Corona-Frust beim HSV

Aus dem Tritt, Geisterspiele, Quarantäne: Doch Aaron Hunt macht Mut

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Der Hamburger SV ist im Trainingslager in Quarantäne. Selbst für einen erfahrenen Profi wie Aaron Hunt ist das eine ungewohnte Situation. In einer Medienrunde erklärt der HSV-Kapitän am Mittwochabend, was er von Geisterspielen erwartet, wie fit die Mannschaft ist und was der Ligastart in Fürth bringen wird.

  • 71 Tage Pause haben den Hamburger SV aus dem Tritt gebracht.
  • Für Aaron Hunt und die HSV-Mannschaft gibt es nur ein großes Ziel.
  • Corona-Pause als Chance: Zwei Spieler genesen und im Trainingslager wieder dabei.

Hamburg/Herzogenaurach - Für den Hamburger SV ist am Sonntag, 17.05., 13.30 Uhr, Ligastart. Nach 71 Tagen Pause, bedingt durch den Coronavirus-Sars-CoV-2, tritt der HSV in Fürth bei der Spielvereinigung an. 71 Tage, in denen nicht wie gewohnt trainiert werden konnte. Wie fit die Spieler wirklich sind und was sich die Mannschaft vom Geisterspiel am Sonntag erwartet, darüber sprach Aaron Hunt in einer (virtuellen) Medienrunde für die vereinseigene Homepage aus dem Trainingslager in Herzogenaurach.

Aaron Hunt, Kapitän des Hamburger SV, über den Ligastart in Fürth, Geisterspiele und den Aufstieg des HSV

Aaron Hunt ist das Sprachrohr der HSV-Spieler. Natürlich. Der 33-Jährige ist seit 2004 Profi und hat schon alles erlebt. Champions League, UEFA-Cup, dessen Nachfolger die Europa-League, Bundesliga und jetzt eben die zweite Bundesliga in Hamburg. Doch ein Trainingslager in Quarantäne ist auch für ihn Neuland: „Wir merken an vielen Stellen, dass es ein Trainingslager unter besonderen Umständen ist. Allein die gestrige Anreise war ungewöhnlich. Wir hatten ein größeres Flugzeug, in dem jeder für sich saß und sind jeweils mit zwei Bussen zum Flughafen und Hotel gefahren. Dort hat wiederum jeder ein Einzelzimmer.“

Doch die lange Pause war für verletzte Spieler auch eine Chance, rechtzeitig zum Ligastart wieder fit zu werden. Hunt: „Martin Harnik und Timo Letschert sind heute wieder ins Training eingestiegen, so dass wir mit Ausnahme von Jan Gyamerah komplett sind.“ Und das ist natürlich gut für die Stimmung. „Man spürt, dass alle froh sind, dass wir endlich wieder trainieren und am Wochenende spielen dürfen. Jedem ist die Vorfreude darauf anzumerken.“

Coronapause und schlechte Trainingsbedinungen: Mannschaft aus dem Tritt

Getrübt wird die Stimmung vom aktuellen Leistungsstand. „Die Pause hat uns natürlich etwas herausgebracht. Wir konnten nicht normal trainieren, die Spiele und der Wettbewerb an sich sind weggefallen.“ Doch das ist ein Handicap, das im Spielbetrieb nicht ins Gewicht fallen dürfte. Die verschlechterten Trainingsbedingungen gelten nicht nur für den Hamburger SV, sondern auch für alle Konkurrenten. Das betont auch Aaron Hunt: „Dennoch haben wir so gut wie möglich versucht, fit zu bleiben, auch wenn das Einzel- oder Kleingruppentraininig das Mannschaftstraining nicht ersetzen kann. Wenn es jetzt wieder losgeht, dann waren wir rund zehn Tage mit der Mannschaft im Training. Das ist nicht optimal, aber auch keine Katastrophe. Am Ende haben alle Teams die gleichen Voraussetzungen.“

So ungewohnt, wie für alle Spieler des Hamburger SV das Training ist, so herausfordernd werden auch die kommenden Geisterspiele. „Für den Kopf ist es in vielerlei Hinsicht etwas anderes. In einem leeren Stadion Elf-gegen-elf zu spielen, ist ungewöhnlich und hat einen Trainingsspielcharakter.“

Doch der Schein trügt. Natürlich zählt für den HSV nur der Aufstieg in die erste Bundesliga: „Letztlich geht es aber um Punkte. Die Mannschaft, die das im Kopf am besten verarbeitet und am besten die neue Situation begreift, wird die Spiele gewinnen. Das muss nicht immer der Favorit sein. Es kann zu ungewöhnlichen Ergebnissen kommen. Wir haben das eine große Ziel vor Augen. Wir haben ein ordentliches Restprogramm vor der Brust, mit direkten Duellen gegen Bielefeld, Stuttgart und Heidenheim, wissen aber zugleich um die Qualität unserer Mannschaft, die zu den besten der Liga zählt.“

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Bevor es soweit ist, steht aber erst einmal die Aufgabe in Fürth an. „Fürth hat eine gute Mannschaft, die viel über den Ballbesitz und einen guten Spielaufbau agiert. Sie haben mit Paul Seguin, den ich noch aus Wolfsburg kenne, zudem einen guten Sechser, der viele Bälle fordert und das Spiel ordnet. Darüber hinaus ist es schwierig einzuschätzen, was aufgrund der besonderen Umstände auf uns in Fürth zukommen wird.“

Torjubel ansteckend, Rudelbildung und Zweikämpfe nicht

Wenn Dieter Hecking die Mannschaft gut eingestellt hat könnte den Fans auch eine weitere Corona-Neuerung auffallen: Torjubel nur mit Füßen und Ellbogen. Das DFL-Konzept geht scheinbar davon aus, dass Torjubel ansteckend ist, Zweikämpfe und Rudelbildung bei Ecken aber nicht. Aaron Hunt dazu: „Es ist schwierig, den Torjubel zu entemotionalisieren. Wenn wir in der Nachspielzeit das Aufstiegstor schießen, dann tue ich mich schwer damit, dass wir uns nicht ausgiebig freuen dürfen. Wir haben das im Hinterkopf, aber im Fußball sind so viele Emotionen vorhanden, so dass man eventuell die Kontrolle verlieren könnte. Da sollte man nicht zu streng mit den Spielern sein, auch wenn wir beim Torjubel darauf achten wollen.“

In Zukunft verboten: gemeinsamer, enger Torjubel. Doch Aaron Hunt hofft auf eine entgegenkommende Anwendung der Regel.

So sehr sich die Beteiligten auch darauf freuen, endlich wieder kicken zu können, so sehr dominiert natürlich der Coronavirus-Sars-CoV-2 die Debatte. Einerseits finanziell, da dem HSV ein dickes Minus droht. Persönlich, weil die Spieler auf Gehalt verzichten. Und auch medizinisch. Schließlich sind in der Liga neue Fälle bekannt geworden. Und auch die Debatte um Patrick Esume könnte für Ablenkung gesorgt haben. Bei den Hamburger Rivalen vom FC St. Pauli macht man sich Gedanken über Geisterspiele und überlegt, Auswechselspieler aus Coronavirus-Abstands-Gründen auf die Tribüne zu setzen.

Keine Angst trotz weiterer Corona-Infektionen in der zweiten Liga

Auch dazu bezog Aaron Hunt Stellung und versuchte, eventuelle Sorgen und Ängste zu nehmen: „Die Politik hat das Konzept der DFL beurteilt und daraufhin entschieden, dass wir wieder spielen können. Wenn dieses Konzept von politischer Seite für gut befunden wurde, dann sollte es seine Richtigkeit haben. Ich persönlich habe keine Befürchtungen und keine Angst, wieder Fußball zu spielen. Gleichzeitig kann ich aber alle Leute verstehen, die anders denken. Wir sind nicht davor geschützt, dass es nicht weitere Fälle gibt. Die DFL sieht Lösungen im Hinblick von Ersatzterminen vor. Wir sollten uns damit nicht zusätzlich befassen, sondern uns so gut wie möglich auf unsere Aufgabe, den Fußball, fokussieren. Wir tun alles dafür, unserem Job wieder nachgehen zu können.“

Am Sonntag wird dieses Kopfballduell 71 Tage her sein. Aaron Hunt beim bislang letzten Saisonspiel - ein 2:1 Sieg gegen den Jahn Regensburg.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/picture alliance/dpa

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