Neuzugänge nicht in Sicht

Hamburger SV – kein Deal: Zwang zum Nachwuchs beim norddeutschen Krisen-Club HSV – Versagen auf Transfermarkt

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
    schließen

Der Hamburger SV hat wegen seiner leeren Kassen und ungewisser Coronavirus-Zukunft ein riesiges Problem Neuzugänge ranzuholen. Die Jugend soll es richten. Ob das Rezept für den Aufstieg in die erste Bundesliga genügt? 

  • Dem Hamburger SV* fehlt immer noch ein Stürmer und ein Innenverteidiger.
  • Trainer Daniel Thioune muss in Hamburg* deswegen vor allem auf die Jugend setzen.
  • Hauptsponsor und Käufer der Namensrechte am Volksparkstadion fehlen immer noch.

Hamburg – Der Hamburger SV hat sein Testspiel gegen den FC Hansa Rostock knapp mit 1:0 gewonnen. Es war eine Hitzeschlacht in einer frühen Phase der Vorbereitung. Dennoch lässt sich festhalten: Die Jugend kriegt beim HSV, der sich mal wieder an einem Neuanfang versucht, tatsächlich eine Chance. Und macht ihre Sache gut. Das muss sie auch. Denn die Rothosen haben Probleme, Neuzugänge zu bekommen. Weil wieder mal nur die üblichen Kandidaten gehandelt werden. Kreative Lösungen? Fehlanzeige.

FußballvereinHamburger SV
CheftrainerDaniel Thioune
VorsitzenderMarcell Jansen
Gründung29. September 1887, Hamburg
VorstandJonas Boldt (Sport), Frank Wettstein (Finanzen, Recht & Personal)
Ligen2. Fußball-Bundesliga, DFB-Pokal, Fußball-Landesliga Hamburg

Hamburger SV: Pleite und unkreativ – HSV versagt auf Transfermarkt und muss auf Jugend setzen

Das Spiel gegen den FC Hansa Rostock war für HSV-Fans erfrischend. Zwar war das spielerische Niveau überschaubar, doch es war der erste Aufgalopp nach sechs Wochen Sommerpause. Und es gab ein paar Lichtblicke zu bestaunen. Allen voran Amadou Onana. In der ersten Halbzeit war der 18-Jährige der größte Aktivposten im HSV-Spiel.

HSV-Sportvorstand Jonas Boldt hat es noch nicht geschafft, den Hamburger SV auf Aufstiegs-Kurs zu bringen.

Ebenfalls souverän agierte Innenverteidiger Stephan Ambrosius. Er ist gerade einmal 21 Jahre alt, bildete in dem Testspiel aber gemeinsam mit Jonas David (20) und Josha Vagnoman (19)* eine stabile Abwehr. Dass er durchspielen durfte hatte er den mangelnden Alternativen von HSV-Cheftrainer Daniel Thioune* auf der Bank zu verdanken. Doch er zahlte das Vertrauen mit dem Siegtreffer in der Schlussminute zurück.

Horst Hrubesch bringt Schwung in den HSV Campus: Aufbrichsstimmung im Jugendbereich

Das erste Testspiel einer Vorbereitung ist bedingt aussagekräftig. Doch das jugendliche Personal sagt viel über die Situation beim Hamburger SV aus. Zum einen scheint die neue Strategie, mehr auf den Nachwuchs setzen zu wollen*, mehr zu sein als nur ein Lippenbekenntnis. In dieser Hinsicht ist ein Neuanfang auszumachen. Ein weiterer Beweis dafür ist der Elan, mit dem Horst Hrubesch, der neue Direktor Nachwuchs* auf dem HSV Campus loslegt.

Doch der Jugendwahn hat auch seine Schattenseiten. Nachwuchs-Spieler müssen Fehler machen dürfen. Sie sind nicht dafür da, um über Wohl und Wehe eines Vereins zu entscheiden. Sie sollen helfen, wo sie können. Und dazulernen, wo sie es noch nicht können. Zumal selbst gestandene Profis ihr Leistungsoptimum oft nicht über eine ganze Saison auf den Rasen bringen können. Sich auf diese Konstanz bei Nachwuchs-Spielern zu verlassen, wäre fahrlässig.

Hamburger SV will die üblichen Verdächtigen: Unkreative Transferlösungen und Wettbieten mit reicheren Vereine

Der HSV hätte jedoch kaum erfahrenere, neue Spieler gehabt, die das Nordderby gegen den FC Hansa Rostock hätten bestreiten können. Einziger Neuzugang, der in diese Kategorie fällt, ist Klaus Gjasula*. Der 30-Jährige Abräumer gab im Testspiel sein Debüt für die Rothosen. Er zeigte, was er kann. Aber auch, dass es noch an Bindung zum restlichen Team fehlt. Dafür sind Testspiele da.

HSV-Cheftrainer Daniel Thioune auf dem Übungsplatz. Er ist beim Hamburger SV als Entwickler gefragt.

Für den Sturm und die Innenverteidigung fahndet der Hamburger SV noch nach Verstärkung. Auch weil nicht klar ist, wann Rick van Drongelen* wieder eine Alternative für die Startelf ist. Und das äußerst unkreativ. Die gehandelten Spieler – von Manuel Schäffler* bis Simon Terodde* – dürften auf Wunschzetteln gleich mehrere Vereine auftauchen. Und in dem Moment, in dem sich der HSV ein Wettbieten mit einem anderen Club muss, verliert er. Denn die Kassen sind leer und die Zukunft ungewiss. Probleme, die Sportdirektor Michael Mutzel nicht als solche erkennt*.

HSV ohne Hauptsponsor: Auch Namensrechte am Volksparkstadion nicht vergeben – Coronavirus sperrt Fans aus

Es scheint Probleme bei der Findung eines neuen Hauptsponsors* zu geben. Zumindest steht immer noch nicht fest, wessen Name und Logo in der kommenden Saison das Trikot zieren wird. Auch die Namensrechte für das Volksparkstadion konnten die Verantwortlichen noch nicht zu Geld machen. Die finanzielle Not führte dazu, dass Sportvorstand Jonas Boldt eine Gehaltsobergrenze für Neuzugänge* einführen musste.

Dazu kommt der Wegfall der Fans. Der Hamburger SV hatte vor der Coronavirus-Pause einen Zuschauerschnitt von 33.400 Personen. Mehr konnte in der 2. Fußball-Bundesliga nur der VfB Stuttgart (39.503) ins Stadion locken. Mit diesem Schnitt wäre der HSV selbst in der 1. Fußball-Bundesliga noch auf Platz elf dieser Wertung. Und all diese Fans essen, trinken und kaufen Fanartikel im Stadion. Einnahmen, die auf unbestimmte Zeit wegfallen.

Zwar vermeiden es die Verantwortlichen beim Hamburger SV, das Wort Aufstieg* in den Mund zu nehmen, doch HSV-Trainer Daniel Thioune wird sich auch daran messen lassen müssen. Er kann zeigen, dass er tatsächlich ein „Entwickler“ ist, wie von Sportvorstand Jonas Boldt angekündigt. Er muss es sogar. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare