Ungewisse Zukunft

Hamburger SV am Ende: HSV wird zur grauen Maus im Fußball-Unterhaus

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Der Hamburger SV ist krachend gescheitert und hat den Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga verpasst. Droht der ehemalige Bundesliga-Dino nun zum Zweitliga-Fossil zu werden?

Hamburg - Der Hamburger SV hat auf ganzer Linie enttäuscht. Die Mannen von Trainer Dieter Hecking sind in die Saison 2019/2020 mit dem klar formulierten Auftrag gegangen, in die 1. Fußball-Bundesliga aufzusteigen. Aber durch die desolate 1:5-Niederlage gegen Sandhausen* haben sich die Hamburger* die letzte Chance auf Relegationsplatz drei verbaut. Ein Ergebnis, das Dieter Hecking den Job gekostet hat*. Nun steht mindestens eine weitere Saison im Unterhaus an. Genug Beispiele der (jüngeren) Vergangenheit sollten den Rothosen deutlich aufzeigen, dass der Blick auch schnell nach unten gerichtet werden muss. Eine Situation, von der Werder Bremen aktuell lernen kann.

Fußballverein:Hamburger SV
Trainer:Dieter Hecking
Vorsitzender:Marcell Jansen
Gründung:29. September 1887, Hamburg
Vorstand:Jonas Boldt (Sport); Frank Wettstein (Finanzen, Recht & Personal)
Farben:Blau-Weiß-Schwarz

Hamburger SV: Fußball-Zweitligist verpasst Bundesliga-Aufstieg - Droht dem HSV das Bochum-Schicksal?

Höhnische Spötter könnten anmerken, dass der Hamburger SV konstant geblieben ist. Platz vier in der Endabrechnung der Zweitliga-Saison 2018/2019, Platz vier in der Tabelle der am Sonntag, 28. Juni 2020 zu Ende gegangenen, regulären Spielzeit im Fußball-Unterhaus. Kaufen kann sich davon wahrlich niemand etwas. Der Stachel sitzt tief beim einst so glorreichen Traditionsverein von der Elbe*. Doch sind die Zeiten von Uwe Seeler*, Horst Hrubesch und Chef-Kritiker Felix Magath* längst vorbei. Die Gegenwart heißt nur noch 2. Liga, der Aufstieg soll und muss im dritten Anlauf gepackt werden.

Ein Unterfangen, das alles andere als leicht wird. Schon so manch ein Verein, der sich vom Selbstverständnis als vollwertiges Mitglied im elitären Kreis der 18 Erstligisten betrachtet hat, musste ein böses Erwachen erleben. Ein Beispiel hierfür ist der VfL Bochum, der aktuelle „Dino“ in Liga zwei. Seit nunmehr 10 Jahren dümpelt der Ruhrpott-Klub im Fußball-Unterhaus herum. Nach dem Erstliga-Abstieg 2010 konnten sich die ehemals „Unabsteigbaren“ in der Folgesaison zwar noch einmal aufraffen und zumindest die beiden Relegationsspiele um den Aufstieg ins Oberhaus bestreiten (Borussia Mönchengladbach setzte sich durch). Doch herrschte danach Tristesse an der Castroper Straße.

In den folgenden neun Jahren wurden oftmals nur zweistellige Tabellenplätze erreicht. Mitunter in die jeweilige Spielzeit gestartet, um bis zum Schluss um die oberen Ränge mitzuspielen, hieß die Realität oft Abstiegskampf in der 2. Fußball-Bundesliga. Platz fünf in der Saison 2015/2016 stellt den besten Rang im ausgewählten Zeitraum dar. Die Gründe für die tabellarischen Achterbahnfahrten sind mannigfaltig, gewiss aber auf einen offensichtlichen Umstand zurückzuführen: immer wieder mussten die vermeintlich besten bzw. gewinnbringendsten Spieler an Klubs verkauft werden, die höherklassiger als die Bochumer spielten oder zumindest mehr Finanzkraft in der Hinterhand wussten.

Nationalspieler Leon Goretzka, der über den Umweg Schalke 04 zu Rekordmeister Bayern München* fand, ist der wohl prominenteste Name, der für den VfL Bochum nicht zu halten war. Ähnliches könnte dem HSV drohen, der auf Twitter noch und nöcher verspottet* wird. Die Rothosen werden einerseits Adrian Fein* (nach München) und Finnen-Bomber Joel Pohjanpalo* (zurück nach Leverkusen) verlieren und müssen andererseits personelle Löcher stopfen, die nicht zuletzt aus Verletzungen in den eigenen Reihen resultieren. Dies betrifft vor allem Innenverteidiger Rick van Drongelen*, der sich bei der Schmach gegen Sandhausen das Kreuzband riss und mindestens ein halbes Jahr lang nicht zur Verfügung steht.

Hamburger SV: Tradition verpflichtet nicht - 1860 München und Kaiserslautern als mahnende Beispiele für den HSV

Ebenso könnte es für Sportvorstand Jonas Boldt darum gehen, einen Nachfolger für Tim Leibold, Top-Vorlagengeber der 2. Liga (16 Assists), zu finden. Zuletzt wurden die Hamburger mit vier Spielern in Verbindung gebracht*, darunter Hendrik Weydandt von einem weiteren Nordverein, Hannover 96. Nach der Leistungsverweigerung vom Sonntag, 28. Juni wird auch erneut die Debatte aufkommen, ob Trainer Dieter Hecking noch eine Zukunft in der Hansestadt hat. Mit Ex-Kiel-Trainer Tim Walter* stünde ein Nachfolger bereits parat, wie 24hamburg.de-HSV berichtet.

Doch wer auch immer zukünftig die Trainingseinheiten vom Hamburger SV leiten wird, sollte sich bewusst sein, dass er letztendlich nur verlieren kann. Vom Übungsleiter der Rothosen wird nach wie vor der Aufstieg in die Bundesliga verlangt. Dieser soll möglichst souverän erfolgen und im Optimalfall bereits frühzeitig feststehen. Selbst, wenn das Team rund um Kapitän Aaron Hunt* die Relegation noch erreicht und sich dort gegen Werder Bremen* durchgesetzt hätte - der Rotstift hätte dennoch gezückt werden müssen. Denn von Erstligatauglichkeit konnte in Bezug auf den HSV-Kader in der Saison 2019/2020 nur in den seltensten Fällen geredet werden.

Symbolisch: HSV-Kapitän Aaron Hunt liegt auf dem Boden und wälzt sich vor Schmerzen. Sein Team hat nicht nur die Partie gegen Sandhausen verloren, sondern auch den anvisierten Aufstieg in den Sand gesetzt.

Die eklatant große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist jedoch nicht nur ein Problem der Hamburger. Neben dem VfL Bochum gibt es noch viel drastischere Beispiele, die den Rothosen Warnung genug sein sollten. Die Rede ist vom TSV 1860 München und dem 1. FC Kaiserslautern, Gründungsmitglieder der Bundesliga. Während die „Roten Teufel“ zuletzt 2012 im Fußball-Oberhaus vertreten waren, stiegen die Bajuwaren bereits 2004 in die Zweitklassigkeit ab. Beide Vereine eint, dass sie mittlerweile nur noch in Liga drei auflaufen.

Dort sehen sich die einstigen Meister mit finanziellen Problemen konfrontiert, die das Gleichgewicht aufs Vereinsebene immer wieder zum Schwanken bringen. Geringere Zuschauereinnahmen, weniger Erlöse aus den TV-Geldern, ein Kostenapparat, der sich nicht zwingend mit den kalkulierten Einnahmen deckt - nicht selten ist die wirtschaftliche Situation bei ehemaligen Bundesliga-Größen der Marke 1860 München und Kaiserslautern äußerst angespannt. Und wie passt das nun zur Lage beim Hamburger SV? Zugegeben, mit der Drittklassigkeit mussten sich die Hanseaten zuletzt nicht beschäftigen. Parallelen zu den genannten Beispielen sind jedoch nicht von der Hand zu weisen.

Hamburger SV: Wettbewerbsfähigkeit trotz Coronavirus-Sars-CoV-2? HSV steht vor Umbruch

Während die Münchener immer wieder Differenzen mit Investor Hasan Ismaik plagen, gilt auch Unternehmer Klaus-Michael Kühne als Persona non grata. Der Hamburger hat seit Sommer 2010 etliche Millionen in den HSV investiert und ist den eingeschworenen Fans der Rothosen ein Dorn im Auge. Auch Ex-Präsident Jürgen Hunke findet keine besonders netten Worte* für den 83-Jährigen, berichtet 24hamburg.de-HSV. Kritisiert wird vor allem sein Mitspracherecht bei Transfers und anderen Entscheidungen, die von höchster Ebene beschlossen werden.

Zwar verweist Finanzvorstand Frank Wettstein auf die Wettbewerbsfähigkeit der Hamburger* auch für weitere Spielzeiten in Liga zwei, jedoch gilt es abzuwarten, in welche Höhe das Coronavirus-Sars-CoV-2* auch bei den Rothosen Einschnitte finanzieller Art erfordert. Der FC Schalke 04 ist in dieser Hinsicht bereits vorgeprescht und hat eine Gehaltsobergrenze für seine Profis bekanntgegeben*, die sich auf 2,5 Millionen Euro belaufen soll.

Es gibt definitiv viel zu tun für Boldt, Wettstein und HSV-Präsident Marcell Jansen*, der sich nach der 1:5-Pleite gegen Sandhausen in Erklärungsversuche respektive Ausreden flüchtete. „Es war eine besondere Situation mit Corona, wir haben uns in der Zeit nicht belohnt und uns viele Punkte wegnehmen lassen. Und da fehlten uns auch die Fans. Sie haben uns in der Vergangenheit immer wieder Ruhe und Stabilität gegeben“. Natürlich hat den Hamburgern der direkte Support ihre Anhänger gefehlt, jedoch galt dies auch für alle anderen Vereine in der 2. Liga.

Jetzt versucht sich der neue HSV-Trainer Daniel Thioune am Aufstieg in die erste Fußball-Bundesliga. Ein Meilenstein auf dem Weg dorthin: Das Trainingslager in der Saisonvorbereitung. Das hat jedoch mehr Fragen zur Aufstellung des Hamburger SV aufgeworfen* als beantwortet. * 24hamburg.de, deichstube.de, merkur.de und owl24.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa/picture alliance

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