Seit vier Spielen ohne einen Sieg

HSV: Hilflos in Heidenheim – Coach Thioune redet von Krise

  • Jan Knötzsch
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Seit vier Spielen ist der Hamburger SV jetzt ohne Sieg. Nach der erneuten Pleite in Serie nutzt Trainer Daniel Thioune erstmals den Begriff Krise.

  • Die Niederlage gegen Heidenheim ist die zweite Pleite des Hamburger SV nacheinander.
  • Die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune ist bereits seit vier Spielen sieglos.
  • Am kommenden Wochenende kommt es zum „Krisenduell“ mit dem Nordrivalen Hannover 96.

Hamburg — Die Laune bei Daniel Thioune war im Keller — aber wer wollte dies dem Trainer des Hamburger SVs nach der 2:3-Niederlage im Auswärtsspiel beim 1. FC Heidenheim auch verdenken!? Die Mannschaft aus dem Volksparkstadion hatte am Sonntag soeben die zweite Niederlage der laufenden Saison in Folge kassiert. Und als ob das allein nicht schon genug wäre: Die Pleite in der Voith-Arena passte auch noch in weiteren Punkten vortrefflich in die Kategorie „bitter“.

Fußballverein:Hamburger SV
Gründungsdatum:29. September 1887 (in Hamburg)
Cheftrainer:Daniel Thioune (seit 1. Juli 2020)
Vorsitzender:Marcell Jansen (seit 19. Januar 2019)
Vorstand:Frank Wettstein (Finanzen, Recht & Personal), Jonas Boldt (Sport)
Sportdirektor:Michael Mutzel (seit 1. April 2019)
Ligenzugehörigkeit:Zweite Bundesliga, DFB-Pokal

Hamburger SV: Trainer Daniel Thioune will mit seiner Mannschaft „Turnaround hinbekommen“

Weil der HSV wieder einmal eine Führung verspielte. Weil sich die Thioune-Truppe wieder einmal hilflos in Heidenheim präsentierte und ausgerechnet dort patzte, wo man schon in der vergangenen Spielzeit schon den Aufstieg mehr oder minder vergab. Weil sich die „Rothosen“ zum wiederholten Male einen späten, durch einen Fehler von Keeper Sven Ulreich eingeleiteten, Gegentreffer einfingen. Und, weil die Hamburger nach der neuerlichen Niederlage die Tabellenführung in der Zweiten Bundesliga an die SpVgg Greuther Fürth abgeben mussten.

Nicht zum Aushalten: HSV-Trainer Daniel Thioune musste sich in Heidenheim über einen späten Gegentreffer ärgern. (24hamburg.de-Montage)

„Es ist schwierig, dieses Spiel jetzt sachlich einzuordnen. Emotional fühlt es sich überhaupt nicht gut an, wenn man in der 90. Minute das Spiel verliert“, lautete die logische und erwartbare Analyse von Daniel Thioune auf der Pressekonferenz nach dem Schlusspfiff, das die Frage aufwirft: Befindet sich der HSV denn nun in einer Krise oder nicht? Vier Spiele, in denen der Top-Aufstiegskandidat der Zweiten Liga zuletzt nicht als Sieger den Platz verließ, sprechen zumindest eine deutliche Sprache.

HSV: Jetzt ist das „breite Kreuz“ von HSV-Trainer Daniel Thioune gefordert

Dennoch aber hatte Thioune noch am Freitag auf der Pressekonferenz im Vorfeld des Heidenheim-Spiels nach bis dahin drei sieglosen Spielen in Serie den Ball sprichwörtlich noch flach halten wollen. „Ich habe gemerkt, dass die Kritik lauter geworden ist. Das hat mir der Erwartungshaltung an uns zu tun. Wenn manche das jetzt mit einer Krise in Verbindung bringen, dann ist das für mich okay. Der Wind bläst eben etwas doller, aber auch das ist okay“, sagte der HSV-Trainer und bekannte: „Ich habe ein breites Kreuz und stelle mich in den Wind.“

Jener Wind wird nun nach der nächsten erfolglosen Begegnung fraglos zunehmen. Und Thioune? Der HSV-Trainer sieht‘s realistisch — und nimmt nun auch selbst erstmals das Wort Krise in den Mund. „Wenn man zwei Spiele hintereinander verliert und davor zwei Mal Unentschieden spielt, dann kann man von einer Krise sprechen. „

HSV: Torhüter Sven Ulreich unterläuft in Heidenheim der entscheidende Fehler

„Das ist ein Augenblick, in dem wir sicherlich auch zu Recht kritisiert werden. Das ist völlig normal. Wir haben unser Punktepolster aufgebraucht und sind nicht mehr auf Platz eins“, erklärte Thioune, der seinem Team nach dem Heidenheim-Spiel die altbekannten Floskeln mit auf den Weg gibt, die Trainer eben nutzen, wenn es gerade mal nicht läuft: „Wir müssen weiter arbeiten, fleißig sein und den Turnaround wieder hinbekommen, dann meistern wir auch diese Krise.“

Arbeiten, fleißig sein — und Fehler vermeiden. So wie den von Sven Ulreich, der in Heidenheim in der Schlussminute ein Zuspiel von Teamkollege Toni Leistner* bei der Annahme so verspringen ließ, dass Heidenheims Dreifach-Torschütze Christian Kühlwetter dazwischen gehen und den Siegtreffer erzielen konnte. „Wenn man als Torhüter einen Fehler macht. führt der grundsätzlich immer zum Gegentor. Das wissen wir. Damit ist man in letzter Linie sicherlich der Schuldige in dem Augenblick. Aber Sven hat uns auch schon das eine oder andere Mal geholfen und im Spiel gehalten. Damit muss er umgehen können“, sagte Thioune.

Hamburger SV: Duell mit Hannover 96 wird zum Treffen der Krisen-Clubs

„Es ist keine Vorgabe, in der 90. Minute einen Abstoß kurz auszuführen“, fand Thioune aber dennoch einen Ansatz zur Kritik an seinem Schlussmann. „Wir sind eines Besseren belehrt worden, diesen Ball lang zu schlagen“, fügte der 46-Jährige hinzu und begründete dies: „Gerade auch in einer Situation, in der man merkt, dass sie Mann gegen Mann verteidigen. Da macht es Sinn, das Ding rauszuschlagen und nicht fußballerisch zu eröffnen.“ Grundsätzlich aber „wollen wir fußballerisch eröffnen, aber in dem Moment muss man vielleicht eine andere Entscheidung treffen“, konstatierte Thioune nach dem Déjà-vu gegen Angstgegner Heidenheim.

So, wie der HSV nun mit seiner Erfolglos-Serie umgehen muss. Und damit, dass das Heimspiel gegen Hannover 96 am kommenden Samstag um 13.30 Uhr im Volksparkstadion* jetzt nicht nur ein Nord-Derby, sondern nun auch ein Krisenduell ist — und zwar für beide Teams. Schließlich steht „96“ mit gerade einmal zehn Punkten aus neun Spielen nur knapp über den Abstiegsplätzen. Eigentlich genau der richtige Gegner für die Thioune-Kicker, um mit einem Sieg für Balsam für die zuletzt geschundene HSV-Seele zu sorgen. Gleichwohl aber auch die nächste Gefahr, sich noch mehr als gegen Bochum und Heidenheim zu blamieren. * 24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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