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HSV-Aufstieg: So klappt es in diesem Jahr mit der Bundesliga

  • Natalie-Margaux Rahimi
    vonNatalie-Margaux Rahimi
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Die Aufstiegs-Chancen sind wie immer gut. Das Trauma der Vorsaisons bleibt. Was muss der HSV besser machen? Ein Kommentar zur Situation des Hamburger SV.

  • Der Hamburger SV ist auch in dieser Saison wieder auf einem guten Weg Richtung Bundesliga-Aufstieg.
  • Aktuell belegt der HSV den ersten Tabellenplatz der Zweiten Bundesliga.
  • Zuletzt verspielten die Hamburger eine Zwei-Tore-Führung gegen Erzgebirge Aue.
  • Das muss der HSV in diesem Jahr besser machen – ein Kommentar.

Hamburg – Durch Regen und Wind, durch Sturm und Schnee – HSV olé. Hier oben an der Elbe sind die Fans es gewohnt, zu leiden. Gewohnt, Rückschläge hinzunehmen. Und doch, möge es sportlich auch noch so schlecht laufen, fühlt man in Hamburg immer eine gewisse Hoffnung, was den HSV betrifft. In dieser Saison läuft es sportlich gut.

Fußballverein:Hamburger Sportverein
Gründung:29. September 1887
Stadion:Volksparkstadion
Kapazität:57.000
Cheftrainer:Daniel Thioune

Wieder einmal ist der Hamburger SV auf dem besten Weg in die Bundesliga. Wieder einmal kann er sich nur noch selbst um den verdienten Lohn bringen. Aber aus irgendeinem Grund hat man in Hamburg dieser Tage das Gefühl, dass es tatsächlich klappen könnte – mit dem Traum von der Rückkehr in die Bundesliga.

Hamburger SV: Trümpfe im Aufstiegsrennen – Daniel Thioune, Simon Terodde und der Zusammenhalt

„Alles wie immer“ – mag der ein oder andere Vereins-Fremde sich denken, nachdem das Spiel des HSV gegen Aue in einem Remis endete. Zu oft kam es schon vor, dass die Hamburger wertvolle Punkte dadurch verloren, dass sie schlussendlich noch dumme Gegentreffer bekamen. In der Tat war die Entstehung des Unentschiedens im Erzgebirge ziemlich dämlich. Und doch war es anders als sonst. So legten die Hamburger in der ersten Halbzeit nämlich die wohl besten 45 Minuten hin, die es jemals von ihnen zu sehen gab.

Und so sollte es auch dem demütigsten Fan des Hamburger SV erlaubt sein, aus diesem Remis noch etwas Positives mitzunehmen. Denn der HSV spielt in dieser Saison einen Fußball, den es an der Elbe lange nicht mehr gegeben hat. Er schießt Tore, die es so ebenfalls lange nicht zu sehen gab. Er ist sogar effizienter als der glorreiche FC Bayern München. Und das soll was heißen. Ohne, dass man sich ernsthaft mit dem Rekordmeister auf eine Stufe stellen möchte, versteht sich. Dennoch hat der HSV in dieser Saison irgendwie etwas Meisterhaftes an sich.

HSV: Ruhe bewahren, weiterspielen, aufsteigen. So gelingt die Rückkehr in die Bundesliga. (24hamburg.de-Montage)

Möglich, dass es Wunderstürmer Simon Terodde ist, der diese Meisterlichkeit von Kopf bis Fuß ausstrahlt. Immerhin trifft der Mittelstürmer so oft, wie lange kein Stürmer mehr für die Rothosen getroffen hat. 19 Mal traf der gebürtige Bocholter schon ins gegnerische Netz. Auf die Art und Weise schoss er auch schon den 1. FC Köln und den VfB Stuttgart in die Bundesliga zurück.

Vielleicht hat der HSV sein neues Kostüm aber auch Trainer Daniel Thioune zu verdanken. Der mit seiner ruhigen und bodenständigen Art die Demut, die der Verein so bitter nötig hat, nur so ausstrahlt. Es könnte aber auch der Zusammenhalt sein, der den HSV in dieser Saison so unberechenbar macht. Jeder kämpft für jeden – auf und neben dem Platz.

HSV mit Aufstiegstraum: Das Trauma besiegt das Team nur mit Ruhe und Spielfreude

Ist ja alles schön und gut – und da dürften sogar die größten HSV-Kritiker zustimmen –, so hat der Verein in diesem Jahr eine fast unschlagbare Qualität, auch was die Breite des Kaders angeht. Wie aber schaffen es die Rothosen, in dieser Saison nicht erneut einzubrechen und sich den Aufstieg in die 1. Bundesliga am Ende selbst zu vermasseln? Ganz einfach: Ruhe bewahren und einfach weiterspielen. Das klingt simpel, ist es in der Praxis aber oft nicht.

Denn in Hamburg ticken die Uhren ein bisschen anders. Vom HSV hatte eigentlich jeder, der es auch nur ein bisschen mit dem Fußball hält, erwartet, dass er schon lange den Weg zurück in die Bundesliga gefunden hätte. So kam es aber nicht. Das heißt jedoch nicht, dass die Erwartungshaltung von Jahr zu Jahr kleiner wird. Nein, in Hamburg bedeutet das genau das Gegenteil. Da reichten in der Hinrunde schon drei verlorene Spiele, um von einer waschechten Krise zu sprechen. Tabellenführer sein, ist in Hamburg fast wertlos. So komme es doch nur auf den Erfolg am Ende der Saison an.

Darum könnte der HSV in diesem Jahr tatsächlich den Aufstieg in die Bundesliga schaffen. (24hamburg.de-Montage)

Was für einen Druck das bei den Spielern und auch den Verantwortlichen des HSV erzeugen mag, braucht man hier wohl nicht weiter erläutern. Das dürfte sich jeder selbst ausmalen können. Dabei wäre Ruhe genau das, was das Team aus dem Volksparkstadion braucht. Auch mal einen Fehler machen, auch mal ein Spiel verlieren – alles kein Thema. Denn auch andere Vereine machen Fehler. Was dem HSV in den vorherigen Jahren im übertragenen Sinne das Genick gebrochen hat, ist der Druck, der teils von außen an die Mannschaft herangetragen wurde, den sich die Spieler aber auch teilweise selbst auferlegt haben. Wenn die Hamburger in dieser Saison endlich aufsteigen wollen, dann muss das anders werden.

HSV und der Traum von der Bundesliga: Angst und Euphorie bei den Fans – die Hoffnung eint alle

Es ist noch gar nicht so lange her, da berichtete 24hamburg.de von Fans des HSV, die regelrecht Furcht vor der restlichen Saison haben. Grund dafür, ist die Angst vor einem erneuten Déjà-vu im Aufstiegsrennen. In den sozialen Netzwerken hagelte es für diese Sichtweise aber heftige Kritik. Auch das erzeuge Druck auf die Mannschaft, trage Unruhe in den Verein und würde eine Krise heraufbeschwören, die noch gar nicht da ist, hieß es von denjenigen Anhängern, die derzeit euphorisch in die Zukunft blicken.

Dabei ist es gar nicht so, dass Fans, die derzeit diese Ängste haben, eine Krise heraufbeschwören wollen. Vielmehr wollen sie eine solche unbedingt verhindern und warnen daher eindringlich davor, schon jetzt zu euphorisch zu sein. Vielleicht, dass muss bei aller Demut einen Gedanken wert sein, sind die Ängste in der aktuellen Saison total unbegründet. Und doch ist es irgendwie menschlich, dass einige diese Furcht empfinden. Im Endeffekt verbindet doch alle Fans eines: die Hoffnung, dass es in diesem Jahr anders wird.

Und das sollte, ohne jetzt übermütig klingen zu wollen, absolut möglich sein. Oft genug bewies der Verein in der laufenden Spielzeit Moral, drehte Spiele, erkämpfte Punkte und ließ sich auch von drei Niederlagen in Folge nicht demotivieren. Ein HSV der nach einem Gegentreffer in sich zusammen fällt? Gibt es in dieser Saison nicht. Ein Trainer der im Spiel völlig machtlos aussieht und die Spieler von der Bank nicht erreicht? Daniel Thioune strahlt komplett das Gegenteil aus.

Zehn Spiele ohne Niederlage – sieben Siege, drei Remis. Das ist die jüngste Bilanz des Hamburger SV. Und da fällt einem bei all der Demut und Frucht vor den kommenden Spieltagen gegen Aufstiegskonkurrenten nur noch einmal dieser Schlachtspruch an die Mannschaft ein: „Ruhe bewahren, weiterspielen und endlich aufsteigen!“ * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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