Sportdirektor wehrt sich

HSV-Kritik nach Bochum-Pleite – Mutzel reagiert prompt mit Klartext-Ansage

  • Jan Knötzsch
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Nach der peinlichen Niederlage gegen Bochum steht der Hamburger SV in der Kritik. Sportdirektor Michael Mutzel hält dies für unangebracht und bezieht klar Stellung.

  • „Wir haben nie die totale Dominanz gefordert“, sagt der Sportdirektor des Hamburger SV.
  • Michael Mutzel gibt sich fürs nächste Zweitliga-Spiel gegen den 1. FC Heidenheim optimistisch.
  • Auch unter Ex-Coach Dieter Hecking hatte der HSV nach acht Spielen der Vorsaison nur eine Niederlage kassiert.

Hamburg — Dass es irgendwann passieren würde, war klar. Doch die Resonanz auf die 1:3-Niederlage des Hamburger SV gegen den VfL Bochum, die das erste verlorene Saisonspiel der Mannschaft von HSV-Trainer Daniel Thioune bedeutete, fiel deutlich aus. Und zwar im negativen Sinne: Nicht nur Thiounes taktische Änderung, diesmal mit einer Dreierkette aufzulaufen, und der Vierfach-Wechsel des Trainers nach dem zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich sorgte für Missmut, sondern auch der planlose Auftritt insgesamt.

FußballvereinHamburger SV
Gründungsdatum29. September 1987 (in Hamburg)
CheftrainerDaniel Thioune (seit 1. Juli 2020)
VorsitzenderMarcell Jansen (seit 19. Januar 2019)
VorstandFrank Wettstein (Finanzen, Recht & Personal), Jonas Boldt (Sport)
SportdirektorMichael Mutzel (seit 1. April 2019)
LigenzugehörigkeitZweite Bundesliga, DFB-Pokal

Das verlorene Spiel gegen Bochum, so der einhellige — vor allem mediale — Tenor, sei nach den vorherigen beiden Unentschieden im Stadtderby gegen den FC St. Pauli und gegen Holstein Kiel ein weiterer Rückschritt, der sich in den vergangenen Wochen so angedeutet habe. Trainer Daniel Thioune hatte die Peinlich-Pleite gegen die Bochumer im Nachgang der Partie auf seine Kappe genommen und erklärt: „Wir haben vieles nicht richtig gewählt – vielleicht auch die Taktik nicht.“ Einen Anlass, nach der ersten verlorenen Partie der aktuellen Saison in Panik zu verfallen sieht Thioune aber nicht. Ebenso wenig einen Grund, eine Kurskorrektur vornehmen zu müssen. Ins gleiche Horn stößt nun auch Michael Mutzel.

HSV-Sportdirektor Michael Mutzel empfindet die Kritik nach der ersten Saisonniederlage als unangebracht.

HSV-Sportdirektor Mutzel: Unruhiges Umfeld wird den „internen Kreis nicht belasten“

Der Sportdirektor des HSV, der seinen Job im Volksparkstadion Ende Mai 2019 antrat, bietet auf der Homepage des Zweitligisten den Kritikern die Stirn. „Die Tendenz ist aufgrund der Ergebnisse nicht gut, wir wissen das aber einzuschätzen und lassen uns nicht von unserem Weg abbringen“, gibt Mutzel zwar zu, sagt aber auch: „Der Plan war gut, die Umsetzung hat aber nicht geklappt.“ Aber dennoch: Einen Ansatz, nach gerade einmal acht Spielen alles in Frage zu stellen, kann der Sportdirektor nicht ausmachen, sondern stellt sich eindeutig vor Trainer und Mannschaft.

„Wir schweben nicht über allem und haben nie totale Dominanz gefordert“, stellt Mutzel klar und ordnet die Niederlage gegen die Ruhrpott-Kicker sachlich ein: „Wir haben die Siege zu Beginn nicht überbewertet und werden auch an die Niederlage jetzt nüchtern herangehen.“ Dann, so Mutzel, werde der Hamburger SV, der am kommenden Sonntag (29. November, Anstoß: 13.30 Uhr) beim 1. FC Heidenheim antreten muss, auch wieder in die Spur kommen. Zumal aus seiner Sicht das unruhige Umfeld „den internen Kreis nicht belasten“ werde: „Die Jungs wissen, was sie nicht gut gemacht haben. Es liegt an uns, die Spiele besser zu gestalten.“

Hamburger SV: Sportdirektor Mutzel will sich nicht mit der Vergangenheit befassen

Selbiges muss der HSV fraglos auch, schließlich ist das Team aus dem Volksparkstadion nach wie vor ein, wenn nicht sogar der Kandidat auf den Aufstieg aus der Zweiten in die Erste Bundesliga schlechthin. Es bedarf wenig prophetischer Kenntnisse, dass die Diskussionen um Trainer, Taktik und (schwankende) Leistung bei weiteren Niederlagen künftig eher zu- als abnehmen werden. Ein warnendes Beispiel hat man dabei rund ums Volksparkstadion schließlich irgendwie noch vor Augen.

Thioune-Vorgänger Dieter Hecking startete in der vergangenen Saison mit einer identischen Bilanz wie der jetzige HSV-Coach (nur eine Niederlage in acht Spielen), wobei die Tordifferenz seinerzeit (plus zwölf Treffer) einen Tick besser als ist als die aktuelle (plus acht). Von derartigen Vergleichen aber hält Michael Mutzel so rein gar nichts. „Wir befassen uns nicht mit der Vergangenheit. Wir haben ein neues Trainerteam und viele neue Spieler, die ihren Weg gegen. Wir müssen gucken, dass wir in unserer Spur bleiben, weil der Blick in den Rückspiegel überhaupt nichts bringt“, so der Sportdirektor des Zweitligisten. Kleiner Hoffnungsmacher aus HSV-Sicht: Nach der ersten Niederlage der Vorsaison — ausgerechnet die Pleite im Stadtderby gegen den FC St. Pauli — gab es anschließend einen deutlichen Sieg (4:0 gegen Erzgebirge Aue).

Rubriklistenbild: © David Ebener/dpa/picture alliance

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