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Holstein gegen HSV: Kiel-Fluch oder neuer Vereinsrekord? Stärken und Schwächen der Teams

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Von: Christian Einfeldt

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Baut Holstein den Kiel-Fluch weiter aus oder schreibt der HSV heute Vereinsgeschichte? Beide Nord-Teams haben dieses Jahr schon Stärken und Schwächen offenbart.

Kiel/Hamburg – Nordrivale Holstein Kiel verbindet Begegnungen mit dem HSV laut Vereinsseite immer mit einer „ganz besonderen Atmosphäre“. Die Spiele sind immer ausverkauft und ein Blick auf die bisherigen Partien zeigt, dass Spannung auch für den neutralen Fußball-Fan der Zweiten Bundesliga vorprogrammiert ist. Dabei entwickelte sich Holstein Kiel schon früh zu Hamburgs Angstgegner. In Liga zwei gab es acht Begegnungen – aus Sicht des HSV fünf Remis und drei Niederlagen. Die KSV (Kieler Sportvereinigung) Holstein empfängt am Freitag, 9. September 2022, ein weiteres Mal den Hamburger Sportverein.

Fußballverein:Holstein Kiel
Arena:Holstein-Stadion
Trainer:Marcel Rapp
Gründung:7. Oktober 1900

Holstein Kiel gegen HSV: Ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten

Alles begann mit dem 3. August 2018. Nachdem der Hamburger Sportverein die Jahre zuvor noch erfolgreich um einen Abstieg aus der Bundesliga herumgekommen war, landete der HSV letzten Endes doch in der Zweiten Liga – und mussten direkt gegen Holstein Kiel ran. Der HSV ging im ausverkauften Volksparkstadtion als Favorit ins Spiel – doch verlor mit 0:3. Damaliger Holstein-Trainer war Tim Walter, die Torschützen zum ersten und zweiten Kiel-Tor Jonas Meffert und David Kinsombi (zwischen 2019 und 2022 HSV-Spieler).

„Für mich persönlich war das ein ganz besonderes Spiel. Zum einen habe ich als gebürtiger Hamburger von jeher viel rund um den HSV mitbekommen, zum anderen war es mein erstes Pflichtspiel für Holstein nach meiner Rückkehr“, zitiert Holstein Kiel seinen Kapitän Hauke Wahl. Wahl ist gebürtiger Hamburger. Früh hätte es ihn und seine Familie allerdings ins schleswig-holsteinische Stormarn verschlagen. Weder für den HSV noch für den St. Pauli hat er gespielt– seine Mitspieler links und rechts neben ihm auf dem Feld aber schon.

Kiels Kwasi Okyere Wriedt und Hamburgs Mario Vuskovic.
Holstein Kiel gegen HSV: Am 9. September 2022 kommt es zur neunten Zweitliga-Auflage des Nordduells. © Axel Heimken/dpa

Der ebenfalls gebürtige Hamburger Kwasi Okyere „Otschi“ Wriedt dürfte sich besonders gefreut haben, als er das letzte Tor in einem Spiel zwischen Kiel und Hamburg erzielt hat. Ausgebildet wurde er unter anderem auf St. Pauli. Mit Erinnerungen an die Vergangenheit könnten auch Jann-Fiete Arp und Finn Porath in die Partie gehen. Ihre ersten Schritte im Profigeschäft machten die gebürtigen Schleswig-Holsteiner beim HSV. Noch heute sagt Arp, dass „die Liebe zum HSV immer da sein wird“.

Holstein Kiel: Ex-HSV-Spieler Arp, Porath und Co. wollen mit Präzision punkten

Ein anderer Bekannter in Hamburg ist Lewis Holtby. Im Gegensatz zum Ex-Kieler László Bénes aufseiten des HSV wird er zum aktuellen Stand nicht zum Einsatz kommen. Gegenüber der Holstein-Seite sprach der verletzte Holtby von einem „intensiven, brisanten“ Spiel – „und am Ende steht hoffentlich wieder ein positives Ergebnis für uns auf der Anzeigetafel“, sagt Holtby, der wie sein Trainer Marcel Rapp zuversichtlich gestimmt ist. Alle Verbundenheit bleibt am Freitag im Verborgenen, wenn der Schiedsrichter um 18.30 Uhr im Holstein-Stadion das nächste Nordduell anpfeift.

Alle 2. Liga-Begegnungen zwischen HSV und Holstein Kiel:

HSV-Holstein Kiel: 0:3 (3. August 2018)

Holstein Kiel-HSV: 3:1 (23. Dezember 2018)

Holstein Kiel-HSV: 1:1 (9. November 2019)

HSV-Holstein Kiel: 3:3 (8. Juni 2020)

Holstein Kiel-HSV: 1:1 (9. November 2020)

HSV-Holstein Kiel: 1:1 (8. März 2021)

HSV-Holstein Kiel: 1:1 (30. Oktober 2021)

Holstein Kiel-HSV: 1:0 (10. April 2022)

Fragen der Journalistinnen und Journalisten liefen ins Leere, als Rapp in der Pressekonferenz gefragt wurde, wie Holstein denn zum neunten Mal in Folge ein HSV-Sieg verhindern möchte. „Wir haben uns auf jeden Fall was überlegt. Lassen wir uns mal überraschen“, war das Motto am vergangenen Donnerstag. Ein großer Erfolgsgarant ist nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) jedenfalls Holsteins Abschlussstärke. 15,2 Prozent aller Torschüsse sind drin – Platz zwei in Liga zwei. Auf diese Topmarke hat Tim Walter seine Mannschaft sicherlich schon hingewiesen. Spekuliert wird etwa, ob HSV-Neuzugang Mikelbrencis Holsteins Abschlussqualitäten verhindern könnte.

Schwächen der KSV Holstein: Wenig Risiko, wenig Chancen

Auf der anderen Seite muss Kiel angesichts ihrer letzten Auftritte offensiv dennoch etwas nachlegen. Die Pässe waren beim 0:0 gegen Regensburg häufig zu unpräzise. Standards waren wenig ergiebig und Flanken blieben häufig ohne Abnehmer im Strafraum. Auslöser der aktuellen Baustellen in der Kieler Offensive könnte einer mangelnden Risikobereitschaft geschuldet sein. Das zeigt sich im Spielaufbau wie im Hinblick auf die zuletzt geringen erarbeiteten Chancen. Nach dem Spiel gegen Paderborn, das Holstein historisch mit 2:7 verloren hatte, scheint Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt mehr auf eine stabilisierte Defensive und den Gewinn von zweiten Bällen setzen zu wollen.

Verabschiedet sich Holstein am Freitag von dieser Spielphilosophie, wenn es im ausverkauften Flutlichtspiel gegen den Hamburger Sportverein geht? Nach Informationen der Kieler Nachrichten vermittelte die Trainingswoche den Eindruck, dass besagte Niederlage gegen Paderborn nun endlich aus den Köpfen der Spieler sei. Sowohl beim 1:0-Sieg gegen Sandhausen, als auch gegen Regensburg ließ man nur wenig Chancen zu. Darüber hinaus sind die Kieler in Sachen Balleroberungen ebenfalls ganz oben in der Statistik-Tabelle der Zweiten Liga. Ob das zum erneuten Erfolg gegen die Hamburger führt?

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Walter erwartet „enges und brisantes Duell“: Wie HSV den Kiel-Fluch besiegen könnte

„Wer mich kennt, weiß, ich habe vor niemanden Angst“ – eröffnete HSV-Trainer Tim Walter die letzte PK, der jetzt also nach acht Auswärtssiegen in Folge auf den vermeintlichen Angstgegner Kiel trifft. Ein besonderes Spiel ist es, für ihn, alle Male. Ausgerechnet gegen Kiel feiert HSV-Trainer Tim Walter sein Jubiläum. Im Fußball-Podcast der Kieler Nachrichten („Holstein eins zu eins“) ist die Rede von einem scheinbar unerklärlichem „Fluch, der in den Köpfen sitzt“ – doch in Hamburg möchte man davon nichts wissen.

Per Sprachnachricht teilt Walter seinem Ex-Klub im Podcast mit, dass er „wie immer“ ein „enges und brisantes Duell“ erwartet, dennoch würden er und seine Mannschaft auch gegen Kiel mit dem Selbstverständnis ins Spiel gehen, nach 90 Minuten als Sieger vom Spielfeld zu gehen. Was auf den ersten Blick für den HSV spricht: die bisherige Punkteausbeute in Liga 2. Nur gegen Hansa Rostock und Darmstadt erlaubte man sich eine Niederlage – beide Spiele fanden vor heimischer Kulisse statt.

Auswärts war die letzte Auswärtsniederlage saisonübergreifend vor acht Spieltagen – der Gegner hieß Holstein Kiel. Mit viel Ballbesitz und vielen Flanken könnten die Hamburger den vermeintlichen Fluch endlich besiegen. In beiden Kategorien nimmt der HSV derzeit Topwerte ein. Ebenfalls Spitzenreiter ist man laut NDR, wenn es ins Eins-gegen-Eins geht. Auch die gespielten Pässe im letzten Drittel zeigen, dass die Spieler mit einer hohen Qualität und viel Präzision vieles richtig machen. Nicht umsonst glaubt Vereinsikone Felix Magath, dass der HSV nun aber diese Saison aufsteigt.

HSV: Topwerte in der Defensive – doch wie sattelfest sind die Hamburger wirklich?

Wo Licht ist, ist auch Schatten – ein Sprichwort, das dem HSV erfahrungsgemäß bekannt sein könnte. Nur neun Tore hat der Sturm rund um Robert Glatzel geschossen. Nicht zuletzt ist es einer guten Defensivarbeit zu verdanken, dass man in Hamburg dennoch wieder von der Bundesliga träumen kann. Auf dem Papier ist die Defensive top – doch wird zumindest von den Expected Goals Werten infrage gestellt. Auch wenn diese Daten immer mit Vorsicht zu genießen sind, geben sie doch einen gewissen Trend wieder. Im Falle des HSV sagen sie, dass mit mehr Präzision der gegnerischen Abschlüsse der HSV 10,5 Tore zusätzlich hätte kassieren müssen.

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Dass es nicht so weit kam, liegt mit Sicherheit auch am HSV-Torhüter Heuer Fernandes – der laut Kicker-Daten beste Fußballer Deutschlands. Eine weitere Schwachstelle der Hamburger könnte sich aus ihrem Offensivspiel ableiten. „Da ergeben sich natürlich immer Räume im Rücken“, stellte Holstein-Coach Rapp unlängst in der Kieler Pressekonferenz fest.

Holstein Kiel-HSV: Restlos ausverkauft – Pay-TV-Sender zeigt Spiel

Wer wird das mit Spannung erwartete Nordduell gewinnen? Beide Teams haben in dieser Saison schon Stärken und Schwächen gezeigt. Die KSV würde mit einem Sieg den Hamburgern ordentlich Druck machen. Dann wären die Kieler nämlich auf einmal punktgleich. Der HSV wiederum könnte mit einem Sieg gleich zwei Anlässe feiern. In den letzten 60 Jahren gelangen dem HSV noch nie so viele Auswärtssiege in Folge – und der Kiel-Fluch wäre endlich gebrochen. Für kurzentschlossene Fans ohne Tickets bleibt das Holstein-Stadion übrigens verschlossen. Das Spiel ist restlos ausverkauft. Die Live-Übertragung übernimmt Pay-TV-Sender Sky. Anstoß in Kiel ist um 18.30 Uhr.

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