Fußball-Nachwuchs

HSV-Trainerteam soll Nachwuchs mehr pushen – Vorbild ist König Otto Rehhagel von Werder Bremen

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Das neue Trainerteam beim Hamburger SV soll aus der Not eine Tugend machen und dem HSV-Nachwuchs mehr Chancen einräumen. Die „Rautenperle“ hofft auf einen Neustart.

  • Neues Trainerteam beim Hamburger SV* muss den Nachwuchs fördern.
  • Neuanfang wegen finanzieller Not bei den Hamburgern*.
  • Ex-HSV-Mitarbeiter erklärt, wie das funktionieren kann und was aktuell Hoffnung macht.

Hamburg – Das neue Trainerteam beim Hamburger SV* ist endlich komplett. Bei aller finanziellen Not bei den Rothosen* hoffen Fans auch auf einen Neuanfang. Gerade im Umgang mit dem HSV-Nachwuchs. Der könnte von Chefcoach Daniel Thioune und den beiden Co-Trainern Merlin Polzin und Hannes Drews in Zukunft deutlich stärker integriert werden. „Die Notwendigkeit wird immer deutlicher“, sagt dazu Marinus Bester, der ehemalige HSV-Teammanager und -Talentmanager gegenüber dem Portal „Rautenperle“.

FußballvereinHamburger SV
TrainerDaniel Thioune
VorsitzenderMarcell Jansen
Gründung29. September 1887, Hamburg
VorstandJonas Boldt (Sport); Frank Wettstein (Finanzen, Recht & Personal)
FarbenBlau-Weiß-Schwarz

Hamburger SV soll von Werder Bremen lernen: Otto Rehhagel als Vorbild für neues HSV-Trainerteam um Daniel Thioune

Schon die Wahl des aktuellen HSV-Cheftrainers war eine Überraschung. Daniel Thioune kam vom VfL Osnabrück und brachte seinen Co-Trainer Merlin Polzin mit. Gerüchteweise standen auch André Breitenreiter, Tim Walter und Dimitrios Grammozis auf der Wunschliste. Mit Daniel Thioune kam der unbekannteste Kandidat, der dafür in den vergangenen Jahren einen vermeintlichen Underdog aus der Fußballprovinz Osnabrück konstant weiterentwickeln konnte.

Kann der Hamburger SV von Werder Bremen und Otto Rehhagel lernen? (24hamburg.de-Montage)

Doch nicht nur Dieter Hecking* ging. Neben dem Fußballtrainer, der jetzt Sportvorstand beim 1. FC Nürnberg ist, verließen auch seine Co-Trainer Tobias Schweinsteiger und Dirk Bremser den Verein. Ersatz kam aus den eigenen Reihen. Mit Hannes Drews beförderte der Hamburger SV den bisherigen Coach der eigenen U21 ins Profiteam. Ein wichtiger erster Schritt, um die Weichen für eine verbesserte Integration des eigenen Nachwuchs zu stellen. Dafür ist jetzt Horst Hrubesch als „Direktor Nachwuchs" zuständig*.

HSV hat Nachwuchsarbeit vernachlässigt: Finanzielle Not soll Neuanfang einleiten - Hannes Drews als Mutmacher

Im Gespräch mit dem Portal „Rautenperle“ sagt das auch Marinus Bester. Der 51-Jährige war zwischen 2016 und 2019 beim Hamburger SV unter anderem dafür zuständig, die Zusammenarbeit zwischen dem Nachwuchs und den Profis zu optimieren. In einer chaotischen Phase schmiss er die Brocken hin. In einem Gespräch mit dem damaligen Sportchef Ralf Becker und Vorstandsboss Bernd Hoffmann sei herausgekommen, dass die Führung „sich unter meiner Arbeitsplatzbeschreibung nicht wirklich viel vorstellen konnte. Deshalb habe ich die Reißleine gezogen und um einen Auflösungsvertrag gebeten“, erklärt Marinus Bester der „Rautenperle“.

Daniel Thioune ist als HSV-Cheftrainer gefragt, unter schwierigen finanziellen Bedingungen, einen Neuanfang zu moderieren.

Die Beförderung von Hannes Drews beurteilt er daher positiv. „Wenn der HSV seinen Talenten von oben vorlebt, dass alles immer Bedeutung hat und wahrgenommen wird, was auf dem Platz gezeigt wird, dann entsteht eine Leistungskultur, die mich darauf hoffen ließe, dass der HSV endlich aus alten Fehlern lernt. Aber auch nur dann.“

Neues HSV-Trainerteam muss den Nachwuchs fördern: Otto Rehhagel machte mit Werder Bremen vor, wie das geht

Als Vorbild könnte ausgerechnet Otto Rehhagel* vom ewigen Lokalrivalen Werder Bremen dienen, veranschaulicht Marinus Bester. „Ich erinnere mich noch gut an meine Zeit bei Werder Bremen, wenn ich mit der zweiten Mannschaft parallel zu den Profis gespielt habe, und Otto Rehhagel eben nicht am Rand stand. Auch seine Co-Trainer waren natürlich nicht da, aber stattdessen Stand Frau Rehhagel plötzlich am Rand und schaute zu.“

Eine Geste, die nicht zu unterschätzen sei: „Da wussten wir, dass wir so wichtig waren, dass sich Rehhagel selbst dann Infos über uns einholte, wenn er selbst partout nicht konnte. Vor allem dann, wenn er uns nach Spielen, bei denen nur seine Frau anwesend war, auf die dort gezeigten Leistungen ansprach. Denn völlig unabhängig davon, wie fachlich qualifiziert seine Frau war, alle haben dadurch gemerkt, dass Rehhagel sich immer informiert und ernsthaftes Interesse am eigenen Nachwuchs hatte. Und diese daraus entstandene Motivation, sich weiterzuentwickeln, zog sich bis nach ganz unten in die Jugend.“

Hamburger SV: Mit Mischung aus Erfahrung und Jugend in die 1. Fußball-Bundesliga

Hier sei vor allem die Geduld von Daniel Thioune gefragt. „Die allermeisten Spieler lernen erst dann, worauf es im Profifußball ankommt, wenn sie unter Profibedingungen gefordert werden. Dabei muss ein Verein einkalkulieren, dass dieser Spieler mal nicht funktioniert – aber ohne ihn sofort wieder abzuschreiben“, führt Marinus Bester aus.

Die Frage dürfte sein, ob die Vereinsführung diese Geduld aufbringt. In der Vergangenheit fehlte sie oft. Erfahrene Spieler wie Kapitän Aaron Hunt* oder Neuzugang Klaus Gjasula* könnten dem HSV-Nachwuchs helfen, sich zu etablieren. So könnte auch ein Teamgefüge entstehen, mit dem Rothosen um den Aufstieg kämpfen könnten. Aus der finanziellen Not könnte eine sportliche Tugend werden. Auch Ex-HSV-Spieler Lewis Holtby könnte zum Schnäppchen werden* für den Hamburger SV. Alle Infos rund um den HSV* gibt es im Newstickter. *24hamburg.de und deichstube.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/Carmen Jaspersen/dpa/picture alliance

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