VAR versaut Saison

Schiri verpfeift HSV-Aufstieg, VAR greift nicht ein – Hecking wütend: „Das ist unentschuldbar“

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Der HSV hätte einen Elfmeter kriegen müssen, der VAR rührt sich nicht. Der Aufstieg ist futsch, die Saison im Eimer – weil der Pfiff ausbleibt. Es ist die letzte Szene des Spiels Hamburger SV gegen VfL Osnabrück. Hecking und seine Jungs sind außer sich.  

  • Schiedsrichter und VAR verweigern Hamburger SV* „klaren Elfmeter“ in der Nachspielzeit.
  • Coach Dieter Hecking* und Innenverteidiger Timo Letschert rasten auf dem Platz aus.
  • Verlorene Punkte könnten den Aufstieg in die erste Fußballbundesliga kosten.

Hamburg – Der Hamburger SV spielt eine Saison zum Vergessen. Kann aber trotzdem noch aufsteigen. Doch in der letzten Minute der Nachspielzeit des 32. Spieltages beim Spiel gegen den VfL Osnabrück in Hamburg wird dem HSV ein Elfmeter verweigert. Eine Fehlentscheidung, die ein ganzes Jahr Arbeit zunichtemachen könnte. Der Aufstieg in die erste Fußballbundesliga könnte futsch sein, weil Schiedsrichter Martin Thomsen nicht pfeift. Auch Günter Perl, der Video Assistant Referee (VAR), greift nicht ein.  

FußballvereinHamburger SV
TrainerDieter Hecking
VorsitzenderMarcell Jansen
VorstandJonas Boldt (Sport), Frank Wettstein (Finanzen, Recht & Personal)
Gründung29. September 1887, Hamburg
Kapazität57.000

 Hamburger SV: Kein Elfmeter gegen Osnabrück – VAR schweigt, Timo Letschert rastet aus, Hecking sauer, Aufstieg futsch

Es läuft die letzte Minute der Nachspielzeit. Der Hamburger SV hat zu Hause gegen den VfL Osnabrück kein gutes Spiel gemacht. Das gibt selbst Coach Dieter Hecking zu: „Ich glaube, dass wir heute den Sieg nicht verdient gehabt hätten. Weil wir sehr langatmig gespielt haben.“ Die Statistik untermauert das. Aus 74 Prozent Ballbesitz kreiert seine Mannschaft gerade einmal sieben Torschüsse. Der VfL Osnabrück? Der feuert achtmal auf den Kasten von HSV-Keeper Julian Pollersbeck.

Doch als das Spiel schon entschieden schien, drehte der HSV noch einmal auf. Das Team von Dieter Hecking will das zweite Tor erzwingen. Das merkte auch Thioune Daniel, Trainer des VfL Osnabrück. Mit gleich drei Wechseln in den letzten Minuten will er den Spielfluss unterbrechen und Zeit von der Uhr nehmen. Vier Minuten Nachspielzeit gibt es.

Hamburger SV gegen VfL Osnabrück: Nur 1:1 - Elfmeter verweigert, HSV-Aufstieg futsch, Dieter Hecking und Timo Letschert flippen aus

Die letzte Szene des Spiels läuft. Kapitän Aaron Hunt tritt eine Ecke von der rechten Seite. Der Ball fliegt hoch auf den langen Pfosten. Rein ins Herz der Abwehr – in den Fünfmeterraum. In der Mitte läuft Timo Letschert von der Strafraumkante aus ein. Doch Benjamin Girth vom VfL Osnabrück, gerade erst eingewechselt, ringt den Innenverteidiger des HSV handfest nieder. Umklammert ihn mit beiden Armen und wirft sein Gewicht auf den Hamburger. Der fällt.

Was dann passiert, kann keiner glauben: nichts. Der Pfiff bleibt aus, nicht einmal der Günter Perl, der VAR meldet sich. Das Spiel ist vorbei. Timo Letschert ist außer sich und brüllt seine Beschwerde gen Schiedsrichter. Dafür sieht der Niederländer sogar gelb. Timo Letschert lässt sich kaum noch beruhigen. Mannschaftskollege Samperio Jairo muss ihn mit deutlichen Worten vom Feld schicken, um die Situation zu entspannen.

Hamburg SV: Aufstieg futsch, Saison im Eimer - Elfmeter in Nachspielzeit verweigert, VAR schweigt

Auch Dieter Hecking flippt aus, bedrängt den Schiedsrichter, verweigert sogar den Handshake mit einem gegnerischen Spieler. So viele Emotionen kommen nicht bei allen Fans gut an. Die interpretieren es nicht als Galligkeit im Aufstiegsrennen: „Jetzt verlieren sie alle Nerven. Die Truppe und der Trainer sind durch“, schreibt etwa ein User im Rauten-Forum.

Joel Pohjanpalo vom Hamburger SV verzweifelt an der Defensive des VfL Osnabrück. Das Spiel endet 1:1 - dem HSV wird ein Elfmeter verweigert.

Dieter Hecking findet für die Elfmeter-Szene hinterher klare Worte: „Ich muss den VAR heute natürlich hart kritisieren, das ist ein ganz klarer Elfmeter. Ich weiß nicht, warum Günter Perl von außen nicht eingegriffen hat. Das ist für mich unentschuldbar.“ Trotz der gelben Karte nimmt der Trainer auch seinen Innenverteidiger in Schutz: „Man kann auch verstehen, dass sich Timo Letschert aufregt. In der Szene gibt es für mich keine zwei Meinungen.“

Nicht einmal Thioune Daniel, sein Trainerkollege vom VfL Osnabrück, konnte ihm inhaltlich widersprechen. Hat aber eine distanzierte Sicht auf die Dinge: „Mir steht es nicht zu, das zu bewerten. Wenn es ein Elfmeter war, bin ich froh, dass er nicht gepfiffen wurde.“

Hamburger SV gegen Osnabrück: Elfmeter nicht gepfiffen – Dieter Hecking und Timo Letschert rasten aus

Dieser nicht gegebene Elfmeter von Schiedsrichter Martin Thomsen und dem VAR könnte den Aufstieg gekostet haben, rechnet Dieter Hecking vor: „Auch wenn wir es heute von der Leistung her nicht verdient hätten, du hättest einen Elfmeter bekommen, gewinnst das Spiel, bist vier Punkte vor Heidenheim. Das ist eine ganz andere Ausgangssituation.“ Ganz egal, wie jüngst in einem Interview behauptet, ist ihm die Konkurrenz eben doch nicht .

Der 1. FC Heidenheim ist der nächste Gegner des Hamburger SV. Am Sonntag, 21. Juni, treten die Hanseaten um 15:30 Uhr beim direkten Aufstiegskonkurrenten an und haben aktuell nur zwei Punkte Vorsprung. Der VfB Stuttgart könnte da schon längst am HSV vorbeigezogen sein und ihn auf Relegationsrang drei verdrängt haben. Dieter Hecking fasst die Rechenarbeit zusammen: „Wenn wir gewinnen, kann uns Heidenheim nicht mehr einholen. Dann hast du Platz drei sicher. Es wird bis zum letzten Spieltag spannend bleiben.“ Auch, weil der HSV eben auch schon beim Unentschieden gegen Holstein Kiel patzte.

Hamburger SV: Punktverlust gegen Osnabrück – Schiedsrichter verpfeift das Aufstiegsrennen in die erste Fußballbundesliga

Aber warum ist der Hamburger SV überhaupt auf diesen Elfmeterpfiff und den VAR angewiesen? In einem Heimspiel? Gegen einen Abstiegskandidaten? Dieter Hecking: „Meine Mannschaft hat heute nicht gut gespielt. Weil Osnabrück es gut gemacht hat.“ Und: „Wir sind keine Mannschaft, die über Robustheit kommt. Wir müssen spielerische Lösungen finden.“ Und eben die fehlten gegen einen abwartenden, kompakten VfL Osnabrück.

Entsprechend lässt nicht nur der VAR die Fanseele kochen. „Meckern und von der eigenen grauenhaften Leistung ablenken! Super“, schreibt ein User im Rauten-Forum. „Hätten unsere Spieler nur halb so viele Emotionen gezeigt wie Hecking nach dem Spiel beim Schiedsrichter, dann wäre das Spiel anders ausgegangen“, ein anderer. Doch auch hier sieht es manch einer wie Dieter Hecking: „Egal, wie schlecht wir waren. Ob verdient oder unverdient, wir hätten einen Elfer bekommen müssen am Ende. Und das wird nicht mal durch den Videoschiedsrichter angeschaut, unfassbar.“

Quelle: 24hamburg.de/HSV

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