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Diese offenen Fragen muss der HSV nach Wüstefelds Aus beantworten

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Von: Jan Knötzsch

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Thomas Wüstefeld ist weg. Doch die Fragen beim HSV bleiben. Nach dem Rücktritt des HSV-Finanzvorstands hat der Verein diverse Baustellen. Welche?

Hamburg – Der Hamburger SV bedient anno 2022 aktuell wieder einmal ein Bild, das man beim Traditionsverein aus Hamburg so eigentlich nicht mehr befeuern wollte. Und von dem nicht wenige HSV-Fans eigentlich die Hoffnung gehabt hatten, dass es sich aus dem Volksparkstadion auch verabschiedet hat. Für möglichst lange Zeit. Ein Irrtum. Die Hoffnung währte nur kurz. Sportlich hat der HSV unter Trainer Tim Walter zwar Erfolg, doch dafür geht es abseits des Platzes wieder einmal hoch her. Höher, als es jedem, der die HSV-Raute im Herz trägt, lieb sein kann. Ein Problem jagt das nächste.

Erst degradierte Jonas Boldt den inzwischen Ex-HSV-Sportdirektor Michael Mutzel, bisweilen pöbelte HSV-Investor Klaus-Michael Kühne mal wieder. Dann trafen sich der HSV und Michael Mutzel vor Gericht und kamen bislang zu keinem Ergebnis. Und obendrein dann auch noch der Ärger um Finanzvorstand Thomas Wüstefeld, der beim HSV hingeworfen hat und seinen HSV-Abschied auch begründet hat.

Dennoch – oder gerade wegen des Wüstefeld-Rücktritts – bleiben viele Fragen beim HSV offen.

Fußballverein:Hamburger SV
Gegründet:29. September 1887 in Hamburg
Vereinsfarben:Blau-Weiß-Schwarz
Mitglieder:86.971

HSV nach dem Wüstefeld-Rücktritt: Was passiert mit dessen Anteilen am HSV – und ist Kühne wieder mal die letzte Hoffnung?

Da wäre zum einen die Frage danach, was mit den Anteilen passiert, die der bisherige Finanzvorstand Wüstefeld am HSV hat, dem bald noch ein Hauptsponsor von der Stange gehen soll. Auch dieser Abgang soll dem Vernehmen nach mit der „Causa Wüstefeld“ zu tun haben“. Möglicherweise bleibt besagter Sponsor ja jetzt doch an Bord. Die Antwort ist ebenso offen wie die nach der Frage von Wüstefelds Anteilen an der HSV Fußball-AG, die bei 5,11 Prozent liegen und die er von Klaus-Michael Kühne übernommen hat. Es steht alles in den Sternen. Die Angelegenheit muss in den kommenden Tagen und Wochen geklärt werden. In Ruhe. Hinter den Kulissen.

Tim Walter (l-r), Jonas Boldt, Thomas Wüstefeld in schwarz-weiß und Marcell Jansen vom Hamburger SV
Tim Walter (links), Jonas Boldt (Zweiter von links) und vor allem Marcell Jansen (rechts) müssen beim HSV nach Thomas Wüstefelds (Zweiter von rechts) Rücktritt Antworten auf viele offene Fragen finden. © Christian Charisius/Daniel Reinhardt/Gregor Fischer/dpa/Oliver Ruhnke/imago/Montage

Von Klaus-Michael Kühne ist derweil bekannt, dass er dem HSV gerne 120 Millionen Euro zur Verfügung stellen will. Doch Kühne wäre nicht Kühne, wenn er für seine Scheine, die in die klamme HSV-Kasse segeln könnten, nicht wieder auch mal etwas verlangen würde: (noch) mehr Mitspracherecht. Der HSV wird sich mit diesem Angebot weiter beschäftigen: „Wir wären ja bescheuert, wenn wir da nicht weiter am Ball und mit Herrn Kühne in Kontakt bleiben würden“, sagte Jansen laut der Deutschen Presse-Agentur. Zunächst hatte er die Offerte abgelehnt, da Kühne eine Aufstockung seiner Anteile an der HSV Fußball AG von derzeit rund 15 auf 39,9 Millionen Euro gefordert hatte.

Er war Wüstefeld-Fürsprecher: Was passiert nach dem Aus des Finanzvorstands mit HSV-Boss Marcell Jansen?

Im Zuge des Wüstefeld-Rücktritts erklärte Marcell Jansen, der nicht nur Vorsitzender des Aufsichtsrats beim HSV ist, sondern überdies auch noch Präsident des HSV e.V., dass Investor Klaus-Michael Kühne mit seinem 120-Millionen-Euro-Angebot den HSV unter Druck gesetzt hat. „Kühne hat einen Kopf im Vorstand gefordert“, sagte Jansen laut Hamburger Abendblatt. Dies habe zu einem Bruch unter den Gesellschaftern geführt. Diesen gelte es jetzt „im Sinne der Raute“ zu reparieren, so Jansen, dem eine gute Verbindung zum zurückgetretenen Wüstefeld nachgesagt wird. Beide sind bereits aus Zeiten, als Thomas Wüstefeld noch nicht beim HSV war, geschäftlich miteinander verbunden.

Ich werde mich nicht mit irgendetwas verheiraten – weil ich unabhängig bin.

HSV-Präsident und Aufsichtsratschef Marcel Jansen zur Frage, ob er nach Wüstefelds Rücktritt auch geht

In den vergangenen Wochen, als Wüstefeld, der zuletzt seinen Plan von einer 200-Millionen-Euro-Vision fürs HSV-Stadion publik machte, in den Schlagzeilen auftauchte und wegen seiner Geschäfte als Unternehmer in der Kritik stand, schützte Jansen den Ex-HSV-Finanzvorstand. Das brachte ihm selbst Kritik ein. Ebenso seine Nähe zu Wüstefeld. Einen Grund, deswegen selbst Konsequenzen zu tragen, sieht Jansen nicht, wie er auf einer Pressekonferenz mitteilte: „Ich werde mich nicht mit irgendetwas verheiraten – weil ich unabhängig bin.“ Auch die Entscheidung, dass Wüstefeld HSV-Vorstand werde, habe er schließlich nicht alleine getroffen: „Wir sind ein Siebener-Gremium, wir haben einstimmig entschieden.“

Nur noch Jonas Boldt nach Thomas Wüstefeld-Rücktritt übrig: Wie geht es im HSV-Vorstand weiter?

Aktuell ist im Vorstand nur noch Jonas Boldt übrig, der vor geraumer Zeit ein Treuebekenntnis zum HSV abgegeben hat, übrig. Die Aufgaben von Ex-HSV-Vorstand Thomas Wüstefeld, der bei der Stadt Hamburg wegen einer Bürgschaft fürs Volksparkstadion abblitzte, übernimmt mehrheitlich erst einmal Finanz-Direktor Dr. Eric Huwer, der Unterstützung von Hans-Werner Peters und Michael Papenfuß aus dem HSV-Aufsichtsrat erhält. Beide gelten als Finanz-Experten. Eine Neubesetzung im Vorstand soll es erst nach einer Hauptversammlung der HSV Fußball AG geben, berichtet die Bild-Zeitung.

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Das Problem: Diese Hauptversammlung kann frühestens Ende November oder Aber Anfang Dezember stattfinden. Einer der Gründe dafür laut Bild: Es noch nicht klar, wer bei der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat berufen werden soll. Neue Kandidaten muss das Präsidium um Marcell Jansen zunächst dem Beirat des HSV-zur Prüfung vorlegen. Laut Bild will sich das HSV-Präsidium des HSV damit in der ersten Woche des Monats Oktober beschäftigen. Dabei wäre die Neubesetzung im Vorstand dringend. Weil an ihr auch andere Personalien hängen.

Was passiert beim HSV nach dem Wüstefeld-Abschied mit den Verträgen von Jonas Boldt und Tim Walter?

Die Zukunft von Sportvorstand Jonas Boldt und Trainer Tim Walter nämlich, die am Ende der Kette stehen, in der es durch den Rücktritt von Thomas Wüstefeld einen Domino-Effekt gegeben hat. „Wir haben schon vor langer Zeit kommuniziert, dass wir dazu in der spielfreien Zeit während der WM in Katar tätig werden“, so Jansen am Donnerstag, 29. September 2022, zu diesem Thema auf der HSV-Pressekonferenz. Er habe, das sagte Jansen weiter, „absolutes Vertrauen“ in Boldt und Walter und deren Arbeit.

Wir werden sicher weiter aktiv sein, es werden bestimmt nicht die Stifte fallen gelassen.

HSV-Präsident und Aufsichtsratschef Marcel Jansen zur Zukunft von Jonas Boldt und Tim Walter

„Wir werden sicher weiter aktiv sein, es werden bestimmt nicht die Stifte fallen gelassen“, erklärte Jansen mit Blick auf die im Sommer 2023 auslaufenden Verträge von Walter und Boldt. Der Rücktritt von Thomas Wüstefeld, so Jansen, sei die „beste Entscheidung für den HSV“ gewesen. „Thomas Wüstefeld hat großen Einsatz gezeigt. Aber klar ist auch, dass man sprechen muss, wenn Themen immer größer werden“, sagte Jansen auf der Pressekonferenz des HSV zum Rücktritt des bisherigen Finanzvorstandes.

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