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„Der Fisch stinkt immer vom Kopf“: Ewald Lienen kritisiert HSV-Führung – warum?

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Von: Jan Knötzsch

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Der HSV und der FC St. Pauli sind sich seit jeher nicht grün. Nicht nur die Fans, sondern auch die Clubs selbst sticheln gerne mal. So wie Ewald Lienen.

Hamburg – Mit Nachbarn ist das so eine Sache. Klar, man kann nette erwischen, mit denen man sich bestens versteht. Mit denen man gerne mal zusammensitzt, vielleicht mal gemeinsam grillt – wenn das Wetter in Hamburg, wo die Frage nach der drohenden Sahara-Hitze inzwischen beantwortet ist, es zulässt. Kurzum: Menschen, die einem wohl gesonnen sind und helfen, wo es nur geht. Nicht ausgeschlossen aber auch, dass man Nachbarn erwischt, mit denen es gar nicht klappt. Mit denen es Zoff gibt. Letzteres wird auch bei Fußballvereinen immer mal wieder gerne aus der Kiste hervorgeholt, wenn es um Rivalität unter den Nachbarn geht.

Der Hamburger SV und der FC St. Pauli sind ein gutes, in der Hansestadt Hamburg omnipräsentes Beispiel. Die Rothosen und die Braun-Weißen – sie mögen sich einfach nicht. Der Kampf um die Herrschaft in Hamburg lässt grüßen. Und wird bisweilen auch gerne mal von den Verantwortlichen sowohl im Volksparkstadion als auch am Millerntor verbal befeuert. Derjenige, der nun wieder ein bisschen zündelt, ist Ewald Lienen.

Ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer:Ewald Lienen
Geboren:28. November 1953 (Alter 68 Jahre), Schloß Holte-Stukenbrock
Ausgeübte Funktionen beim FC St. Pauli:Cheftrainer, Technischer Direktor, Marken- und Wertebotschafter
Ehepartnerin:Rosi Lienen

Kritik aus Reihen des FC St. Pauli: Ewald Lienen schoss schon während seiner Zeit auf dem Kiez gegen den HSV

Der Mann, von dem man getrost behaupten darf, er ist so etwas wie eines der stets vorhandenen, meinungsstarken „Tiere“ in der deutschen Fußball-Szene, hat erst in der jüngeren Vergangenheit über den HSV gespottet und darüber hinaus auch zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Oliver Bierhoff mehr als deutlich seine Meinung gesagt. In Sachen Rivalität in Hamburg zwischen dem HSV und seinem ewig jungen Widerpart aus dem Stadtteil St. Pauli ist nach Lienens Verbal-Ausbruch Corny Littmann quasi in die Fußstapfen von „Zettel-Ewald“, wie Lienen einst als Trainer genannt wurde, getreten. Littmann, auf der Reeperbahn und rund herum bekannt wie der berühmte bunte Hund, stichelte gegen den HSV und erklärte, der FC St. Pauli habe bereits längst die Macht in Hamburg übernommen.

Im Hintergrund das leere Volkspsrkstadion. Davor Ewald Lienen. Im kleinen Bild rechts oben ein toter Fisch und das HSV-Logo.
Der Ex-St. Paulianer Ewald Lienen geht mit der Führungsetage des HSV hart ins Gericht – und spricht vom Fisch, der am Kopf stinkt. (24hamburg.de-Montage) © Nicolas Armer/dpa & Poolfoto/Oliver Langel/imago

Das war zu einer Zeit, als der FC St. Pauli in der Tabelle der Zweiten Bundesliga die Nase vor dem HSV hatte, der aktuell wegen Amadou Onana auf einen großen Geldregen hoffen darf. Das Ende vom Lied ist bekannt: Auch wenn der HSV im Rückspiel der Relegation gegen Hertha BSC Berlin patzte und so den langersehnten Aufstieg in die Bundesliga wieder einmal verspielte, stand die Mannschaft von Trainer Tim Walter am Ende im Zweitliga-Klassement vor dem FC St. Pauli, bei dem nun Oke Göttlich der erste hauptamtliche Präsident wird. Kurzum: Der HSV hat die Verhältnisse in Hamburg im letzten Drittel der Saison mal eben wieder umgedreht und sie auf jenes Szenario zurückgestellt, das man kennt. Zu viel des Guten für jeden St. Paulianer?

Ewald Lienen würdigt sportliche Leistung des HSV: Tim Walters Team für ihn Favorit in der neuen Saison

Ja und nein. Logisch: Niemand sieht es gerne, wenn ausgerechnet der Konkurrent aus der eigenen Stadt, mit dem man unter Umständen noch ein kleines bisschen mehr im Wettbewerb steht als mit allen anderen, vor einem selbst landet. Dennoch: Auch auf St. Pauli erkennt man den Erfolg des Lokalrivalen an, zollt ihm entsprechend Respekt – und hebt ihn dann auch noch eben schnell aufs Favoritenschild. So wie Sky-Experte Torsten Mattuschka – für „Tusche“ ist der HSV Top-Favorit auf den Aufstieg, sieht auch Ewald Lienen, der dem FC St. Pauli nach Funktionen als Trainer, Technischer Direktor und zuletzt Markenbotschafter gerade erst den Rücken gekehrt hat, im HSV den Top-Anwärter auf den Sprung in die Erste Liga.

Doch der Ex-St. Paulianer schränkt seine Wertschätzung für den HSV auch gleich wieder ein wenig ein, wenn er – wie jüngst bei Sky geschehen – auch die Bundesliga-Absteiger Greuther Fürth und Bielefeld als Aufstiegsanwärter mit in die Verlosung wirft. Aus sportlichen Gesichtspunkten nachvollziehbar. Doch so sehr Ewald Lienen den HSV fußballerisch inzwischen wertschätzt: An anderer Stelle ist er mehr als nur kritisch. Dabei geht es um die Führungsebene des HSV. „Dass der HSV seit vielen Jahren nicht in der Ersten Liga spielt, hat nicht nur mit dem Trainer und dem Kader zu tun. Der Fisch stinkt immer vom Kopf“, hat der TV-Experte und ehemalige FC St.-Pauli-Trainer vorm Start der Saison in der Zweiten Bundesliga in einem Talk-Format von Sky gesagt.

HSV-News: Ex St. Paulianer Ewald Lienen attackiert Führungsetage des HSV – vor allem Jonas Boldt bekommt es ab

Was Ewald Lienen am HSV stört und was er meint, liegt dabei für all die, die sich mit dem Verein aus dem Volkspark beschäftigen, nahe – zumindest der aktuellste Fall: Lienen spricht vom Konflikt zwischen HSV-Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel, der damit endete, dass Michael Mutzel beim HSV entmachtet und degradiert worden ist. Er darf zwar noch an den Transfers mitbasteln und Spieler nach Hamburg lotsen, die den Kader von HSV-Trainer Tim Walter verstärken sollen – mehr aber auch nicht.

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Auf die Mannschaft selbst hat Michael Mutzel beim HSV während der kommenden Saison dann keinen Einfluss mehr. Wie Boldt vor geraumer Zeit erklärte, ist sogar die HSV-Kabine inzwischen Sperrzone für Michael Mutzel. Eine klare, aber eben auch harte Entscheidung, die – so erzählt man es sich nicht nur hinter vorgehaltener Hand – viele in der Branche nicht verstehen. Dazu zählt auch Ewald Lienen, der unmissverständlich sagt: „Wenn ich so etwas mache, dann mache ich das unter vier Augen. Wenn ich das in aller Öffentlichkeit mache, dann ist das ein fatales Zeichen für die Kommunikationskultur innerhalb eines Vereins.“

Na, wenn das mal keine klare Kritik vom (Ex-)Nachbarn an die Adresse des HSV und vor allem an die von Jonas Boldt ist ...

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