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Gewinner und Verlierer – das ist die Hinrunden-Bilanz des HSV

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Von: Robin Dittrich

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Der Hamburger SV beendet die Hinrunde der Zweitliga-Saison 2022/23 auf einem Aufstiegsplatz. Wer sind die Gewinner und Verlierer der aktuellen Spielzeit?

Hamburg – Mit einem furiosen 4:2 Sieg gegen den SV Sandhausen zementierte der Hamburger SV seine Ansprüche auf den Aufstieg in die Bundesliga. Auf 34 Punkte kommen die Rothosen nach 17 Partien – das bedeutet Platz zwei nach der Hinrunde. In der Saison 2022/23 gab es bisher einige Gewinner, aber auch Verlierer: Das sind sie.

Fußballverein:Hamburger SV
Gründung:29. September 1887
Trainer:Tim Walter
Tabellenplatz Hinrunde Saison 2022/23:Zweiter, 34 Punkte

Der Hamburger SV überwintert auf einem Aufstiegsplatz – das sind Gewinner und Verlierer

Mit einem 4:2 gegen den SV Sandhausen am 17. Spieltag zeigte der HSV, dass die Spieler auch nach Rückschlägen nicht aufgeben – eine wichtige Eigenschaft für die Rückrunde. Nach der Hinrunde überwintern die Hamburger auf dem zweiten Tabellenplatz hinter Darmstadt 98. Nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase fing sich der HSV wieder und gewann zuletzt drei von vier Partien. Die gesamte Hinrunde kann als eine Achterbahnfahrt der Gefühle beschrieben werden: Hier sind die Gewinner und Verlierer der Saison.

Furioses Volksparkstadion: Der größte Gewinn des HSV sind die eigenen Fans

Was für eine Stimmung im Volksparkstadion. „Und das gegen Sandhausen“, brüllte einer von über 55.000 HSV-Fans lauthals. Der Zuschauerschnitt beim Hamburger SV war schon lange nicht mehr so hoch, vor allem nicht in der Zweiten Liga. Im Schnitt kamen laut transfermarkt.de 50.627 Fans zu jedem Heimspiel ins Volksparkstadion. Nach drei von der Corona-Pandemie geprägten Jahren strömten die Fans geradezu in die Arena. Es ist der höchste Zuschauerschnitt für den HSV in Liga zwei, in der ersten Bundesliga war er ähnlich hoch. Zu Beginn der aktuellen Saison kamen noch 43.000 in den Volkspark, seit dem fünften Heimspiel waren es in jedem Spiel über 50.000.

Der HSV hatte in der Hinrunde 2022/23 einige Gewinner und Verlierer.
Der HSV hatte in der Hinrunde 2022/23 einige Gewinner und Verlierer. © Norbert Gettschat/Oliver Ruhnke/Imago (Montage)

Trotz dieses starken Zuschauerschnitts steht der Hamburger SV in der Heimtabelle nur auf Platz sechs. Vor allem auswärts spielten die Rothosen stark auf, doch auch dort ist eine Vielzahl an Fans dabei. Nicht ganz so viele wie beim Relegationsspiel gegen Hertha BSC, bei dem es wirkte, als hätte der HSV in Berlin ein Heimspiel. Trotzdem macht sich die Unterstützung bemerkbar – und zwar die uneingeschränkte. Nach der Partie gegen Sandhausen wandte sich Kapitän Sebastian Schonlau, mit einem Mikro bewaffnet, noch einmal an die Fans: „Wir können uns wirklich nur bedanken bei jedem einzelnen von euch, wie ihr uns Woche für Woche nach vorne pusht. Ich habe das noch nie so erlebt.“

Die größten Verlierer beim HSV: die Unruhen im Verein um Wüstefeld und Kühne

Unabhängig der sportlichen Leistung von Spielern und Trainern: Der HSV kommt als Verein einfach nicht zur Ruhe. Schon vor der Saison 2022/23 gab es den ersten Krach bei den Hamburgern zwischen Sportvorstand Jonas Boldt und Michael Mutzel: Der ehemalige Sportdirektor Michael Mutzel wurde freigestellt. Der ließ das nicht auf sich sitzen und ging gegen seine Freistellung gerichtlich vor – mit Erfolg. Der HSV muss seinem ehemaligen Sportdirektor eine Abfindung zahlen – über die Höhe wurden sich beide Parteien noch nicht einig. Es ist nur einer von vielen Streitigkeiten im Jahr 2022.

Die nächste Reiberei ließ nicht lange auf sich warten. Wieder mittendrin, statt nur dabei: HSV-Sportvorstand Jonas Boldt. Dieses Mal ging es jedoch um den HSV-Anteilseigner und zwischenzeitlichen Finanzvorstand Thomas Wüstefeld. Der machte Schlagzeilen mit 200-Millionen-Euro-Plänen und möglichen illegalen Cannabis-Verkäufen. Nach einem mehr oder weniger öffentlichen Zerwürfnis der beiden Vorstände musste Wüstefeld den HSV verlassen – angeblich auf eigenen Wunsch.

Damit nicht genug: Auch Investor Klaus-Michael Kühne machte zuletzt auf sich aufmerksam. Zunächst bot Kühne dem HSV 120 Millionen Euro an, um dem Verein einen langfristigen Erfolg zu sichern. Das Angebot war jedoch an mehrere Bedingungen geknüpft, die dem Investor ein deutlich größeres Mitspracherecht im Verein einräumen würden. Mittlerweile schrieb Kühne mit einer neuen Nachricht Schlagzeilen: Er sieht HSV-Präsident Jansen zukünftig nicht mehr in der Führungsposition. Es herrscht ein regelrechter Machtstreit. Sportlicher Erfolg hin oder her: Beim HSV herrscht Unruhe – es hat fast schon Tradition.

Der HSV strauchelte zwischenzeitlich – dazu droht ein Doping-Skandal

Obwohl es der Hamburger SV nach 17 Spielen auf den zweiten Tabellenplatz schaffte, strauchelten die Rothosen zwischenzeitlich. Einem Unentschieden gegen Kaiserslautern folgte eine 0:3 Schlappe im Stadtderby gegen den FC St. Pauli. Nur vier Tage später setzte es ein 0:4 im DFB-Pokal gegen RB Leipzig, dann verloren die Hamburger wiederholt im eigenen Volkspark mit 2:3 gegen den 1. FC Magdeburg. Viele sahen den HSV erneut abstürzen, doch die Mannschaft fing sich wieder. Ein 3:2 beim SC Paderborn folgte ein 3:1 Erfolg gegen Jahn Regensburg. Es scheint, als würde HSV-Trainer Tim Walter immer wieder die richtigen Worte finden, um schwierige Situationen zu meistern.

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Erst nach dem Spiel gegen den SV Sandhausen am 17. Spieltag wurde bekannt, dass dem HSV ein Doping-Skandal droht. Viele Fans fragten sich bei der Partie, wieso Innenverteidiger Mario Vuskovic von Jonas David ersetzt wurde. Die Antwort: Vuskovic wurde bei einem Doping-Test positiv auf Erythropoetin (EPO) getestet. Das Dopingmittel ist unter anderem aus Zeiten von Lance Armstrong aus der Tour de France bekannt. Auch der HSV bestätigte die laufende Untersuchung und das eingeleitete Verfahren. Vorerst gilt bei Vuskovic die Unschuldsvermutung – eine mögliche Verurteilung wäre jedoch ein Skandal beim HSV.

HSV spielt ansehnlichen Fußball: Trainer Tim Walter und Sportvorstand Jonas Boldt wurden gestärkt

HSV-Trainer Tim Walter war seit seinem Amtsantritt zu Beginn der Saison 2021/22 keineswegs unumstritten. Eine Schwächephase zum Ende der letzten Saison verhinderte den geplanten Aufstieg in die Bundesliga. Auch in der aktuellen Spielzeit gab es schon Rückschläge – bisher schaffte Walter mit seinem Team stets das Comeback. „Wir gehen mit einem Zwei-Punkte-Schnitt in die Pause, das ist sehr ordentlich“, sagte Walter nach dem Spiel gegen Sandhausen. Fünf Punkte mehr als in der letzten Hinrunde stehen beim HSV zu Buche.

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Die positive Hinrunden-Bilanz stärkte Trainer Tim Walter und auch Sportvorstand Jonas Boldt. In der vergangenen Spielzeit hatten die beiden Aufsteiger Schalke und Bremen nur 29 und 26 Punkte zum gleichen Zeitpunkt. Hält der HSV seine Formkurve, könnte der Aufstieg nach fünf Jahren Zweitligazugehörigkeit wahr werden. Was nach wie vor fehlt, sind neue Verträge für Walter und Boldt. Beide Papiere laufen zum Saisonende aus – in der langen Winterpause aufgrund der WM in Katar könnte eine Verlängerung beider Führungspersonen in die Wege geleitet werden.

Zuletzt ein kurzer Kommentar: Berufsbedingt schaue ich mir jedes HSV-Spiel an und muss als Nicht-Fan sagen: Die Rothosen spielen richtig geilen Fußball. Natürlich sind auch ein paar müde Spiele dabei, die vielleicht der hohen Belastung in der verkürzten Hinrunde geschuldet sind. Trotzdem machen die meisten Spiele schlichtweg Spaß. Aufs und Abs, die Mannschaft gibt sich nie auf und die Fans sorgen für eine unnachahmliche Stimmung im Volksparkstadion. Behält der HSV seine Spielfreude bei, sollte beim Thema Aufstieg eigentlich kein Verein mithalten können. Der HSV kann sich - wenn man es mit Phrasen hält - nur selber schlagen.

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