Triumph oder Trauerspiel?

Heidenangst vor Heidenheim? Chillen statt Schwitzen vor dem HSV-Hammer-Endspiel soll „Köpfe frei blasen“

  • Yannick Hanke
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Am Sonntag, 21. Juni geht es für das Team von Coach Dieter Hecking nach Heidenheim. Um 15:30 Uhr steigt das Aufstiegs-Endspiel für den Hamburger SV. In der Vorbereitung gibt es trainingsfrei für die Hamburger.

Hamburg - Der Hamburger SV steht mit dem Rücken zur Wand. Am Sonntag, 21. Juni geht es für die Mannen von Coach Dieter Hecking zum 1. FC Heidenheim, dem ärgsten Verfolger der Rothosen um den Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga. Sollte der HSV das Spiel gegen das Team von der Brenz in den Sand setzen, findet sich der einstige Bundesliga-Dino nur noch auf Platz vier der Tabelle in Liga 2 wieder. Der Trainer der Hamburger* überrascht mit seiner speziellen Form der Vorbereitung: trainingsfrei für Kapitän Aaron Hunt* und Co.

Fußballverein:Hamburger SV
Trainer:Dieter Hecking
Vorsitzender:Marcell Jansen
Gründung:29. September 1887, Hamburg
Vorstand:Jonas Boldt (Sport); Frank Wettstein (Finanzen, Recht & Personal)
Kapazität:57.000

Hamburger SV: Aufstiegs-Endspiel in Heidenheim - Coach Dieter Hecking stellt die Weichen

Für den Hamburger SV könnte es am Sonntag, 21. Juni um circa 17:20 Uhr heißen: ein Jahr Ackern für nichts. Verlieren die Rothosen das Top-Spiel gegen den 1. FC Heidenheim, rutscht das Team von Coach Dieter Hecking auf den vierten Tabellenplatz der 2. Fußball-Bundesliga ab. Keine Relegation, schon gar kein direkter Aufstieg in die Beletage des Deutschen Profi-Fußballs. Theoretische Konstrukte, die traurige Realität werden könnten, wenn der HSV nicht schleunigst seine Einstellung ändert.

Zum wiederholten Male verspielten die Rothosen gegen den VfL Osnabrück eine Führung* und mussten sich mit einem Remis begnügen. Schon beim spektakulären 3:3 gegen Holstein Kiel war den Hamburgern selbiges passiert, nicht zuletzt durch Wechselfehler von Coach Hecking*. Nun gilt der Fokus aber Heidenheim, das im Gegensatz zum HSV für Kontinuität steht. Trainer Frank Schmidt ist bereits seit 2007 im Amt und stieg mit seinem Team dreimal auf. Und „Mr Heidenheim", Marc Schnatterer, schnürt seit 2008 seine Schuhe für die Mannschaft aus der beschaulichen 50.000 Einwohner-Stadt.

Nicht mit anzusehen: HSV-Spieler Sonny Kittel (links) vergräbt die Hände vor dem Gesicht, da das Heimspiel gegen Heidenheim mit 0:1 verloren wurde. Wiederholt sich am Sonntag, 21. Juni Geschichte?

Egal, ob auf die vergangenen zwölf oder 13 Jahre zurückgeblickt wird: Der HSV kann von solch einer Beständigkeit nur träumen. In diesem langen Zeitraum gaben satte 19 respektive 20 Trainer ihr Stelldichein an der Elbe (Interimslösungen und Hecking mit eingerechnet). Um in der Sommerpause nicht Nummer 21 seit 2007 vorstellen zu müssen, gilt es, drei Punkte in Heidenheim einzufahren und damit zumindest den Relegationsplatz zu wahren.

Um dies zu bewerkstelligen, kommt es nicht nur auf die körperliche Fitness, sondern auch auf die mentale Stärke der Hamburger an. Inklusiver kleiner, psychischer Spielchen von Dieter Hecking, der ein Stück weit die Last von seiner Mannschaft nehmen will. „[W]ir sind zwei Punkte vor Heidenheim. Eigentlich haben sie deutlich mehr Druck, man darf das nicht verkehren“, ordnet der Trainer-Veteran die Gegebenheiten ein. Auch auf seine reichen Erfahrungen aus rund 20 Jahren im knallharten Fußballgeschäft wird es ankommen.

Hamburger SV versus Heidenheim: Unbeständigkeit trifft auf Kontinuität - Dorsch als Matchwinner?

„Das ist genau das, was man am Ende einer Saison haben will: Spannung pur, dass es um alles geht, dass wir sehr viel erreichen können und auch wollen“, zeigt sich der 55-Jährige freudig gelaunt auf das vermeintliche Endspiel um den Aufstieg. Er rät seinen Spielern, die heiße Phase der Saison 2019/2020 zu genießen und sich auch nicht wegen eventueller Furcht zu grämen. „Das sind Tage, die erlebst du als Sportler nicht so oft. Man darf auch Angst haben, das ist nichts Schlimmes. Angst kann ja auch positive Auswirkungen haben".

Als positiv ist auf jeden Fall die Ausgangslage für die Heidenheimer zu bezeichnen. Das Team aus Baden-Württemberg bestreitet seine erst sechste Spielzeit in der 2. Fußball-Bundesliga und hat sich in dieser Zeit kontinuierlich im Unterhaus etabliert. Die bisher beste Endplatzierung erreichte die Mannschaft von Coach Frank Schmidt in der vergangenen Saison, als Tabellenplatz fünf erreicht wurde. Dieser sollte relativ sicher getoppt werden, bei sechs Punkten Vorsprung und der deutlich besseren Tordifferenz gegenüber „Verfolger“ SV Darmstadt.

Zu verlieren haben die Heidenheimer nichts, zu gewinnen hingegen viel. Wird der HSV am Sonntag bezwungen, ist es aus eigener Kraft möglich, den Relegationsplatz und damit zwei Spiele um den Aufstieg in Liga eins zu sichern. Dies würde einer mittelgroßen Sensation gleichkommen. Zwar gelten Schmidt, Schnatterer und Co schon längst nicht mehr als Überraschungs-Team, doch wäre Platz drei (oder besser) unter Berücksichtigung der eigentlich erstklassigen Konkurrenz (Hamburger SV, VfB Stuttgart) mehr als beachtlich.

Vielleicht ist es der Youngster von der Brenz, Niklas Dorsch, der die entscheidende Vorlage für den Sieg am Sonntag gibt. Pikanterweise soll der 22-Jährige im Visier des HSVs* sein und im Sommer einen Vertrag in Hamburg unterzeichnen. Der U-21-Nationalspieler könnte den Rothosen also zunächst die Rückkehr in die 1. Bundesliga vermiesen und daraufhin in der Hansestadt anheuern - und damit nach wie vor „nur" in Liga zwei auflaufen.

Spannung im Norden: Entscheidendes Fußball-Wochende für den HSV, Sankt Pauli und Werder Bremen

Hätte, wenn und aber. Da das Leben bekanntlich kein Konjunktiv ist, gilt es abzuwarten, welchen Lauf die Partie am Sonntag nimmt. Gewiss ist bereits, dass Hecking eine spezielle Form der Spielvorbereitung betreibt. Der HSV-Trainer gab seinem Team einen Tag trainingsfrei, um laut Eigenaussage „die Köpfe frei zu blasen“. Eine Revanche haben die Rothosen eh noch offen. Das Hinspiel im heimischen Volksparkstadion ging mit 0:1 verloren. Mittlerweile muss bilanziert, dass auch im Rückspiel nichts für die Hamburger zu holen war. Die späte 1:2-Niederlage wird im Netz hämisch kommentiert*.

Heißt es auch für den Nordrivalen von der Weser, dem SV Werder Bremen*. Die Grün-Weißen befinden sich in größter Abstiegsnot und könnten bereits am Samstag, 20. Juni absteigen. Verliert der Double-Sieger von 2004 in Mainz* und gewinnt zeitgleich Düsseldorf sein Heimspiel gegen Augsburg, endet eine Ära. Denn seit dem Wiederaufstieg 1981 sind die Werderaner ununterbrochen im Fußball-Oberhaus vertreten.

Dort hat der FC Sankt Pauli* zuletzt in der Saison 2010/2011 gespielt. Aktuell muss der Kiezverein noch um den Verbleib in der 2. Liga zittern, auch wenn ein direkter Abstieg rechnerisch nicht mehr möglich ist. Drei Punkte gegen Jahn Regensburg am Sonntag und der Klassenerhalt ist gewiss. Unabhängig davon, wie die Konkurrenz spielt. An der Seitenlinie wird weiterhin Jos Luhukay stehen, der nach der 0:4-Klatsche in Hannover* bereits vor dem Aus stand. Es steht ein Fußball-Wochenende an, dass reichlich Spannung für die Nordclubs bereithält. // Quelle: 24hamburg.de-HSV

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