Kritik auch von Matthäus

Hamburger SV: „Quälix“ Magath schert sich nicht um HSV-Aufstieg – „Niedergang über Jahre“

  • Yannick Hanke
    vonYannick Hanke
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Der Hamburger SV kommt nicht zur Ruhe. Ex-HSV-Ikone Felix Magath spricht abfällig über seinen ehemaligen Verein. Und auch „Sky"-Experte Lothar Matthäus holt zur Schelte aus.

  • Hamburger SV*: Kritik von Magath und Matthäus.
  • „Saison nicht erfreulich“: Ex-HSV-Trainer poltert los.
  • „Sky“-Experte wetert gegen Rothosen-Präsident Marcell Jansen*.

Hamburg/Würzburg – Als wäre der Hamburger SV nicht schon genug gebeutelt und durch die Häme im Netz* zur bundesweiten Lachnummer geworden, holen nun auch noch prominente Namen des Fußballgeschäfts zur Verbal-Offensive aus. Die Rede ist von Felix Magath, ehemaliger Spieler und Trainer der HSVs, und Lothar Matthäus, Rekordnationalspieler Deutschlands und „Sky“-Experte. Sie befinden die Qualität des Kaders für nicht gut genug und zeigen zum Teil sogar Gleichgültigkeit hinsichtlich eines immer noch möglichen Aufstiegs der Rothosen. Der gelang nicht, wie im Live-Ticker nachzulesen ist.

Fußballtrainer:Felix Magath
Geboren:26. Juli 1953 (Alter 66 Jahre), Aschaffenburg
Größe:1,72 m
Eltern:Helene Magath
Bisherige Trainerstationen:Shandong Luneng Taishan (Fußballtrainer, 2016-2017), u.v.m.
Kinder:Raffael Magath, Chiara Magath, Janine Magath, Viktoria Magath, Felix Konstantin Magath, Leonhard Magath

Hamburger SV: „Motzki“ Magath moniert Qualität von Fußball-Zweitligist - „Niedergang des HSV geht über Jahre“

Felix Magath, der aufgrund seiner harten Trainingsmethoden den Beinamen „Quälix“ verpasst bekommen hat, ist ein hochdekorierter Fußball-Coach. Der 66-Jährige hat bereits 25 Jahre lang als Trainer gewirkt und einige Titel sowie persönliche Auszeichnungen einheimsen können. Sowohl mit Bayern München* (zweimal) als auch mit dem VfL Wolfsburg ist der gebürtige Aschaffenburger Deutscher Meister geworden. Zudem hat der „Brillenträger des Jahres 2004“ zwei DFB-Pokalsiege in seiner Vita stehen. Drei Ehrungen als „Trainer des Jahres“ (2003, 2005, 2009) runden das Ganze ab.

Was vor allem viele jüngere Fußball-Fans nicht mehr unbedingt auf dem Schirm haben: Magath war auch ein überaus erfolgreicher Spieler. Insgesamt 306-mal lief der einstige Mittelfeldspieler mit Offensivdrang für den Hamburger SV auf und erzielte dabei 46 Tore. Sein wichtigstes war wohl das gegen Juventus Turin im Finale des Europapokals der Landesmeister von 1983. Denn das 1:0 Magaths stellte gleichzeitig den Endstand dar und bescherte dem HSV den wichtigsten Titel im europäischen Klubfußball. Heutzutage firmiert der angesprochene Wettbewerb unter dem Namen „Champions League

An die Königsklasse vermag beim Hamburger SV der Gegenwart aber niemand zu denken. Die Realität heißt 2. Fußball-Bundesliga, der Traum Fußball-Oberhaus. Damit zumindest noch die Relegation erreicht werden kann, um damit die Hoffnung auf Liga eins weiter aufrechtzuerhalten, bedarf es am 34. Spieltag mindestens ein Remis gegen den SV Sandhausen*. Vorausgesetzt, der FC Heidenheim verliert gegen Spitzenreiter Arminia Bielefeld. Doch wäre die beiden zusätzlichen Spiele gegen der Drittletzten aus der Beletage des Deutschen Fußballs machbar bzw. überhaupt wünschenswert?

Ginge es nach Felix Magath, dann nicht. Er wisse nicht, ob es die Hamburger* noch in die Aufstiegsrelegation schaffen oder nicht. „Aber egal, aus meiner Sicht, ob er es packt oder nicht packt, war die Saison nicht erfreulich“, wird der gebürtige Unterfranke gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) deutlich. Die Probleme des HSVs seien „eine längere Geschichte, die hat auch nicht nur mit dem jetzigen Trainer zu tun. Der Niedergang des HSV geht ja schon über Jahre", zieht Magath ein knallhartes Résumé und will nicht nur Coach Dieter Hecking* in der Verantwortung wissen.

Hamburger SV: Magath oder Matthäus, hauptsache Kritik - „Niedergang eines Fußball-Klubs“

Drastische Worte eines Mannes, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder selbst bei den Rothosen ins Gespräch gebracht hatte. Bereits von Juli 1986 bis Juni 1988 war Magath als Manager beim Verein von der Elbe* angestellt und konnte in dieser Zeit den DFB-Pokalsieg 1987 feiern. Fünf Jahre, nachdem der Medizinball-Liebhaber den HSV verlassen hatte, heuerte er erneut in der Hansestadt an. Dieses Mal als Trainer der Amateure des einstigen Bundesliga-Dinos. 1993, und damit noch im selben Jahr, stieg Magath zum Co-Trainer der ersten Mannschaft auf. Dieses Amt hatte er rund zwei Jahre inne, ehe er im Herbst 1995 zum Cheftrainer des Hamburger SVs ernannt wurde.

Seine Bilanz: eher durchwachsen. Zwar belegte er mit seinem Team Platz fünf und erreichte 1996/1997 das Achtelfinale des UEFA-Cups (heute Europa League), doch befanden sich die Mannen Magaths in dessen zweiter Saison als HSV-Trainer im Abstiegskampf. Im Mai 1997, zwei Spieltage vor Ende der damaligen Spielzeit, wurde der passionierte Schachspieler entlassen - auf Tabellenplatz 15, mit fünf Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge. Ob er die Demission bis heute nicht überwunden hat? Kaum zu glauben, wird auf die jüngere Historie geschaut, in der Magath sich den Hamburgern in diversen Interviews und Talkshows quasi auf dem Silbertablet angeboten hat.

Felix Magath hat mit dem Hamburger SV so einiges erlebt. Er war Spieler, Trainer und Manager bei den Rothosen. Nun rechnet er mit dem Nordverein ab und zeigt sich hinsichtlich eines möglichen Bundesliga-Aufstiegs gleichgültig. (Archivbild)

Aktuell ist der 66-Jährige als Berater für Drittligist Würzburger Kickers und dem österreichischen Verein FC Admira Wacker Mödling tätig. Zeit genug, sich zur Situation bei den Rothosen zu äußern, scheint er aber zu haben. Ähnlich verhält es sich mit „Sky“-Experte Lothar Matthäus. Der Rekordnationalspieler Deutschlands weist zwar keine HSV-Vergangenheit auf, spricht sich aber standesgemäß zu allen polarisierenden Fußball-Themen aus. In seiner „Sky“-Kolumne „So sehe ich das“ äußert sich der 59-Jährige sehr kritisch über die Rothosen.

„Bei vielen Vereinen ist es leider so, dass irgendwann jemand die Macht übernimmt, der zwar die wirtschaftlichen Möglichkeiten hat, jedoch das fußballerische Knowhow vermissen lässt“, spielt Matthäus auf Investor Klaus-Michael Kühne an. Der Hamburger Mäzen ist bereits von Ex-HSV-Präsident Jürgen Hunke kritisch beäugt* worden. „Zum Leidwesen der Fans und des Vereins lassen sie sich oftmals von keinem etwas sagen und treffen wichtige Entscheidungen selbst. Zu große Eitelkeiten bei zu geringer fachlicher Kompetenz, führt meistens zum Niedergang eines Fußball-Klubs“, lautet das vernichtende Urteil des „FIFA-Weltfußballers“ von 1991.

Hamburger SV: „Sky“-Experte Matthäus lässt HSV-Präsident Marcell Jansen abtanzen

Auch auf den SV Werder Bremen* kommt Matthäus zu sprechen. Die Grün-Weißen hoffen nach wie vor auf die Relegation gegen Heidenheim oder den Nordrivalen aus Hamburg. Zudem steht die Frage im Raum, ob Trainer Florian Kohfeldt weitermachen soll* bzw. darf. Hierzu hat der „Sky“-Kolumnist eine klare Meinung: „Schafft er das Unmögliche und rettet die Grün-Weißen, dann dürfte er gehen, weil es schwer vorstellbar ist, dass er nochmal die Energie aufbringt, um eventuell noch so eine Saison zu erleben".

Mit dem Hamburger SV ist Matthäus an dieser Stelle aber noch nicht fertig. „In Hamburg haben nur noch die tollen Fans und das fantastische Stadion eine gute Ausstrahlung“, findet er ausnahmsweise lobende Worte für die Rothosen bzw. für ihre treuen Unterstützer und das Volksparkstadion. Daraufhin bringt er unter anderem den Querulanten „Quälix“ für ein Amt beim HSV ins Spiel. „Ich frage mich schon, wieso Persönlichkeiten wie Horst Hrubesch, Manni Kaltz oder Felix Magath dort über die Jahre nicht in verantwortlichen Positionen installiert wurden“, heißt es von „Loddar“.

Zu guter Letzt dürfen auch noch der HSV-Präsident und der Trainer dran glauben. „Ich habe wirklich nichts gegen Marcell Jansen [...] Aber ist das der richtige Mann auf dem richtigen Posten? Sollte da nicht mehr Erfahrung und präsidiale Ausstrahlung vorhanden sein?“, lauten die rhetorischen Fragen von Matthäus. In Richtung des Coachs heißt es: „Ich bin mir auch nicht so ganz sicher, ob Dieter Hecking der richtige Mann für so einen Neuaufbau, eine Aufbruchsstimmung, einen modernen und dynamischen Fußball ist".

Dieser könnte den „Sky“-Experten mit im Optimalfall noch drei Spielen vom Gegenteil überzeugen. Zunächst einmal gilt es aber, überhaupt den Relegationsplatz zu erreichen. 24hamburg.de nennt fünf Gründe, wie dies gelingen soll. So viele Argumente braucht es hingegen beim FC Sankt Pauli* nicht, um die Trennung von Noch-Trainer Jos Luhukay* zu ergründen. Der Niederländer hat sämtlichen Rückhalt im Verein verloren und es sich sowohl mit den Spielern als auch mit Manager und Präsident verscherzt. Da erscheint es nur konsequent, dass der 57-Jährige die Braun-Weißen nur noch am letzten Spieltag betreuen wird. // Quelle: 24hamburg.de-HSV * 24hamburg.de, deichstube.de, merkur.de und nordbuzz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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