftlichem Austausch und Miteinander.“ Unter diesem Amtsverständnis leide „insbesondere auch die Arbeit des Präsidiums“, in dem es zu einer „schädlichen Polarisierung gekommen“ sei.

Ein Rücktrittsgesuch des Ehrenrates an ihn habe Schulz Ende 2020 abgelehnt, schreiben die HSV-Gremien. Weiter heißt es: „Der Appell hat auch nicht dazu geführt, dass Thomas Schulz sein Verhalten überdacht oder geändert hätte. Nicht lange im Anschluss an den Appell musste der Beirat feststellen, dass Thomas Schulz erneut versuchte, ihn und auch den Präsidenten des Vereins in einer wichtigen Entscheidung zu hintergehen.“ Welche Entscheidung damit gemeint ist, ist nicht bekannt.

HSV: Der Ehrenrat forderte Marcell Jansens „Vize“ schon Ende 2020 zum Rücktritt auf

Mehr als sicher ist aber: Die Gremien wollen Schulz rauskicken, um Jansen zu stärken und den Machtkampf zu beenden. Schulz wird in dem Schreiben nahegelegt, sich bis zur Entscheidung über seine Zukunft bei allen Abstimmungen zu enthalten. Die Replik des „Ungewollten“ lässt allerdings nicht lange auf sich Warten. Via Facebook hat sich Thomas Schulz zur Mail der Gremien geäußert.

Er weist darin genau dieses Ansinnen, sich künftig bei Abstimmungen zu enthalten, „in aller Deutlichkeit zurück. Als von den Mitgliedern gewähltes Präsidiumsmitglied werde ich meiner Verantwortung weiterhin nachkommen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass alle Präsidiumsmitglieder nicht nur für ihre getroffenen, sondern auch für nicht getroffene Entscheidungen juristisch persönlich haften.“

HSV: Vizepräsident Thomas Schulz weist Vorwürfe der Gremien als „substanzlos“ zurück

Der Vorwurf, dass er Entscheidungen nicht zum Wohle des HSV treffe, „sind substanzlos. Fakten, die diese Behauptung auch nur ansatzweise belegen könnten, werden in dem Schreiben an die Mitglieder bezeichnenderweise nicht benannt“, kontert Schulz und fügt hinzu: „Der Umstand, dass einzelne Präsidiumsmitglieder mit der einen oder anderen Entscheidung nicht einverstanden sind, ist jedoch Konsequenz eines demokratischen Prozesses innerhalb eines aus mehreren Mitgliedern bestehenden Präsidiums. Daran haben sich alle Präsidiumsmitglieder zu halten.“ *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Oliver RUhnke/imago images & Waldmüller/imago images & Revierfoto/imago images

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare