Fußballer packt aus

Ex-HSV-Spieler: „Profi-Fußball ist legaler Menschenhandel“

Mattia Maggio, Fußballspieler des TuS Dassendorf, steht auf dem Platz. Er hält einen Ball unter dem Rechten Arm und schaut direkt in die Kamera. Hinter ihm ist ein Tor. Er ist beim Training in Blau gekleidet. In einem roten Rahmen ist rechts neben ihm das Gesicht seines ehemaligen Beraters Maurizio Gaudino montiert.
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Für ihn hat Mattia Maggio wenig übrig: Berater Maurizio Gaudino.
  • Enno Eidens
    vonEnno Eidens
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Das Coronavirus sorgt für eine Spielpause, doch auch abseits vom Platz sorgt der Fußball für spannende Geschichten. Der ehemalige HSV-Spieler Mattia Maggio hat eine bewegte Karriere hinter sich und erhebt nun Vorwürfe gegen seinen früheren Berater und den Hamburger SV.

  • Ex-HSV-Spieler Mattia Maggio packt in einem Interview aus.
  • Fußballer Maggio kritisiert seinen Berater, den Ex-Nationalspieler Maurizio Gaudino.
  • Heute spielt der Stürmer beim TuS Dassendorf in der Oberliga Hamburg.

Hamburg – Er hätte einer der ganz großen werden können, nun spielt er in der Oberliga. Eine Verletzung und viel Unglück verhageln Mattia Maggio seine Karriere als Profifußballer. Für den HSV Supporters Club blickt Maggio zurück auf die Auf- und Abs seiner Karriere. Dabei findet er nicht nur nette Worte für den Hamburger SV oder seinen Ex-Berater Maruizio Gaudino. Der Fußball schreibt seine Geschichten sogar dann, wenn wegen der Coronavirus-Krise gar keine Spiele stattfinden.

Mattia Maggio hätte beim Hamburger SV groß rauskommen können

Mattia Maggio steht links vor dem Strafrum. Kein Gegenspieler deckt ihn. Er bekommt den langen Ball von der anderen Seite. Eine trockene Annahme, zwei Schritte, Abschluss und Tor! Es stellt sich die Frage: Warum spielt der in der Oberliga? Am 9. Dezember 2019 steht Maggio für den TuS Dassendorf gegen HSV Barmbek-Ulenhorst auf dem Platz. Das Spiel gewinnt Dassendorf mit 2:0, Sven Möller trifft in der zweiten Halbzeit mit dem Kopf.

In der Oberliga steht er regelmäßig auf dem Platz, wenn es der Coronavirus-Sars-CoV-2 nicht verhindert. Doch für den großen Fußball hat Maggio heute wenig übrig. „Profifußball ist legaler Menschenhandel“, sagt er im Gespräch mit den „Supporter News“. Auch an seinen Berater Maurizio Gaudino erinnert er sich nicht im Guten. Von diesem habe er nach seiner Zeit beim HSV nie wieder etwas gehört. Ohne einen Profivertrag wurde Maggio damals einfach im Stich gelassen: von Gaudino und vom Hamburger SV.

Vielversprechender Start der Karriere beim VfB Stuttgart

Maggios Karriere begann beim Auswahltraining des VfB Stuttgart. Mit 15 Jahren spielte er dort vor. Vier Tore und fünf Vorlagen später stand Maggio für die E-Jugend der Stuttgarter auf dem Platz. Andere Spieler dieser Stuttgarter Generation kennt heute jeder: Joshua Kimmich und Serge Gnabry spielen für den FC Bayern München und die deutsche Nationalmannschaft.

Bei Maggio kam es anders. Kurz nachdem er beim VfB Stuttgart mit 15 seinen ersten Vierjahresvertrag unterzeichnet hatte, verletzte er sich. Bei seiner Geburtstagsfeier in einer Disko bekam er ein Cocktailglas ins Gesicht. Ein schwerer Verlust der Sehkraft seines linken Auges war die Folge. Das räumliche Sehen musste er sich mühsam wieder antrainieren.

Über Zwischenstation in Italien zum Hamburger SV

In Italien spielte Maggio Fußball für Novara Calcio, der Klub war gerade in die Serie A aufgestiegen. Doch auch diese Station dauerte nicht lange an. Gerade mal ein Spiel machte Maggio für die erste Mannschaft von Calcio. Immerhin: damals stand er vier Minuten mit Zlatan Ibrahimovic auf dem Platz. Die Partei gegen den AC Mailand verlor Maggios, Endstand: 2:1. Doch der Trainer von Novara hatte kein Interesse an Maggio. Sein Berater schaut sich um und fand im Hamburger SV einen interessierten Arbeitgeber. Bezahlen wollte man jedoch nicht, Maggio spielte ein halbes Jahr als Amateur ohne Gehalt. Maggio trainierte wie besessen, um sich beim HSV behaupten zu können.

Es war die Saison 2013/14, als der HSV im Abstiegskampf steckte. Pierre-Michel Lasogga war verletzt, Ersatzmann Jacques Zoua erfüllte die Erwartungen nicht. Ein neuer Stürmer wurde händeringend gesucht. Die Wahl fiel auf den Fußballer Maggio, der damals für die zweite Mannschaft des HSV in der Regionalliga spielte. „Der damalige Sportchef Oliver Kreuzer war vor Ort, als ich einen Hattrick erzielte. Dann wurde ich zu den Profis befördert, durfte dort mittrainieren und zwei Tage später mein Bundesligadebüt gegen Bayer Leverkusen geben“, erzählt Maggio.

Dicke Luft beim HSV: Maggio und Kollegen nach einer Niederlage gegen den VfB Wolfsburg im April 2014.

Der Traum vom ersten Bundesligator blieb zwar unerfüllt. Dennoch hinterließ er unter Trainer Mirko Slomka einen guten Eindruck. Laut Maggio war der HSV an einer Vertragsverlängerung mit dem jungen Fußballer Maggio interessiert. Dass diese nicht zustande kam, schiebt der Stürmer auf seinen damaligen Berater: „Er sagte mir immer, er würde sich um alles kümmern. Aber plötzlich hatten wir Ende Mai, ich hörte nichts mehr von meinem Berater und bekam dann auch noch mit, dass er sich überhaupt nicht um meine Zukunft gekümmert hatte. Plötzlich stand ich ohne Verein und ohne Berater da.

Trotz Karriere aus: Tatoo erinnert an Zeit beim HSV

Seine Karriere war nicht vom Glück verfolgt. Er ging nach Italien, spielte dort Fußball beim drittklassigen Mantova FC. Nach drei Monaten war das Intermezzo beendet, weil er unter dem neuen Trainer keine Einsätze bekam. Später versuchte er sein Glück beim belgischen Drittligisten ASV Geel. „Sportlich lief es dort ganz gut. Aber dann blieben plötzlich die Gehaltszahlungen aus. Der Verein war bankrott“, berichtet er. Rückblickend bezeichnet er die wenigen Wochen, die er beim HSV in der Bundesliga erlebte, als seine schönste Zeit. Daran erinnern auch die auffälligen Tätowierungen auf seinen Knien. Sie zeigen die Nummer 33 – seine damalige Rückennummer beim HSV.

Den Profifußball hat Maggio nun hinter sich gelassen. Seit dem Sommer 2018 spielt er bei TuS Dassendorf und schießt dort Tore. „Ich spiele jetzt Amateurfußball, um etwas Druck aus der Sache zu nehmen. Außerdem hat mir der Verein einen Ausbildungsplatz im Büromanagement vermittelt“, sagt er. Seine Qualitäten auf dem Platz haben sich bereits gezeigt. Ob und wann Maggio das nächste Mal auf dem Platz stehen wird, ist wegen der Coronavirus-Krise unklar. Der Spielbetrieb soll erst am 9. Mai wieder beginnen.

dpa/ee

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