Raute muss raus

HSV-Fan nach Derby gegen St. Pauli empört: Von Sicherheitskräften schikaniert?

  • Susanne Kröber
    VonSusanne Kröber
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Schal weg, Jacke zu, HSV-Shirt aus – die Ordner des FC St. Pauli griffen beim Stadtderby auf der Südtribüne hart durch. Übertrieben oder normales Prozedere?

Hamburg – Eigentlich hatten sich Michael Kohn und sein Schwiegervater Uwe Müller einfach auf ein spannendes Revierderby zwischen dem HSV und dem FC St. Pauli gefreut. Für Müller gehörte zum Besuch im Millerntor-Stadion in Hamburg natürlich auch die passende Fan-Bekleidung mit dazu. Aber da machte ihm das Sicherheitspersonal auf der Südtribüne einen Strich durch die Rechnung.

Fußballverein:Hamburger SV
Trainer:Tim Walter
Gründung:29. September 1887, Hamburg
Kapazität:57.000
Präsident:Marcell Jansen

Wie Müller gegenüber dem Hamburger Abendblatt berichtet, hatten er und sein Schwiegersohn als Gäste der Firma Carlsberg Karten für den VIP-Bereich Ballsaal auf der Südtribüne, der über ein abgetrenntes Areal im Stadioninneren verfügt. Aber schon beim Einlass gab es die ersten Probleme für die Fans des Hamburger SV.

Rothosen-Fans im Millerntor-Stadion müssen ihr letztes (HSV-)Hemd geben

Seinen HSV-Fanschal musste Uwe Müller direkt an der Garderobe abgeben. „Die Begründung lautete, dass auf der Tribüne unter uns die St.-Pauli-Ultras sitzen“, so der Hamburger laut Abendblatt. So weit, so gut, kompliziert wurde es dann beim Shirt des 72-Jährigen. Da sich ein kleines HSV-Logo auf der Brust seines Poloshirts befand, wurde er von den St.-Pauli-Ordnern aufgefordert, sein Oberteil auszuziehen.

Der FC St. Pauli begrüßte die HSV-Fans beim Derby im Millerntor-Stadion, aber nicht alle fühlten sich tatsächlich willkommen.

Müller weigerte sich, wurde schließlich aber doch hereingelassen – unter einer Bedingung: „Unter der Auflage, die Jacke zu verschließen und diese nicht zu öffnen, wurde uns dann aber doch Einlass gewährt.“ Andere HSV-Fans hatten allerdings weniger Glück, wie Müller und Kohn feststellen mussten. Zwei Männer mit freiem Oberkörper saßen auf den Plätzen hinter ihnen. „Nur so war ihnen der Eintritt möglich, da auf ihrem T-Shirt ebenfalls eine HSV-Raute zu sehen war“, schildert Müller die Situation gegenüber dem Abendblatt. „Der Vorschlag der Ordner, das Hemd andersherum anzuziehen, war nicht umsetzbar, weil sich auf dem kleinen Größenschild am Kragen ebenfalls eine Raute befand.“

Das sagt der FC St. Pauli zu den Anschuldigungen des HSV-Fans

Das Fass zum Überlaufen brachte für die beiden HSV-Fans schließlich laut Abendblatt die Aufforderung der Ordner an einen Zuschauer, dem Hamburger SV beim Einlaufen ins Stadion nicht zuzujubeln. „Wir fühlten uns diskriminiert, stigmatisiert, in unseren Persönlichkeitsrechten unterdrückt und verachtet. Wie passt das zum Respekt und der Toleranz, die der FC St. Pauli in seinen Leitlinien predigt?“, so Müller über das Jubel-Verbot.

Alles ein großes Missverständnis? St. Pauli erklärte gegenüber dem Abendblatt, dass die VIP-Gäste eigentlich auf der Haupttribüne sitzen sollen. Aufgrund der coronabedingten Abstandsregeln mussten sie allerdings auf der Südtribüne Platz nehmen, wo bei Risiko-Begegnungen wie dem Revierderby, bei dem es im Vorfeld bereits Schlägereien gab, keine Gästefarben erlaubt sind. Die gleiche Regelung gilt übrigens für die Nordtribüne im Volksparkstadion. Ironie des Schicksals: Beim 3.2-Sieg des FC St. Pauli gegen den HSV waren gar keine Ultras im Stadion. * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Oliver Ruhnke

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