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HSV-Boldt macht klar: „Angebot, mit dem du dich definitiv auseinandersetzen musst“

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Von: Christian Einfeldt

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Zunächst lehnte der HSV eine Millionen-Offerte von Klaus-Michael Kühne ab – einig ist man sich scheinbar nicht. Jonas Boldt zeigt sich nun doch gesprächsbereit.

Hamburg – Das Angebot von HSV-Investor und Multimilliardär Klaus-Michael Kühne hat in Hamburg und in der Fußball-Welt große Wellen geschlagen: 120 Millionen Euro stellt der Mäzen für „seinen“ Hamburger Sportverein in Aussicht. Im Gegenzug fordert er ein größeres Recht auf Mitsprache ein. Letzten Endes will der umstrittene Unternehmer also mehr Kontrolle. Kontrolle, die er unter anderem bei der Besetzung des Aufsichtsrates und Vorstandes äußern möchte.

HSV-Fans zeigten eine wütende Reaktion auf das unmoralische Angebot Kühnes. Auch die Verantwortlichen des HSV waren nicht verhandlungsbereit und lehnten ab – zumindest zunächst. In Person von HSV-Sportvorstand Jonas Boldt signalisiert der Club aus dem Volksparkstadion nun doch Gesprächsbereitschaft.

Fußballverein:Hamburger SV
Präsident:Marcell Jansen
Trainer:Tim Walter
Gründung:29. September 1887, Hamburg

Boldt über Kühnes HSV-Angebot: „Schade, dass alles negativ dargestellt wird“

Mit Jean-Luc Dompé hat HSV-Sportvorstand Jonas Boldt einen Spieler verpflichtet, der sich in der Hansestadt Hamburg auf Anhieb zurechtgefunden hat. Auch beim knappe 3:2-Auswärtserfolg gegen Kiel gehörte er zu den besten Spielern der Hamburger. Ein 120-Millionen Euro-Paket, das Klaus-Michael Kühne dem HSV gerne schnüren möchte, könnte weitere Talente vom Schlage eines Jean-Luc Dompé nach Hamburg locken. Darüber hinaus will Kühne offenbar auch weiter ins Volksparkstadion investieren – kurzum also „in Steine und Beine investieren“. Beim HSV gibt‘s nach der anfänglichen Ablehnung nun den Sinneswandel.

Sportvorstand Jonas Boldt findet jedenfalls: „Das ist ein Angebot, mit dem du dich definitiv auseinandersetzen musst“. Gegenüber des Norddeutschen Rundfunks (NDR) sieht er durchaus die Möglichkeit, dass der notorisch klamme HSV durch ein Engagement Kühnes zu einer neuen Beständigkeit finden kann. „Wenn jemand bereit ist, einem Verein so viel Geld zur Verfügung zu stellen, auch offenkundig Strukturen zu stabilisieren, das Stadion mit auf Vordermann zu bringen – dann finde ich es etwas schade, dass alles populistisch schwarz-weiß gesehen und negativ dargestellt wird“, sagt Boldt.

Klaus-Michael Kühne.
Das Millionen-Angebot von Investor Klaus-Michael Kühne ist weiterhin Thema beim HSV. © Christina Sabrowsky/dpa

Kühnes Forderung an den HSV: Hohe Aktien-Anteile und Sperrminorität

Nicht nur die Investitionen und eingeforderte Mitsprache von Klaus-Michael Kühne sieht man in Hamburg kritisch. Die NS-Vergangenheit seiner Firma Kühne+Nagel sorgte zuletzt beim Harbour Front Festival für große Empörung. Die Kühne-Stiftung ist jetzt nicht mehr Hauptsponsor. Trotz des Gegenwinds, den Kühne auch beim HSV erfährt, hält er an seinen Traum eines erfolgreichen HSV fest. Seine Forderung: Auf dem Aktienmarkt Anteile an der HSV Fußball AG in Höhe von 39,9 Prozent übernehmen und eine Sperrminorität, die es ihm immer ermöglicht, jeden Beschluss zu verhindern.

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Aktuellen Aussagen zufolge gehört Jonas Boldt nicht zu den großen Kritikern Kühnes. „Ich bin drei Jahre hier und seitdem gab es keinen negativen Einfluss von seiner Seite“. Außerdem hebt Boldt einen „sehr kritischen, aber transparenten“ Austausch im HSV-Aufsichtsrat hervor, in dem auch Kühne-Vertreter und -Getreue sitzen. Ein ständiger Diskussionspunkt im Aufsichtsrat: die Vertragsverlängerung von Tim Walter. Medienberichten zufolge würde den Verein schon jetzt ein Machtkampf zwischen Boldt und der sportlichen Leitung auf der einen, und HSV-Präsident und Vorstand Wüstefeld auf der anderen Seite beschäftigen.

HSV: „Schlechteste Investitionsentscheidung meines Lebens“ – vier Jahre später will Kühne wieder Millionen investieren

Die Beteiligung Kühnes könnte zusätzlich Salz in die Wunden streuen. Zudem läuft man Gefahr, vergangene Fehler zu wiederholen. Seit 2010 hätte er rund 60 Millionen Euro in den HSV gesteckt – das bestätigte Kühne 2020 der Hamburger Morgenpost. Bereits 2018 sagte er der Süddeutschen Zeitung: „Rein wirtschaftlich betrachtet, ist der HSV die schlechteste Investitionsentscheidung meines Lebens“ und verwies dabei auf Personalentscheidungen, die er namentlich in der Öffentlichkeit infrage gestellt hatte. Und das, obwohl Kühne nach Kicker-Informationen aus dem Jahr 2017 bei vielen Verpflichtungen seine Finger selbst im Spiel hatte.

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„Ich halte es zwar für undenkbar, dass der HSV dauerhaft in der 2. Liga versinkt. Aber die Entwicklung ist traurig und trostlos“, sagte er damals nach dem Bundesliga-Abstieg 2018. Seine damalige Entscheidung sollte „nachhaltig“ sein – rund vier Jahre später will Klaus-Michael Kühne nun sogar noch mehr Geld in den Verein investieren. Ob der HSV letztendlich zustimmt, bleibt trotz Boldts aktuellen Aussagen abzuwarten ...

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