Besiegen Rauten endlich Kieler?

Nordduell: Hamburger SV wollte Kieler Störche schlagen und auf Platz zwei

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Der HSV steht vor den entscheidenden Wochen in der 2. Fußball-Bundesliga. Um weiterhin oben mitzumischen, ist ein Sieg gegen Holstein Kiel alternativlos. Wäre da nicht die Horror-Bilanz gegen die „Störche“. Und das Unken von Vereins-Ikone Horst Hrubesch.

  • Hamburger SV*: Wie Angstgegner Holstein Kiel geschlagen werden soll.
  • Erneuter Torwart-Wechsel beim HSV gegen die Störche?
  • HSV-Legende Horst Hrubesch mit kritischen Worten.

Hamburg – Steilvorlage für den Hamburger SV: Sowohl Arminia Bielefeld als auch der VfB Stuttgart haben gepatzt und mussten sich am 30. Spieltag der Saison 2019/2020 jeweils mit einem Remis begnügen. Da auch Verfolger Heidenheim nicht gewinnen konnte und gar 1:2 in Hannover verlor, könnte die Gunst der Stunde für das Team von Trainer Dieter Hecking* nicht besser sein.

Wird Holstein Kiel am Montagabend, 8. Juni 2020, 20:30 Uhr* daheim im Hamburger Volksparkstadion geschlagen, befinden sich die Hamburger* wieder auf Platz zwei. Angst macht jedoch die bisherige Bilanz gegen die Störche. Und eventuell auch die Kritik von Vereinslegende Horst Hrubesch.

Fußballer:Horst Hrubesch
Geboren:17. April 1951 (Alter 69 Jahre), Hamm
Größe:1,88 m
Gewicht:88 kg
Ehepartnerin:Angelika Hrubesch (verh. 1972)
Bisherige Trainerstationen:Deutsche Fußballnationalmannschaft der Frauen (Fußballtrainer, 2018-2018)

Hamburger SV: Heißer Tanz in 2. Fußball-Bundesliga gegen Holstein Kiel erwartet – erschreckende Bilanz gegen „Störche“

In drei Spielen gegen Holstein Kiel konnte der Hamburger SV bisher nicht gewinnen, zählbares war nur einmal mitzunehmen. Nur einer von neun möglichen Punkten war den Rothosen im Nordduell bisher vergönnt, 2:7 Tore aus Sicht des HSVs sprechen Bände. Das soll sich im vierten Aufeinandertreffen in der 2. Fußball-Bundesliga zugunsten der Hansestädter ändern. Immerhin: der bisher beste Torschütze im direkten Duell, David Kinsombi, hat mittlerweile die Seiten gewechselt und schnürrt seine Schuhe für das Team rund um Kapitän Aaron Hunt.*

Doch was macht dem HSV sonst noch Mut? Zum Beispiel die immer noch bestehende Torgefährlichkeit von Kinsombi, der unlängst für einen Doppelpack gegen den SV Wehen Wiesbaden verantwortlich zeichnete. Mit viel Dusel konnten die Mannen von Dieter Hecking das Spiel 3:2 gewinnen, überzeugend waren sie dabei aber nur streckenweise. Wirklich gute Leistungen hatten neben dem zweifachen Torschützen nur Josha Vagnoman, Sonny Kittel*, frisch gebackener Vater* und der ins Tor zurückgekehrte Julian Pollersbeck gezeigt.

Hamburger SV: Mutmacher gegen Holstein Kiel – Tor-Garant Kinsombi, Pollersbeck erneut im Tor?

Der U21-Europameister von 2017 war neben Kinsombi der Sieg-Garant gegen die Hessen und hielt sein Team mit guten Paraden immer wieder im Spiel. Aber steht er auch gegen Kiel im Tor? In der HSV-Pressekonferenz von Sonntag, 7. Juni verblüffte Coach Hecking zumindest mit der Aussage, in der Torwartfrage noch keine finale Entscheidung getroffen zu haben. Dabei standen und stehen die Vorzeichen für Pollersbeck, der sich mit Daniel Heuer-Fernandes* um den Platz im Tor duelliert, ziemlich gut.

Schon in der Wintervorbereitung war es ein offenes Geheimnis, dass ein Torwarttausch, also von Heuer-Fernandes zu Pollersbeck, im Bereich des Möglichen liegt. Doch dann verletzte sich der mittlerweile 25-Jährige am Sprunggelenk und Hecking wurde die Entscheidung abgenommen. Und auch zum Re-Start nach der langen Coronavirus-Sars-Cov-2*-Pause hatte sich der gebürtige Bayer aussichtsreiche Chancen auf Startelfeinsätze ausgerechnet. Doch auch dieses Mal knickte Pollersbeck um, die Entscheidung war erneut passé.

Die Nordduelle zwischen dem Hamburger SV und Holstein Kiel leben von Emotionalität und Pyrotechnik. Letzteres fällt dieses Mal weg, hitzig sollte es dennoch zugehen.

Nachdem es im dritten Anlauf gegen Wehen Wiesbaden geklappt hat und Pollersbeck mit viel Lob überschüttet wurde, möchte der einstige U21-Nationalspieler natürlich mehr und dauerhaft das Tor des HSVs hüten. „Es ging darum, dass ich das Gefühl hatte, dass Ferro nach der mentalen Belastung eine Pause guttun würde. Und wenn ich mir seine Trainingswoche ansehe, dann gibt mir die das Gefühl, dass ich richtig lag. Er war wieder richtig da, hat überragend gehalten“, lautet jedoch die Aussage von Hecking, wodurch auch ein Einsatz von Heuer-Fernandes als nicht ausgeschlossen gilt.

Hamburger SV: Erneutes Vertrauen für Letschert – Heckings Trümpfe gegen Holstein Kiel

Auch wenn der Trainer der Rothosen sagt: „Ich habe mich nicht festgelegt“. Dies wird zumindest in der Öffentlichkeit kommuniziert. „Die Leistung von Polle gegen Wehen Wiesbaden war gut“, heißt es aber auch von Hecking, wodurch die Verwirrung noch größer wird. Ein Schachzug des 55-Jährigen, der sich nicht in die Karten schauen lassen will? Die Antwort auf die vermeintlich noch offene Torwartfrage wird das Abendspiel im Volksparkstadion zwischen dem HSV und Holstein Kiel geben, das um 20:30 Uhr angepfiffen wird.

Als gewiss gilt bereits, dass sich der zuletzt wackelige HSV-Verteidiger Timo Letschert erneut bewähren darf. Bei beiden Treffern von Wiesbaden hatte der Niederländer Pate gestanden. Coach Hecking hatte danach öffentlich die fehlende mentale Frische seines Abwehrchefs moniert. „Wir hatten in der zurückliegenden Woche nochmal ein Gespräch, in dem er auch die Dinge aus seiner Sicht geschildert hat“, sagt der Trainer-Veteran. Seiner Ansicht nach sei Letschert wieder auf der geistigen Höhe, die es bedarf, um das große Ziel Aufstieg zu erreichen.

„Wir haben unser schlechtestes Spiel nach der Corona-Pause gewonnen, das zeigt, es geht jetzt nicht mehr nur um die Tagesform, sondern darum, was man im Kopf hat. Und es geht jetzt auch nicht um die letzten fünf Spiele, sondern erstmal nur um Kiel", pocht Hecking auf mentale Frische und den Fokus auf dem jeweils nächsten Spiel. Ein stabiler Torhüter*, Kinsombi als Tormaschine, Letschert als Abwehr-Ass - an Spielern, die das Duell gegen Holstein Kiel entscheiden können, sollte es dem HSV folglich nicht mangeln.

Hamburger SV: Vereinslegende Horst Hrubesch warnt vor Holstein Kiel und sieht den HSV nicht als „Übermannschaft“

Auch, wenn Vereinslegende Horst Hrubesch eine andere Meinung hat. Das einstige „Kopfballungeheuer“ hat mit dem HSV unzählige Schlachten geschlagen und kann stolz auf 96 Tore in 159 Einsätzen für die Rothosen verweisen. Ähnlich wie Idol Uwe Seeler*, um den es zuletzt große Sorge gab*, hat der mittlerweile 69-Jährige eine Ära geprägt - und die Hamburger 1983 gar zum Gewinn des Europapokals der Landesmeister geführt. Einem Wettbewerb, der heute unter dem Namen „Champions League" firmiert.

Doch was bringt der Blick in die glorreiche Vergangenheit, wenn die Gegenwart nach Ansicht Hrubeschs nicht ansatzweise so positiv ausfällt? „Die zweite Liga ist kein Selbstgänger und der HSV ist nicht die Übermannschaft“, lautet seine ernüchternde Aussage gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk (NDR). Ihm zufolge beginnt „[d]er Fisch [...] am Kopf zu stinken. Es hat ja lange Zeit da oben auch nicht gepasst. Ich hoffe darauf, dass da jetzt langsam Ruhe einkehrt", kann sich Hrubesch einen Blick zurück und Kritik an der einstigen Führungsebene doch nicht verkneifen.

Zudem mahnt er vor Gegner Holstein Kiel. „Das wird eine richtig schöne harte Nuss gegen Kiel. Da musst du an die Grenze gehen“, sagt Hrubesch. „Nach dem Aufstieg haben sie in der zweiten Liga super klasse gespielt, haben dann einen riesigen Aderlass gehabt und alles neu gemacht. Und dann haben sie es danach und auch diese Saison wieder geschafft, es hinzubekommen. Außerdem können sie jetzt zum Saisonende ohne Druck spielen. Dann macht das Fußballspielen auch Spaß“, analysiert HSV-Legende Hrubesch die Kieler Gefahr. So könnte Holstein Kiel dem Hamburger SV den direkten Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga doch noch verhageln.

FC Sankt Pauli und Werder Bremen mit Abstiegs- statt Aufstiegs-Sorgen

Mit ganz anderen Herausforderungen haben zwei andere Fußballklubs aus dem Norden zu kämpfen: Nach der jüngsten 0:2-Auswärtsniederlage des FC Sankt Pauli gegen VfL Bochum kämpfen Hamburgs Kiez-Kicker in den nächsten Spielrunden gegen den Abstieg in die dritte Liga.

Als sehr wahrscheinlicher Absteiger* aus der ersten in die zweite Liga gilt hingegen der SV Werder Bremen – kürzlich ereilte die Grünen-Weißen von der Weser gegen den VfL Wolfsburg daheim eine 0:1-Schlappe.

Quelle: 24hamburg.de-HSV

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