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„Erniedrigend“ und „verletzend“: Rassismus-Abrechnung von HSV-Kicker Gyamerah

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Von: Jan Knötzsch

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Jan Gyamerah hat in seinem Leben Rassismus erlebt. Von der Kindheit an. Selbst als HSV-Profi verfolgt ihn dieses Thema. Darüber hat er nun in einem Podcast gesprochen.

Hamburg – Jan Gyamerah hat es geschafft. Er lebt den Traum vieler: Er ist Profifußballer und verdient mit dem Kicken sein Geld. Beim Hamburger SV. Seit 2019 trägt der gebürtige Berliner das Trikot des Klubs aus dem Volksparkstadion. Zuvor spielte Jan Gyamerah für den VfL Bochum. Doch Jan Gyamerah, dessen Vertrag beim Zweitligisten aus Hamburg am 30. Juni 2022 ausläuft und der beim HSV auf dem Abstellgleis gelandet ist, hatte es nicht immer so einfach, wie er es jetzt in der fraglos privilegierten Situation als Profi hat.

Denn: Als Dunkelhäutiger, damals im Vergleich zu heute zudem noch ein No-Name, hat es Jan Gyamerah nicht immer leicht gehabt in Deutschland. Darüber hat der Abwehrspieler des HSV jetzt offen gesprochen: im Podcast „Pur der HSV“, die der Traditionsverein aus der Hansestadt Hamburg jetzt veröffentlicht hat. Herausgekommen sind ganz offene Worte von Jan Gyamerah. Quasi eine Abrechnung mit dem gesellschaftlichen Problem namens Rassismus.

Fußballspieler:Jan Kwasi Gyamerah
Geboren:18. Juni 1995 (Alter: 26 Jahre), Berlin
Vertrag beim HSV bis:30. Juni 2022
Marktwert:900.00 Euro (Quelle: Transfermarkt)

HSV-Außenverteidiger Jan Gyamerah: Erinnerungen an Rassisus-Vorfall aus der Schulzeit

Zuletzt ist bei Jan Gyamerah an Fußball nicht zu denken gewesen. Oder nicht in erster Linie. Der Außenverteidiger des HSV hat sich verletzt und fehlte der Mannschaft von HSV-Trainer Tim Walter. Bitter für Jan Gyamerah: So kann er sich nicht ausreichend für eine Vertragsverlängerung beim HSV empfehlen, der auch an der Verlängerung des Vertrages mit Maximilian Rohr arbeitet. Immerhin: Vor einigen Wochen hatten gleich drei spanische Vereine ihr Interesse an HSV-Kicker Jan Gyamerah bekundet, der schon einmal über Rassismus sprach – und deswegen seine Social Media-Kanäle löschte.

Im Hintergrund HSV-Spieler Jan Gyamerah im Trikot seines Vereins. Im weißen Kreis: Demonstranten mit einem Anti-Rassismus-Plakat.
HSV-Profi Jan Gyamerah spricht in einem Podcast über Rassismus-Erfahrungen in seiner Schulzeit, die ihn geprägt haben, und das Rassismus-Problem in Deutschland (24hamburg.de-Montage) © Ipon/Michael Schwarz/imago

Im Podcast „Pur der HSV“ erzählt Jan Gyamerah, der auch von einem Bundesligisten umworben wird, von seiner Schulzeit in Stadthagen bei Hannover. Es habe dort „nicht viele Dunkelhäutige gegeben“, erinnert sich Jan Gyamerah. „Ich war auf meiner Grundschule und später auf dem Gymnasium der einzige.“ Und das mit Folgen, wie sich der HSV-Spieler an einen ganz bestimmten Vorfall nach einer Konfirmationsfahrt auf die Nordsee-Insel Norderney in Erinnerung ruft.

HSV-Spieler Jan Gyamerah: Mangelnde Unterstützung im Kampf gegen Rassismus – „ein Stück weit alleingelassen“

„Als sie zurückkamen, haben alle einen Song gesungen, bla, bla, bla, der Neger und dabei alle auf mich gezeigt“, sagt Jan Gyamerah im Podcast „Pur der HSV“ und betont, er wisse nicht, ob er diese Szene jemals aus seinem Kopf bekomme: „Es gab immer wieder solche Situationen, aber das war die schlimmste Rassismus-Erfahrung, die ich gemacht habe“, befindet der 29-Jährige in Diensten des Zweitligisten, bei dem sich nach Elijah Krahn ein weiterer HSV-Youngster in Reichweite seines Zweitliga-Debüts befindet. Ein Erlebnis, das Jan Gyamerah längst hinter sich hat – in viel besserer Erinnerung als jene Momente aus seiner Kindheit. In der habe er sich „ein Stück weit alleingelassen“ gefühlt, bekennt Jan Gyamerah.

Rassismus ist auch in Deutschland ein großes Problem. Im Alltag hat man mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, wenn man einen Migrationshintergrund hat.

HSV-Spieler Jan Gyamerah

„Man ist der Einzige mit dem Problem auf der Schule. Keiner unterstützt einen dort, leider auch keiner der Lehrer“, berichtet er über seine leidvollen Erfahrungen als Dunkelhäutiger während seiner Schulzeit im niedersächsischen Stadthagen. „Natürlich weiß man, was Neger bedeutet. So möchte ich nicht bezeichnet werden. Man fühlte sich dabei ein Stück weit alleingelassen. Für mich war es einfach eine schlimme Zeit“, blickt Jan Gyamerah auf die Rassismus-Erfahrungen vor seiner Zeit beim HSV, über dessen Aufstiegsschancen Ex-Profi Martin Harnik zuletzt gesprochen hat.

HSV-Kicker Jan Gyamerah wird deutlich: „Rassismus ist auch in Deutschland ein großes Problem“

Unterstützung habe ihm damals sein Vater gegeben, sagt Jan Gyamerah: „Mein Papa hat mich dabei extrem unterstützt, da er solche Erfahrungen leider auch machen musste.“ Selbst jetzt, wo er beim HSV spielt, der sich dank Robert Glatzel in einen „Aufstiegsrausch“ geballert hat, „ist das Thema immer noch präsent. Wichtig ist, dass darüber gesprochen und frühzeitig Aufklärungsarbeit gemacht wird. Rassismus ist auch in Deutschland ein großes Problem. Im Alltag hat man mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, wenn man einen Migrationshintergrund hat.“

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Ein kleines „Happyend“ hat Jan Gyamerahs Geschichte aus der Schulzeit dennoch – wenn an es angesichts dessen, was dem HSV-Spieler in jungen Jahren widerfahren ist, denn überhaupt so nennen kann: „Ich habe mit den Jungs von damals, mit denen ich noch Kontakt habe, vor ein paar Jahren gesprochen. Die waren selbst erschrocken und konnten es nicht fassen, dass sie so etwas singen konnten. Es tat ihnen dann auch leid“, erzählt Jan Gyamerah im Podcast „Pur der HSV“ und sagt: „Schade, dass in der Schule nicht früh gelehrt wurde, dass so etwas verletzend ist. Das löst in einem Menschen was aus. Es ist nicht schön und erniedrigend.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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