„Die Beziehung hat gewackelt“

Haben die HSV-Spieler Ex-Trainer Daniel Thioune abgesägt?

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Der Hamburger SV hat Daniel Thioune als Coach entlassen. Nun gibt es Spekulationen, das HSV-Team habe Stimmung gegen den Trainer gemacht. Stimmt das?

Hamburg – 301 Tage dauerte die Ära von Daniel Thioune beim HSV. So lange durfte der Trainer vom Wiederaufstieg mit dem einst großen Hamburger SV träumen. Anfang Mai holte ihn HSV-Sportvorstand Jonas Boldt auf den Boden der Tatsachen zurück. Nach fünf Spielen ohne Sieg war Schluss – Daniel Thioune wurde entlassen. Danach machten zahlreiche Gerüchte die Runde. Erst hieß es, der HSV habe die Reißleine gezogen, um mit Horst Hrubesch vielleicht doch noch irgendwie den Aufstieg klarzumachen. Dann hieß es Thioune selbst habe aufgeben. Und aktuell steht ein ganz anderes Szenario im Fokus. Stürzte etwa die Mannschaft selbst Daniel Thioune als Trainer?

Fußballmannschaft:Hamburger SV
Stadion:Volksparkstadion
Sportvorstand:Jonas Boldt
Vereinsfarben:Blau-Weiß-Schwarz

HSV: Rausschmiss von Daniel Thioune – wollten die Spieler ihn loswerden?

„Die Beziehung zwischen Trainer und Spielern hat immer mehr gewackelt“, erklärte Jonas Boldt nach der Entlassung von Thioune. Die Distanz sei zu groß geworden, meinte er bemerkt zu haben und begründete so seinen Meinungswechsel hinsichtlich des Trainers. Nur Tage vor der Entlassung hatte Boldt nämlich noch erklärt, unter allen Umständen an Thioune festhalten zu wollen. So kam es dann aber nicht. Boldt schob es offensichtlich auf das Verhältnis zwischen Trainer und Team.

HSV-Gerücht: Wollte die Mannschaft Trainer Daniel Thioune loswerden? (24hamburg.de-Montage)

Auf Nachfrage betonte er immer wieder, dass er Thioune weiterhin für einen fabelhaften Trainer halte. Dass er überzeugt von dessen Arbeit sei und ihm die Freistellung persönlich sehr leid täte. Aber warum musste Daniel Thioune dann gehen? Vereinsinterne Gespräche hätten ihm deutlich gemacht, dass die Entlassung von Thioune „alternativlos“ los ist, hatte Boldt gesagt. Diese fanden auch mit den Führungsspielern des HSV statt. Gut möglich, dass die ihren Bossen von einem zerrütteten Verhältnis erzählt haben.

Spekuliert wird, dass ein Kabinenstreit zwischen Daniel Thioune und Bobby Wood nach dem Hannover-Spiel Auslöser für die schlechte Stimmung war. Jonas Boldt verneinte dies zwar deutlich, allerdings spielte die Mannschaft des HSV in Folge dieses Vorfalls plötzlich anders. Lustlos, kampflos und ohne Teamgeist. Man könnte auch sagen, das Team spielte gegen seinen Trainer.

HSV: Daniel Thioune nach Entlassung – „Das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainerteam war intakt“

In einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt versicherte Daniel Thioune entgegen Boldts Aussagen nun: „Das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainerteam war intakt.“ Entweder haben Trainer und Bosse die Situation also komplett unterschiedlich wahrgenommen oder Thioune war die Situation bis zuletzt gar nicht bewusst. In der Bild-Zeitung machte er dennoch klar, dass er sich von der Mannschaft nicht im Stich gelassen fühle. „Ich glaube, dass die zehn Monate der Zusammenarbeit von sehr viel Respekt und Wertschätzung geprägt waren“, sagte Thioune.

Das Verhältnis war intakt.

Daniel Thioune

Auch beim Abschied von der Mannschaft sei von einem kaputten Verhältnis zwischen Thioune und Team nichts zu sehen gewesen. Das meint jedenfalls das Abendblatt zu wissen. Demnach habe sich Daniel Thioune von jedem Spieler persönlich mit Faustschlag verabschiedet. Danach soll er die Worte „Ihr seid eine geile Mannschaft“ gesagt haben. Und das Team? Das habe ihn mit Applaus verabschiedet, heißt es. Ein zerrüttetes Verhältnis sieht wohl definitiv anders aus.

Warum Daniel Thioune also wirklich nach 301 Tagen den Trainerstuhl des HSV schon wieder verlassen musste, wissen wohl nur die Bosse um Jonas Boldt. Thioune jedenfalls will weitermachen. Auch wenn die Entlassung ihn „schwer getroffen“ habe, werde er irgendwo irgendwann wieder als Trainer arbeiten. „Fußball ist meine Leidenschaft, und natürlich werde ich wieder als Trainer arbeiten, um meine Idee des Spiels weiter zu verwirklichen“, sagte er. Und der HSV? Der braucht schon wieder einen neuen Trainer. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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