Keine Fans – keine Kohle

HSV vor Millionen-Verlusten: Droht dem Verein nun der Corona-Kollaps?

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Der Hamburger SV steht vor einer ungewissen Zukunft. Wegen der Coronavirus-Krise drohen Verluste in Millionenhöhe, der Gürtel muss enger geschnallt werden.

  • Hamburger SV* droht Finanzchaos.
  • Coronavirus*-Krise macht HSV zu schaffen.
  • Muss der HSV Anteile verkaufen, um finanziell nicht zu ersaufen?

Hamburg – Für den Hamburger SV läuft es sportlich mehr als rund. Die Rothosen sind ungeschlagener Tabellenführer in der 2. Fußball-Bundesliga, Stand jetzt wäre der HSV aufgestiegen. Doch es droht finanzielles Ungemach, das aus der Coronavirus-Krise resultiert. Die Verantwortlichen des Klubs von der Elbe* planen Millionenverluste ein. Müssen Anteile an der HSV Fußball AG verkauft werden?

Fußballverein:Hamburger SV
Cheftrainer:Daniel Thioune
Kapazität:57.000
Gründung:29. September 1887, Hamburg
Vorsitzender:Marcell Jansen
Ligen:2. Fußball-Bundesliga, DFB-Pokal

Hamburger SV in finanzieller Schieflage – müssen HSV Fußball AG-Anteile verkauft werden?

HSV-Coach Daniel Thioune* kann mit seinem Team zufrieden sein. Seine Mannen haben 16 von 18 möglichen Punkten in der laufenden Spielzeit im Fußball-Unterhaus eingefahren. Lediglich im Stadtderby gegen den FC Sankt Pauli* mussten sich die Rothosen mit einem Remis zufriedengeben. Zwar wirkt nicht jeder Spielzug wie aus dem Lehrbuch, doch konnten die HSV-Kicker auch zu kippen drohende Partien letztendlich für sich entscheiden.

Wenige bis gar keine Fans im Volksparkstadion sind derzeit die Realität für den Hamburger SV und dessen Sportvorstand Jonas Boldt. Das Coronavirus ist der Übeltäter. (24hamburg.de-Montage)

Im Nordduell mit Holstein Kiel* sollen die nächsten drei Zähler für die heiß ersehnte Rückkehr in die 1. Liga geholt werden. Vorab könnten sich aber massive Störgeräusche abseits des sportlichen Kerngeschäfts negativ auf die HSV-Vorbereitung für das Spiel gegen die „Störche“ auswirken. Denn wie die „Mopo“ berichtet, müssen die Hanseaten eventuell Anteile der HSV Fußball AG veräußern, um letztendlich finanziell überleben zu können.

Hamburger SV: Zweitligist spielt im leeren Stadion – millionenschwere Verluste eingeplant

Ein Szenario, das unmittelbar mit der Coronavirus-Krise zusammenhängt. Durften bis zuletzt noch 1.000 Zuschauer den Rothosen-Spielen im Volksparkstadion beiwohnen, muss der Profisport im November 2020 bundesweit ohne jegliche Unterstützung von Fans in der jeweiligen Spielstätte auskommen. Ein von Bundeskanzlerin Angela Merkel* vorgestellter Beschluss, an dem es derzeit nichts zu rütteln gibt. Laut „Mopo“ kommt dies dem HSV ziemlich teuer zu stehen. 1,5 bis zwei Millionen Euro soll der Hamburger SV durch jedes Heimspiel verlieren, dass ohne Fans ausgetragen werden muss. Auch Mittelfeldmann Khaled Narey würde sich tierisch über Fan-Support freuen*.

In weiser Voraussicht hatten die HSV-Verantwortlichen rund um Sportvorstand Jonas Boldt, der unlängst seinen Vertrag verlängert hat*, und Finanzvorstand Frank Wettstein für die Hinrunde gänzlich ohne Zuschauereinnahmen geplant. Noch vor Ausbruch der globalen Pandemie betonte eben jener Wettstein, dass sein Verein unabhängig vom sportlichen Erfolg weitere Jahre in der Zweitklassigkeit finanziell verkraften könnte*. Da war der 46-Jährige aber auch noch einem vollen Haus ausgegangen. Das Volksparkstadion bietet Platz für bis zu 57.000 Zuschauer, die oftmals für eine stimmungsvolle Kulisse sorgen. An dieser will auch Stümer Bobby Wood wieder teilnehmen*.

Hamburger SV: Verkauf von Anteilen sorgt für Unmut bei HSV-Fans

Abseits dessen, dass die ganz großen Emotionen im Stadion infolge fehlender Fans ausbleiben, würde eine Rückrunde in einem leeren Volksparkstadion ein riesiges Loch in die eh schon klamme HSV-Kasse reißen. Dementsprechend müssen sich die Entscheidungsträger der Hamburger* Alternativen und Konzepte überlegen, um dem zumindest partiell entgegenzuwirken. Der Verkauf von weiteren Anteilen der HSV Fußball AG, einer Aktiengesellschaft, deren Wertpapiere jedoch nicht an der Börse gehandelt werden, ist eine Option.

Dies würde jedoch Unfrieden innerhalb des Hamburger SVs garantieren. Qua Satzung darf der HSV derzeit 24,9 Prozent seiner Anteile verkaufen, 23,8 Prozent sind bereits veräußert. Um eine Aufstockung und damit eine Aufhebung dieser Limitierung durchgesetzt zu bekommen, bedarf es einer Dreiviertelmehrheit der Mitglieder. Vorausgesetzt, ein entsprechender Antrag wird überhaupt gestellt. Erschwerend hinzu kommt, dass noch ungewiss ist, wann die nächste Mitgliederversammlung stattfindet.

Hamburger SV: Stadt Hamburg gibt Geld – HSV-Hoffnungsschimmer in Corona-Zeiten

Gemäß der Satzung des Hamburger SVs muss diese im Winter-Halbjahr stattfinden. Die „Mopo“ verweist aber darauf, dass das HSV-Präsidium vorhat, die Mitgliederversammlung erst im März 2021 zu veranstalten. Um ein wenig Optimismus zu schüren: Sollten tatsächlich weitere Anteile der HSV Fußball AG verkauft werden, gibt es zumindest noch ausreichend Vorlaufzeit, um die Mitglieder von der bereits angesprochenen Aufstockung zu überzeugen. Der Vorstand rund um Boldt und Wettstein, aber auch der Aufsichtsrat sollen dieser Idee gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen sein.

Gewiss ist aber auch, dass durch den Absprung vom jahrelangen HSV-Investor Klaus-Michael Kühne* im Sommer 2020 neue Geldquellen erschlossen müssen werden. Immerhin: Durch den Kauf des Grundstücks rund um den Volkspark*, der durch die Stadt Hamburg erfolgte, kann sich der Hamburger SV zuvor nicht eingeplanten 23,5 Millionen Euro sicher sein. Damit sollte genügend Geld vorhanden sein, um Goalgetter Simon Terodde* an der Elbe zu halten – und Vereinslegende Uwe Seeler seinen Wunsch zu erfüllen*. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Stuart Franklin/Getty Images Europe/Pool/dpa & Christian Charisius/dpa

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