Weitere Investoren möglich?

HSV zum Aufstieg verdammt? Wie die Hamburger die Corona-Krise finanziell meistern wollen

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Hat der HSV ein finanzielles Problem und ist gar zum Aufstieg verdammt? Und wie kann in Zeiten vom Coronavirus halbwegs seriös geplant werden? Fragen über Fragen, die Finanzvorstand Frank Wettstein zu beantworten versucht.

Hamburg - Als HSV-Fan ist es in den vergangenen zehn Jahren nie leicht gewesen, der Wechsel stellte zumeist die einzige Konstante dar. 2010 um Haaresbreite das Finale der Europa League im eigenen Stadion verpasst, sehen sich die Mannen von Coach Dieter Hecking* aktuell mit der Realität 2. Fußball-Bundesliga konfrontiert. Die Hamburger belegen den Relegationsplatz und haben zumindest noch aussichtsreiche Chancen auf den zweiten Platz. Dafür muss der HSV konsequent und gut weiterspielen.* Jedoch stellt sich auch die Frage, ob die Rothosen im Falle eines Scheiterns überhaupt finanziell bestehen können. Finanzvorstand Frank Wettstein wei�� Auskunft zu geben.

Fußballverein:Hamburger SV
Trainer:Dieter Hecking
Kapazität:57.000
Vorsitzender:Marcell Jansen
Gründung:29. September 1887, Hamburg
Kundenservice:040 41551887

Hamburger SV: Finanzielle Rechenspiele in Zeiten der Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise

Der 46-jährige Wettstein ist erfahren genug um zu wissen, worauf es in der Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise ankommt. Beim HSV, versteht sich. Der gebürtige Nordrhein-Westfale ist Wirtschaftsprüfer und seit 2014 Finanzvorstand der HSV Fußball AG. Gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) äußert er sich nun zur wirtschaftlichen Komponente beim ehemaligen Bundesliga-Dino.

„Natürlich werden wir im x-ten Zweitligajahr nicht mehr den teuersten Kader haben können. Aber wir werden mit Sicherheit immer noch einen guten Kader präsentieren können, der um die oberen Plätze mitspielen kann - und das wahrscheinlich auch noch im fünften, achten oder zwölften Zweitligajahr“, spricht Wettstein über etwaige Planungen, die mit Zukunftsmusik gleichzusetzen sind.

„In der Hinserie haben wir unsere Verbindlichkeiten um fast 20 Millionen reduziert. Wir haben in den sechs Monaten ein positives Jahresergebnis von sechs Millionen Euro erzielt [gemeint sind die Monate Juli bis Dezember 2019; Anmerkung des Verfassers]“, erzählt der Finanzvorstand des HSVs. Zu berücksichtigen gilt es jedoch, dass dies der Stand vor der Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise ist.

Hamburger SV: NDR prognostiziert 10 Millionen Euro fehlende Einnahmen durch das Coronavirus-Sars-Cov-2

Laut NDR fehlen pro Geisterspiel Einnahmen von zwei Millionen Euro, was ein finanzielles Loch von 10 Millionen Euro bis Saisonende ergeben würde. Und wie kann dieser Verlust ansatzweise kompensiert werden? Ex-Vorstand Christian Reichert hat auf jeden Fall eine klare Meinung zu der grundsätzlichen Erwägung, mehr Anteile der HSV Fußball AG zu verkaufen.

„Wenn man den Mitgliedern ein Horrorszenario aufmalt und sagt, wir können nur überleben, wenn wir so und soviel Prozent des Vereins verkaufen, dann würde man schnell eine Mehrheit dafür kriegen. Da bin ich mir ganz sicher“, sagt der einstige Fan-Beauftragte der Hamburger. Auch Wettstein weiß sich zu diesem heiklen Thema zu äußern. „Als Vorsitzender einer Aktiengesellschaft wünschen sie sich immer, Eigenkapital zu schaffen. Aber wir als Vorstand werden mit Sicherheit nicht den Antrag stellen und sagen, dass die Grenze fallen muss“, erklärt der Wirtschaftsprüfer.

Hamburger SV: Ermöglicht die Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise den Umstoß von 50+1?

Mit Grenze spielt der 46-Jährige darauf an, dass qua Satzung der Verkauf von mehr als 24,9 Prozent der HSV-Anteile an Investoren die Zustimmung der Vereinsmitglieder benötigt. Dies gilt gemeinhin als Tabuthema, jedoch könne in der Not anders gedacht werden. Denn der Einstieg von noch mehr Investoren im deutschen Profi-Fußball hat aufgrund der Coronavirus-Sars-Cov-2-Krise wieder an Aktualität und Relevanz dazu gewonnen. In diesem Fall wird neu über die sogenannte „50+1-Regel“ diskutiert.

Nur der HSV: Finanzvorstand Frank Wettstein muss sich in Zeiten des Coronavirus-Sars-Cov-2 immer wieder den Fragen von neugierigen Journalisten stellen.

Eine Vorschrift in den Statuten der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die besagt, dass es Kapitalanlegern nicht möglich ist, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen, in die Fußballvereine ihre Profimannschaften ausgegliedert haben. „Wir haben so viele Ausnahmegenehmigungen und Gestaltungen, da muss man sich fragen, wie weit gilt die 50+1-Grenze überhaupt noch“, stellt Wettstein eine berechtigte Frage in den Raum. Damit verweist er indirekt auf prominente Beispiele im deutschen Profi-Fußball. Ob Bayer Leverkusen, RB Leipzig oder der VfL Wolfsburg - sie alle haben Mittel und Wege gefunden, um die vermeintliche 50+1-Hürde zu konterkarieren.

„Es ist eine Strategie mit Menschen zu sprechen, die emotional mit dem Verein verbunden sind. Dazu gehört Herr Kühne, dazu gehören auch unsere anderen Gesellschafter“, nennt Wettstein explizit den Namen von Unternehmer Klaus-Michael Kühne, der den HSV seit 2010 finanziell unterstützt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und dessen Einstieg mit dem zeitgleichen Abwärtstrend des HSVs verbindet.

Hamburger SV: Zwischen Vergangenheit und Zukunft - Hoffen auf Goldene Generation, Bangen um Idol Uwe Seeler

„In Vorbereitung des zu erwartenden Abstiegs 2018 haben wir Maßnahmen getroffen, die ausschließen sollen, dass der HSV in absehbarer Zeit zum Aufstieg verdammt ist“, gibt Wettstein Entwarnung. Jedoch sei für das Image des Vereins jedes weitere Jahr in der 2. Bundesliga „ein Desaster“, gibt Reichert zu Bedenken. Dementsprechend ist es an den Profis, die öffentliche Wahrnehmung vom HSV zu verbessern und schnellstmöglich den Aufstieg in Liga eins zu packen.

Nicht zwingend aus finanzieller Sicht, aber um den einst ruhmreichen Klub zu neuem Glanz zu verhelfen. Hierfür könnte es vor allem auf eine vermeintlich goldene Generation des HSVs* ankommen, die sich aus Rick van Drongelen*, Bakery Jatta* und Josha Vagnoman zusammensetzt. Zwar sollten die Hamburger nicht zu hoch greifen, wie es in der jüngeren Vergangenheit oft der Fall war. Doch die Hoffnung auf eine neue Identifikationsfigur der Marke Uwe Seeler* stirbt zuletzt.

Dieser war unlängst in seinem Haus in Norderstedt gestürzt, die Sorge der treuen HSV-Anhänger dementsprechend mehr als groß. Mittlerweile gab es jedoch Entwarnung und das Vereins-Idol hat sich einer Not-Operation unterzogen, infolgedessen ihm eine neue Hüfte eingesetzt wurde*. Einen Knipser wie Uwe Seeler, der über 400 Tore für den Hamburger SV erzielte, könnten die Rothosen aktuell dringender denn je benötigen. Sehen die Fans des Teams rund um Kapitän Aaron Hunt* ähnlich, die mehr vom HSV erwarten und fehlende Führung bemängeln*.

Quelle: 24hamburg.de-HSV

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