Staatsanwaltschaft ermittelt

Bakery Jatta: Akteneinsicht für Anwalt – „Bakery Daffeh“ Vorwurf zu „Unrecht erhoben“

  • Christian Domke Seidel
    vonChristian Domke Seidel
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Der Anwalt von HSV Spieler Bakery Jatta, Thomas Bliwier, hatte Akteneinsicht. Er kommt zu dem Schluss, dass der Vorwurf, der Profi des Hamburger SV heiße „Bakary Daffeh“, "zu Unrecht erhoben" worden sei. Die Ermittlungen dauern an.

  • „Gemeinschaft Besorgter Bürger“ erstattete Strafanzeige gegen Bakery Jatta*, Dieter Hecking* und den DFB.
  • Staatsanwaltschaft Hamburg* ermittelt wegen Kontobewegungen weiter.
  • Anwalt des Spielers bekommt Akteneinseicht. „Bakary Daffeh“ Vorwurf „zu Unrecht erhoben".

Update vom Dienstag, 28. Juli 2020, 13:10 Uhr: Hamburg – Endlich hat Thomas Bliwier Akteneinsicht im Fall Bakery Jatta erhalten. Und der Anwalt des Fußballprofis vom Hamburger SV ist sich sicher: „Die Vorwürfe sind zu Unrecht erhoben worden.“ Sehr bald werde Bliwier sich deswegen an die Ermittler wenden. „Wir hatten Akteneinsicht und werden der Staatsanwaltschaft unsere Stellungnahme in den nächsten 14 Tagen zukommen lassen“, kündigte er gegenüber der „Mopo“ an.

FußballspielerBakery Jatta
Geboren6. Juni 1998 (Alter 22 Jahre), Gambia
Größe1,84 m
Gewicht79 kg
Beitrittsdatum2016 (Hamburger SV)
Aktuelle TeamsHamburger SV (#18/Mittelfeld)

HSV-Profi Bakery Jatta: Vorwürfe wegen Fall „Bakary Daffeh“ zu „Unrecht erhoben“ - Anwalt erhält Akteneinsicht

Bakery Jatta wird vorgeworfen, eigentlich „Bakary Daffeh“ zu heißen und älter zu sein. Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen aufgenommen, weil eine anonyme Gruppe namens „Gemeinschaft Besorgter Bürger“ Strafanzeige gegen den 22-Jährigen, seinen damaligen Trainer Dieter Hecking und den DFB gestellt hatte.

Bakery Jatta bedankt sich bei den Fans für die Unterstützung.

Als es im Juli 2020 zu einer Hausdurchsuchung bei Bakery Jatta kam, stellte die Polizei Hamburg unter anderem Handy und Laptop sicher. Nana Frombach, Oberstaatsanwältin und Leiterin der Pressestelle erklärte den Vorgang so: „Im Zuge der routinemäßigen Ermittlungen haben wir unter anderem die Kontobewegungen von Herrn Jatta überprüft und sind hier auf Kontakte gestoßen, die für uns nicht nachvollziehbar waren.“

Kontobewegungen von Bakery Jatta werden geprüft: HSV-Spieler hat Geld nach Gambia überwiesen

Rund hundert Überweisungen wurden von Jattas Konto getätigt. Vier davon, mit eher kleinen Beträgen, gingen an Fußballspieler aus Gambia. Dass die sich untereinander kennen würden sei normal, erklärte die Seite von Bakery Jatta. Dass Spieler, die es in Europa in eine Profi-Mannschaft schaffen Geld nach Hause überweisen würden, ebenfalls.

Bakery Jattas Konto im Visier: Anonyme Anzeige der „Gemeinschaft Besorgter Bürger“ als Auslöser

Update vom Donnerstag, 16. Juli 2020, 15:20 Uhr: Hamburg - Die Staatsanwaltschaft Hamburg überprüft aktuell das Konto von Bakery Jatta, wie die „Bild“-Zeitung (hinter Bezahlschranke) berichtet. So wird Nana Frombach, Oberstaatsanwältin und Leiterin der Pressestelle zitiert; „Im Zuge der routinemäßigen Ermittlungen haben wir unter anderem die Kontobewegungen von Herrn Jatta überprüft und sind hier auf Kontakte gestoßen, die für uns nicht nachvollziehbar waren.“

Bakery Jatta: Ermittlungen wegen Kontakte und Konto-Bewegungen - Anwalt: „Vorwürfe haltlos“

Dabei spielen auch die Freunde und Bekannte von Bakery für die Staatsanwaltschaft Hamburg eine Rolle. Der HSV-Spieler habe Kontakte, „die eine Identitätstäuschung durch den Beschuldigten jedenfalls möglich erscheinen lassen“, erklärt Nana Frombach gegenüber 24hamburg.de.

Bakery Jatta ist seit einem Jahr das Ziel der Polizei, der Staatsanwaltschaft und der Bild-Zeitung. Das Foto zeigt ihn kurz vor seiner Stellungnahme beim DFB im Sommer 2019.

Bei den Kontobewegungen soll es sich nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts (hinter Bezahlschranke) um kleinere Beträge gehandelt haben, die dazu dienen sollten, Menschen in Gambia zu helfen. Ein übliches Vorgehen bei Fußballspielern, die den Sprung von Afrika in den europäischen Profibereich geschafft hätten. Entsprechend eindeutig äußert sich auch Thomas Bliwier, der Anwalt von Bakery Jatta zu dem Vorfall: „Wir sind weiter überzeugt, dass die Vorwürfe haltlos sind. Im Übrigen sind uns weiterhin keine Zweifel daran bekannt, dass die Ausweisdokumente von Herrn Jatta authentisch und gültig sind.“

Ermittlungen gegen HSV-Spieler Bakery Jatta wegen Kontobewegungen: Brief „Gemeinschaft Besorgter Bürger" war Auslöser

Das Vorermittlungsverfahren begann bereits im Sommer 2019. Jedoch nicht, weil die „Bild“-Zeitung über den Fall berichtet habe, wie das Hamburger Abendblatt weiter schildert. Vielmehr sei ein Brief bei der Staatsanwaltschaft Hamburg eingegangen. Der anonyme Absender „Gemeinschaft Besorgter Bürger“ habe damals Strafanzeige gegen Bakery Jatta gestellt. Wegen des Verdachts auf Identitätsbetrug. Auch Dieter Hecking, der damalige HSV-Trainer, und der DFB hätten eine Anzeige erhalten.

Der Hamburger SV* will sich zu den weiterführenden Ermittlungen derweil nicht äußern und verweist auf ein älteres Statement: „Wir vertrauen weiterhin auf die behördlichen Entscheidungen, die die Identität unseres Spielers Bakery Jatta bestätigt haben. Wir werden unserem Spieler auch weiterhin zur Seite stehen.“ Die Frage, ob oder wie der Verein seinem Spieler unterstützt, lässt der HSV unbeantwortet.

Skandal: „Bild“-Reporter jagt HSV-Spieler Bakery Jatta – Polizei schaut nur zu

Erstmeldung vom Montag, 13. Juli 2020, 20:12 Uhr: Hamburg – Das Drama um Bakery Jatta, den Mittelfeldspieler des Hamburger SV, wird immer skurriler. Am Donnerstag, 2. Juli 2020, gab es eine Hausdurchsuchung beim 22-Jährigen*. Grund für die Aktion ist der Verdacht, dass sich der Spieler aus Gambia mit Falschangaben seinen Aufenthaltstitel erschwindelt haben könnte. Pikant: bei der Hausdurchsuchung ist ein Bild-Reporter pünktlich vor Ort. Weder die Polizei noch die Staatsanwaltschaft wollen ihn informiert haben.

„Bild“-Reporter jagt HSV-Spieler Bakery Jatta – Polizei Hamburg muss Fotograf bei Hausdurchsuchung gewähren lassen

Bakery Jatta kam im Sommer 2015 als Flüchtling nach Deutschland. Ein Jahr später erhielt er beim Hamburger SV einen Profivertrag. Seither hat er in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga, dem DFB-Pokal und der Regionalliga Nord 116 Pflichtspiele für die erste und zweite Mannschaft der Hanseaten bestritten.

Im Sommer 2019 veröffentlicht die „Bild“-Zeitung eine Geschichte, in der die Angaben zu seiner Identität angezweifelt werden. Bakery Jatta soll am 6. November 1995 geboren worden sein – nicht wie der Spieler selbst angab am 6. Juni 1998. Der entscheidende Punkt ist, dass der jetzige Mittelfeld-Wirbler bei seiner Einreise schon volljährig gewesen wäre, sollte der Vorwurf stimmen. Das hätte eine Aufenthaltsgenehmigung erschwert.

Bakery Jatta: Fans solidarisieren sich mit HSV-Spieler – „Bild“-Reporter genauso schnell wie Polizei Hamburg

Der Hamburger SV und die Fans stellten sich damals bedingungslos hinter den Spieler. Bakery Jatta legte einen beglaubigten Auszug aus dem Geburtenregister und einen Reisepass vor, dessen Echtheit von deutschen Behörden und dem gambischen Generalkonsulat bestätigt wurde. Zu einer Einstellung der Ermittlungen schien das jedoch nicht zu führen.

Denn am Donnerstag, 2. Juli 2020, kam es zu einer Hausdurchsuchung bei Bakery Jatta in dessen Wohnung in Hamburg-Uhlenhorst. Der Einsatz begann um 9:20 Uhr am Morgen. Mit dabei: ein Reporter der „Bild“-Zeitung. Die Fan-Szene des HSV solidarisierte sich umgehend mit dem Spieler und stellte in einer Stellungnahme genau diese Ungereimtheit zur Diskussion: „Umso mehr drängt sich die Frage auf, warum die Polizei einem einzelnen Pressevertreter der Zeitung, die diese eklige Kampagne überhaupt erst gestartet und dabei Menschen vorverurteilt und stigmatisiert hat, einen Exklusivbericht ermöglicht.“

Beim Spiel in Karlsruhe im Sommer 2019 ist Bakery Jatta, nach Wochen der Diskussion um ihn und nach üblen Schmähungen der KSC-Fans, den Tränen nahe.

Staatsanwaltschaft Hamburg sieht Gefährdung der Untersuchung: Bild-Reporter bei Hausdurchsuchung der Polizei

Doch nicht nur die Fans sind sauer. Auch die Hamburger Staatsanwaltschaft scheint nicht erfreut darüber. Auf Anfrage von 24hamburg.de teilt Nana Frombach, Oberstaatsanwältin und Leiterin der Pressestelle, mit: „Es ist keinesfalls üblich, dass Pressevertreter bei Hausdurchsuchungen anwesend sind, da hierdurch unter Umständen sogar der Durchsuchungszweck gefährdet werden könnte.“

Wie es zu dieser potenziellen Gefährdung gekommen sein könnte, wisse auch die Staatsanwaltschaft nicht. Denn nicht einmal deren Angestellte hätten von der Durchsuchung gewusst, so Nana Frombach weiter: „Wann und auf welche Weise Pressevertreter von der Durchsuchung bei Herrn Jatta erfahren haben, kann ich Ihnen daher nicht sagen. Die Vollstreckung von Durchsuchungsbeschlüssen einschließlich der Terminplanung wird regelhaft von der Polizei organisiert, im konkreten Fall hatte die Staatsanwaltschaft von dem Durchsuchungstermin vorab keine Kenntnis.“

Bild-Reporter pünktlich bei Hausdurchsuchung von HSV-Spieler Bakery Jatta von Polizei Hamburg

Die Polizei Hamburg wollte sich auf Anfrage nicht offiziell zu dem Vorgang äußern. Ein Beamter erklärte gegenüber 24hamburg.de, dass Polizeireporter grundsätzlich gut vernetzt seien. Auch und gerade untereinander. Sie seien rund um die Uhr in Hamburg unterwegs und oft vor den Beamten am Einsatzort.

Das hätte auch am Donnerstag, 2. Juli 2020, um 9:20 Uhr in Hamburg-Uhlenhorst der Fall sein können. Woher das gute Timing kommt, das unter Umständen ein Schaden für die Staatsanwaltschaft hätte werden können, bleibt ungeklärt. Wegschicken kann die Polizei einen Pressevertreter bei einer solchen Aktion nicht. Die Anwesenheit ist von der Pressefreiheit gedeckt.

Bakery Jatta von Bild-Reporter gejagt: Polizei Hamburg kann HSV-Spieler nicht schützen

Überhaupt wieder aufgeflammt sind die Ermittlungen, weil „sich Hinweise auf Kontakte zwischen dem Beschuldigten und mehreren Personen ergeben, die für uns so nicht nachvollziehbar waren und die eine Identitätstäuschung durch den Beschuldigten jedenfalls möglich erscheinen lassen“, erklärt Nana Frombach. Die Strafe könnte drakonisch ausfallen: „Das Gesetz sieht für derartige Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz Geldstrafen oder Freiheitsstrafe bis zu maximal drei Jahren vor.“

Eine Strafe, die von den Fans grundsätzlich zur Debatte gestellt wird: „Unabhängig von der hier komplett ignorierten Unschuldsvermutung, spielt es für uns jedoch keine Rolle, ob Bakery bei seiner Flucht aus Gambia im Jahre 2015 17 Jahre alt war, oder doch bereits volljährig. Ein Mensch, der durch die Sahara und über das Mittelmeer flüchtet, tut dies garantiert nicht aus der Absicht heraus, deutsche Behörden zu überlisten und Profifußballer zu werden.

Tagtäglich ertrinken Menschen mit ähnlichen Schicksalen wie dem von Bakery oder werden von Grenzbeamten misshandelt und gefoltert. Das ist der wahre Skandal.“ Im HSV-Newsticker* gibt es alle Neuigkeiten rund um den Hamburger SV.*24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

Rubriklistenbild: © Andreas Arnold/dpa/picture alliance

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