1. 24hamburg
  2. HSV

Derby-Rückblick: Als der SV Werder Bremen dem HSV dreimal in die Suppe spuckte

Erstellt:

Von: Denny Konzack

Kommentare

Der HSV traf in der Saison 2008/09 binnen drei Wochen satte viermal auf Nordrivale Werder Bremen. Viel Derby, viele Schlagzeilen, eine Papierkugel – ein Rückblick.

Hamburg – Dass ein Derby zwischen dem Hamburger SV und dem SV Werder Bremen im Norden Deutschlands jedes Mal eine aufgeheizte Stimmung und spannenden Fußball verspricht, dürfte auch jedem noch so neutralen Beobachter und Fußballfan bekannt sein. Derbys sind geprägt von harten Zweikämpfen, offensivem Fußball– und vor allem von hohen Erwartungen. Gerade im Norden finden, dank der Bundesliga-Abstiege des HSV und des SV Werder Bremen, in dieser Saison der Zweiten Bundesliga gleich wieder mehrerer solcher Derby-Duelle statt.

Zuletzt entschied der HSV das Stadtderby gegen den FC St. Pauli für sich, davor performten die Rothosen stark gegen Bremen im Weserstadion. Aaron Hunt, der für beide Vereine aktiv war, verkündete vor kurzem sein Karriereende. Am Sonntag (27. Februar 2022) steigt das Derby zwischen dem HSV und Werder Bremen. Ein Spiel mit Vergangenheit. Nicht nur in der Bundesliga. 24hamburg.de blickt auf die Derby-Historie zurück. Vor allem auf eine ganz bestimmte Saison.

Verein:Hamburger SVSV Werder Bremen
Gegründet am:29. September 188704. Februar 1899
Pokal-Erfolge:2216
Abstieg in 2. Bundesliga:2017/182020/21

Mit dem FC St. Pauli, FC Hansa Rostock, Hannover 96 sowie Holstein Kiel liefern sich in dieser Saison viele Nordklubs spannende Duelle. Doch mit dem Blick auf das kommende Wochenende, wo die Rothosen im Volksparkstadion die Grün-Weißen aus Bremen willkommen heißen, steht neben dem Stadtderby HSV – FC St. Pauli das wohl hochkarätigste Kräftemessen auf dem Plan. In der Vergangenheit – damals allerdings noch in der Ersten Bundesliga – spuckte der SV Werder Bremen dem HSV ordentlich in die Suppe. Dort trafen sich die beiden Vereine binnen drei Wochen satte viermal zum Kräftemessen – vor vollem Haus. Diesmal dürfen beim Spiel HSV – Werder Bremen jetzt 25.000 Fans ins Stadion.

DFB-Pokal-Halbfinale am 22. April 2009: Spannender Fight zwischen dem HSV und Werder Bremen bis ins Elfmeterschießen

Die erste von insgesamt vier Aufeinandertreffen der beiden Rivalen fand damals im heimischen Volksparkstadion statt. Ein wichtiges Spiel für beide Klubs. Werder Bremen kam in den vorherigen Jahren nie über das Halbfinale des DFB-Pokals hinaus. Für den Hamburger SV war die Jahre zuvor bereits maximal im Viertelfinale Schluss. Damals stand für den HSV noch Dennis Aogo auf dem Platz, der heute gegen den modernen Fußball ätzt.

SV Werder Bremen-Spieler feiern ausgelassen während Ex-HSV-Verteidiger Joris Mathijsen ratlos daneben steht
In der Saison 2008/2009 trafen der Hamburger SV und der SV Werder Bremen satte viermal innerhalb von drei Wochen aufeinander. Die Grün-Weißen spuckten dem bis dato erfolgreichen HSV ordentlich in die Suppe © Baering/imago

Beide Teams schenkten sich nichts in einem heiß umkämpften Pokal-Fight. Per Mertesacker traf bereits in der 11. Spielminute zur Führung für Werder Bremen. Dem HSV gelang erst durch einen erstklassigen Abschluss von HSV-Legende Ivica Olic, der später einen HSV-Profi am Flughafen erkannte, der Ausgleich. David Jarolim sah aufgrund eines rüden Einsteigens in der Nachspielzeit der Verlängerung (`90+2) noch die Rote Karte. Das anschließende Elfmeterschießen entschied der SV Werder Bremen mit 3:1 für sich, zog ins DFB-Pokal-Finale ein und kürte sich anschließend mit einem 1:0 Sieg gegen Bayer 04 Leverkusen zum DFB-Pokal-Sieger 2009.

UEFA-Pokal-Hinspiel im Halbfinale am 30. April 2009: HSV revanchiert sich für das DFB-Pokal-Aus

Während die Niederlage im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den Konkurrenten aus Bremen vielen HSV-Anhängern noch zusetzte, stand bereits nur acht Tage später das nächste Derby auf dem Programm. Im damals noch praktizierten UEFA-Pokal (seit 2009/10 Europa League) mussten die Rothosen im Weserstadion anreisen. Werder gewann in der Ersten Bundesliga zuvor mit einem 3:2 gegen den VfL Bochum, während der HSV mit einem 2:0 gegen Borussia Dortmund verlor. Heute hängen die Rothosen den FC Bayern München sowie Borussia Dortmund mit einem Top-Wert ab.

„Jetzt geht denen noch mehr die Flöte.“

Ex-Werder-Torwart Tim Wiese nach dem 3:1 Sieg gegen den HSV im NDR

In der Bundesliga-Tabelle nach dem 29. Spieltag und vor dem UEFA-Pokal-Hinspiel belegte der HSV den dritten Tabellenplatz. Werder konnte trotz des Sieges keine Meter erzielen und blieb auf dem zehntenTabellenplatz. Somit wollten die Rothosen nicht nur ihre Liga-Überlegenheit demonstrieren, sondern auch Rache am Rivalen für das Ausscheiden im DFB-Pokal nehmen. Mit einem Tor von Ex-HSVer Piotr Trochowski, der in der 29. Spielminute das 1:0 erzielte, sicherte sich der HSV einen wichtigen Sieg und letztlich die Chance auf den Einzug ins UEFA-Pokal-Finale. Fun-Fact: Der ehemalige HSV-Stürmer Martin Harnik, der sich vor kurzem über den HSV äußerte, spielte damals für Werder Bremen. Damals war er gerade einmal 22 Jahre jung.

UEFA-Pokal-Rückspiel im Halbfinale am 7. Mai 2009: Papierkugel entscheidet das dritte Duell zwischen dem HSV und Werder Bremen

Der HSV konnte dank des Sieges im Hinspiel des UEFA-Pokal-Halbfinales sieben Tage zuvor gegen Werder Bremen mit breiter Brust in die Partie gehen. Wie in den beiden vorherigen Derbys schenkten sich die beiden Rivalen nichts. Der HSV drückte aufs Gas und erzielte folgerichtig das 1:0 in der zwölften Spielminute durch HSV-Sturmlegende Ivica Olic. Doch den Rothosen war deutlich anzumerken, dass die Kraft und Bissigkeit der letzten Duelle, nicht mehr vorhanden waren. Zahlreich erarbeitete Chancen wurden liegengelassen, sodass Bremens Diego in der 29. Minute zum 1:1-Halbzeitstand ausgleichen konnte.

„Ich kann Bremen nicht mehr sehen.“

Ex-HSV-Trainer Martin Jol im NDR

Lange schluderte das Spiel vor sich hin, ehe Claudio Pizarro in der 66. Minute das Führungstor für Bremen erzielen konnte. Der HSV hatte keine Mittel und am Ende sorgte eine Papierkugel für die Entscheidung. Der Treffer zum 3:1 durch den heutigen Werder Bremen-Sport-Geschäftsführer Frank Baumann war durch eine total verrückte Situation zustande gekommen. Michael Gravgaard wollte einen Rückpass zu Ex-HSV-Torwart Frank Rost spielen, der die Rothosen vor kurzem kritisierte, doch der Ball fand durch eine Papierkugel, die sich auf dem Platz befand, nicht das Ziel.

Der Ball rollte statt zu Torhüter Ros ins Toraus. Die darauffolgende Ecke bescherte dem HSV den 1:3-Rückstand und einen Nackenschlag im hart umkämpften Pokal-Fight. Ivica Olic konnte mit seinem Kopfballtor nur fünf Minuten später zwar ein wenig Ergebniskosemtik betreiben, für ein Weiterkommen und dem Einzug ins UEFA-Pokal-Finale reichte es am Ende jedoch nicht. Trotz der Überlegenheit der Rothosen im Ligabetrieb hatte der SV Werder Bremen dem HSV nach dem DFB-Pokal-Aus mal wieder ordentlich in die Suppe gespuckt.

31. Bundesliga-Spieltag am 10. Mai 2009: Der HSV kann Liga-Überlegenheit zum dritten Mal nicht nutzen

Der HSV spielte in der Tabelle der Ersten Bundesliga um die Champions League-Plätze mit, während Werder Bremen auf Tabellenplatz zehn alles daran setzte, die sportliche Situation in der Liga zu verbessern. Nach drei Siegen in vier Spielen gegen die Rothosen war man in Bremen guter Dinge. Doch für den HSV waren die wichtigsten Partien bereits entschieden. Aus im DFB-Pokal und dem UEFA-Pokal – und das ausgerechnet gegen den Nordrivalen aus Bremen. Mit einem Sonny Kittel und seinem derzeitigen Höhenflug wären diese Spiele vielleicht ganz anders verlaufen.

24hamburg.de-Newsletter

Im Newsletter von 24hamburg.de stellt unsere Redaktion Inhalte aus Hamburg, Norddeutschland und über den HSV zusammen. Täglich um 8:30 Uhr landen sechs aktuelle Artikel in Ihrem Mail-Postfach – die Anmeldung ist kostenlos, eine Abmeldung per Klick am Ende jeder verschickten Newsletter-Ausgabe unkompliziert möglich.

So aber empfing der SV Werder Bremen am 31. Spieltag in der Saison 2008/09 den HSV im Weserstadion. Vor 42.100 Zuschauern wollten beide Teams noch einmal alles investieren. Am Ende investierte jedoch nur Bremen – und zwar in die Offensive. Hugo Almeidas Doppelpack besiegelte die dritte Niederlage im vierten Spiel für den HSV (0:2) und Werder Bremen kürte sich trotz der unterschiedlichen Tabellenkonstellation zum wahren Derby-Herrscher des Fußball-Nordens. Die Rothosen wirkten müde und ausgelaugt, sodass auch dieses Ergebnis für die meisten völlig in Ordnung gewesen ist. *24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare