Bundesliga-Finanzen außer Kontrolle

Hamburger SV verliert Millionen in der Coronavirus-Krise

  • Enno Eidens
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Die Klubs der Bundesliga leiden finanziell unter der Saisonunterbrechung. Am Samstag geht der Spielbetrieb weiter und dennoch wird der HSV millionenschwere Verluste machen.

Hamburg - Am Wochenende geht es endlich weiter. Der Hamburger SV spielt am Sonntag, 17. Mai 2020, um 13:30 Uhr gegen die SpVgg Greuther Fürth. Das ist eine gute Nachricht, doch nicht alles ist positiv. Wegen der Bundesliga-Unterbrechung kalkulieren die Hamburger mit millionenschweren Verlusten und planen trotzdem schon mehr Gehalt und Prämien für den Kader.

Der Hamburger SV leidet finanziell unter dem Coronavirus 

Die Bundesligaklubs könnten wegen des Coronavirus insgesamt 91 Millionen Euro Verlust machen. Siebzig Millionen davon beziehen sich nur auf Klubs der ersten Liga, berichtet das Hamburger Abendblatt. Auch der Hamburger SV zähle zu den Verlierern. Dort rechne man mit bis zu acht Millionen Euro Verlust, sollte man die Saison zu Ende spielen können. Sieben Millionen davon beziehen sich auf die Einnahmen, die wegen der fünf ausstehenden Heimspiele ausbleiben werden. 

Zu den ausbleibenden Anteilen aus diesem Geschäft kommen dann noch erstattete Tickets und der ausbleibende Verkauf von HSV-Merchandising. Insgesamt könnte der finanzielle Verlust am Ende der Saison sogar auf einen zweistelligen Millionenbetrag hinauslaufen, berichtete 24hamburg.de am Montag. Ein Betrag, den der nun freigestellte Bernd Hoffmann zu Beginn der Coronavirus-Krise geschätzt hatte.

Keine gute Nachricht für den HSV, der in den vergangenen Jahren nicht aus den roten Zahlen herausgekommen ist. In der Saison 2018/2019 erwirtschaftete die HSV Fußball AG einen Verlust von acht Millionen Euro. Der Umsatz betrug 126 Millionen Euro.  

Laut „fernsehgelder.de“ hat der Hamburger SV allein durch Fernsehgelder in der letzten Saison über zwanzig Millionen Euro eingenommen. Sollte der Hamburger SV wie erwartet auch in der aktuellen Spielzeit keinen Gewinn einfahren, wäre 2020 das zehnte verlustreiche Jahr in Folge für die Hamburger

Gehaltsverzicht des der HSV-Spieler rein symbolisch

Seit Sonntag ist bekannt, dass Spieler und Trainer des Hamburger SV auf einen Teil ihres Gehalts verzichten möchten. Laut Informationen der Bild verzichten die Profis auf rund zehn Prozent ihres Grundgehalts sowie auf ausstehende Prämienauszahlungen – Letzteres allerdings nur bei einem ausbleibenden Aufstieg in die erste Bundesliga.

Mit der so eingesparten Summe von gut einer Million Euro möchte man beim HSV das Kurzarbeitergeld im eigenen Haus aufstocken, Fan-Projekte fördern, die Coronavirus-Forschung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und den Frauenfußball unterstützen. Die HSV-Spieler verzichten im Vergleich zu anderen Bundesligateams auf einen kleinen Anteil ihres Gehalts. Die Spieler des FC Bayern München* verzichten auf 20 Prozent*, andere Teams auf bis zu 30 Prozent

Im HSV-Podcast des Hamburger Abendblatts bezeichnet Michael Hedtstück, Chefredakteur vom Wirtschafts-Magazin „Finance“ den Gehaltsverzicht als einen rein symbolischen Akt. Hedtstück erwähnt dazu die vielen Millionen deutschen Menschen, die aktuell in Kurzarbeit “deutlich mehr als zehn Prozent Gehaltseinbußen haben.” 

29. Februar: Hamburgs Gideon Jung bekommt gegen Aue die Rote Karte gezeigt.

Beim Hamburger SV sind laut eigenen Angaben über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die HSV Fußball AG stockt das Gehalt auf und nennt dies eine „sehr gute, soziale Lösung“. Aktuell müssen alle Mitarbeiter, bis auf die der untersten Gehaltsstufe, mit Lohneinbußen rechnen. 

Deutsche Bundesliga diskutiert Gehaltsverzicht – 2019 noch mit Rekordgewinn

Auch DFL-Chef Christian Seifert sprach am Samstag im „Aktuellen Sportstudio“ über die Einführung einer Gehaltsobergrenze. Wie der HSV-Blog Rautenperle berichtete, solle sich diese Grenze auf die „teils exorbitanten Spielergehälter“ und auf „Beraterhonorare und Ablösesummen beziehen.“ Diese Lösung hat allerdings nur in einer internationalen Umsetzung eine Chance, sagt unter anderem Horst Heldt, Manager vom FC Köln.

Christian Seifert berichtet von Gesprächen mit dem UEFA-Präsidenten Aleksander Čeferin zu diesem Thema. Ob es bei rein symbolischen Handlungen bleibt oder sich der deutsche Fußballmarkt international isoliert, ist offen. Aber die Diskussion in der Bundesliga hat begonnen, ausgelöst durch die Coronavirus-Krise. Christian Seifert sprach letztes Jahr im SWR noch von einer hohen finanziellen Stabilität des deutschen Profifußballs. Damals hatte die Fußball-Bundesliga einen neuen Umsatz-Rekord von über vier Milliarden Euro erzielt.

Fan-Szene des Hamburger SV kritisiert Bundesliga-Finanzen

Marcus Scholz von der Rautenperle äußerte sich in der vergangenen Woche kritisch in Hinblick auf die Zukunft der Bundesliga: „Der Fußball befindet sich in einer Sackgasse - nur aufgeben mag ich einfach nicht.“ In einem Blogbeitrag bespricht er, warum “der Fußball gar keine Wahl hat, als eine 180-Grad-Drehung hinzulegen.”

Scholz bespricht vor allem das finanzielle Ungleichgewicht in der Bundesliga: „Die Corona-Krise hat doch noch einmal per Brennglas verdeutlicht, dass eben nicht alle Klubs in der Lage sind, Rücklagen zu bilden.“ Damit meint er auch finanzielle angeschlagene Traditionsvereine wie den SV Werder Bremen oder den Hamburger SV und bemängelt fehlende wirtschaftliche Nachhaltigkeit

Auch das große finanzielle Risiko, das Vereine eingehen, um an die „großen Töpfe“ von DFL und DFB zu kommen kritisiert Marcus Scholz. Diese würde man für die großen Vereine vorbehalten. Für kleinere Klubs werde es immer schwieriger, finanziell und spielerisch aufzusteigen, weil DFB und DFL keinen Wert auf die unteren Ligen legen, so der HSV-Blogger. Scholz fordert eine globale Regelung durch Fifa und UEFA, die „Ablösesummen abriegeln“ und „Gehaltsobergrenzen einführen“ soll. Dies seien zentrale Punkte in den Ausgaben der Vereine.

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