Zwischenfazit der Freibad-Saison

„Nicht berauschend“: Freibäder zwischen Jojo-Wetter, Personalmangel und Blaualgen

  • VonSteffen Maas
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Die Freibäder in Hamburg leiden unter wechselhaftem Sommer-Wetter. Manche kämpfen zudem mit Personalmangel, manche mit der Flora und Fauna.

Hamburg – Eigentlich ist der Sommer die Zeit, in der man faul in der Sonne liegt, sich ans Wasser legt und einfach mal abschaltet. Klar, wenn man im Freibad arbeitet, so wie Michael Dietel, bedeutet Sommer eher mehr Arbeit als weniger. Doch selbst für die Verhältnisse einer Freibad-Saison hat der Pressesprecher vom Hamburger Bäderland überdurchschnittlich viele Themen auf der Agenda. Personalmangel, Corona, Gaskrise und Jojo-Wetter – das schreit nicht nach einem sorglosen Sommer unter der August-Sonne. Und er muss sich – im Vergleich zu den Betreibern der Hamburger Naturbäder – nicht mal Gedanken über Zerkarien und Blaualgen machen …

Name:Bäderland Hamburg
Art:städtische Betreibergesellschaft
Standorte:27
Mitarbeitende:459
Besucherzahl:4,4 Millionen

Freibad-Saison in Hamburg: Viele Nebenschauplätze beim Bäderland

„Nicht berauschend“ laufe die Saison, zieht Michael Dietel im Gespräch mit 24hamburg.de ein Mini-Zwischenfazit. Dabei hat man das Gefühl, dass man, bevor man aufs Kerngeschäft zu sprechen kommt, eine ganze Reihe eher unsommerlicher Themen abarbeiten muss. Die Minderung des Energieverbrauches und Reduzierung der Wassertemperatur aufgrund der Gaskrise etwa sei Thema, „aktuell aber noch etwas weniger als im kommenden Herbst“.

Das Wasser werde ausgleichend stark durch die Sonne erhitzt, die Hallengebäude müssten sowieso nicht so stark beheizt werden und könnten zudem die warme Außenluft ansaugen. Die Saunen im ganzen Bäderland sind zurzeit geschlossen, „was beim Gas sparen einen guten Nebeneffekt hat“, wie Dietel protokolliert.

Bäderland Hamburg: Lieber Freibad als Sauna

Geschlossen ist der Sauna-Betrieb aber hauptsächlich, weil schlicht das Personal fehlt. Da müssen die Verantwortlichen auch eventuell unliebsame Abwägungen treffen: „Unterm Strich machen wir eine größere Zahl an Besuchern happy, wenn wir das Personal in die Freibäder schicken.“

Ins Wasser fällt die Freibad-Saison in Hamburg nicht – doch das Wetter, Personalprobleme und Naturphänomene machen den Betreibern Sorgen. (Symbolbild)

Dort fehlen am Beckenrand aber auch nach wie vor die Bademeister. Pressesprecher Dietel freut sich über eine Vielzahl qualifizierter Bewerber, die nach dem ursprünglichen SOS ihre Bewerbung eingereicht haben und helfen wollten. Bewerbungen und Einstellungen liefen auch nach wie vor „auf Hochtouren“.

Bademeister und Corona: Personalmangel am Beckenrand

Doch es folgt ein „aber“, ohne das man in diesem Sommer 2022 in der Hansestadt Hamburg wohl nicht auskommt: „Viele wollen oder können nur in Teilzeit arbeiten.“ Bei 40 bis 50 Vollzeitstellen, die gerade besetzt werden könnten, bleibt also weiterhin ein riesiges Loch, auch wenn man sich natürlich über jede Hilfe freut.

„Den ganz großen Bedarf können wir so leider nicht decken“, bedauert Michael Dietel. Ein anhaltender Spielverderber im Personal-Puzzle ist zudem der Coronavirus. Das sei nach wie vor Thema und regelmäßig verschwinden Mitarbeiter in fünf Tage andauernde Isolation – egal, ob tatsächlich erkrankt oder symptomfrei.

Freibad-Saison beim Bäderland – „Keine Rekordzahlen“

So richtig trennen kann man diese Nebenschauplätze vom Kerngeschäft nie – etwa, weil man aufgrund des Personalmangels die Freibad-Saison verspätet einläuten musste –, doch selbst wenn man nur den Besucherandrang in den reinen Außenbädern betrachten würde … „Wir schreiben jetzt nicht gerade Rekordzahlen“, gibt Dietel zu. Schuld ist, natürlich: das Wetter.

Klar, bei 40 Grad kommen die Leute sofort, weil sie wirklich keine andere Chance mehr haben, sich abzukühlen.

Michael Dietel, Pressesprecher des Hamburger Bäderlandes

Doch auch wenn in der Hansestadt in diesem Sommer Hitze-Rekorde gebrochen wurden: Irgendeine Form von Beständigkeit sucht man als Hamburger Hobby-Meteorologe vergeblich. „Die große Zahl der Besucher kommt erst, wenn das Wetter zwei, drei Tage lang konstant gut war“, erklärt Dietel die Gegebenheiten von Ebbe und Flut der Besucher-Wellen. Unter 22 Grad sei prinzipiell wenig los, auch, wenn es bedeckt oder wolkig sei. „Da sind wir ganz klassisch wetter-abhängig in Hamburg“, so der Pressesprecher.

Wenn das Wetter mitspielt, geht die Freibad-Saison in die Verlängerung

Doch ganz klassisch-hamburgisch ist man beim Bäderland auch flexibel, was das Wetter angeht: „Wenn wir merken, dass es im September gut werden soll, dann werden wir sicher in die Verlängerung gehen“, sagt der Pressesprecher über die Freibad-Saison, die traditionell bis zum Ende August geht. „Die Abrechnung wird dann am Ende gemacht.“

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Für die endgültige Bilanz des Bäderlandes sei das, erinnert er, dabei gar nicht so wahnsinnig einflussreich. „Unser Hauptgeschäft findet ganzjährig unabhängig vom Wetter statt: Schwimmunterricht, Hallenbetrieb, Sportschwimmer.“ Viele reine Freibäder hätten da viel größere Sorgen beim Blick in den Himmel.

Strandbad Farmsen mit bis zu 2000 Besuchern am Tag – bei Sonne

Das bestätigt Denise Schebitz vom Strandbad in Farmsen: „Als reines Freibad sind wir natürlich sehr abhängig vom Wetter.“ Vor den Sommerferien sei das Wetter sehr gut, der Besucherzulauf zufriedenstellend gewesen – jetzt spiele das Wetter leider nur an vereinzelten Tagen mit. „An den sehr heißen Tagen hatten wir bis zu 2000 Besucher am Tag“, freut sich Schebitz jedoch.

Sie bestätigt zudem Dietels Beobachtung des Wetter-misstrauenden Badegastes: „Erfahrungsgemäß dauert es nach einem Regentag zwei, drei Tage, bis die Besucheranzahl auch bei gutem Wetter wieder zunimmt.“

Wir sind daher gespannt, was der August für uns bereithält.

Denise Schebitz, Strandbad Farmsen

Naturbad Kiwittsmoor: 80 Prozent weniger Gäste wegen Zerkarien-Angst

Immerhin: Probleme mit der Wasserqualität oder ungewollten Naturphänomenen wie Blaualgen oder Zerkarien habe man im Strandbad Farmsen nicht. Das kann man im Naturbad Kiwittsmoor in diesem Jahr bekannterweise nicht behaupten. Die Wasserqualität ist auch dort anstandslos – doch gegen einen plötzlichen Befall von kleinen Saugwürmer-Larven, den sogenannten Zerkarien, schützt keine Vorsichtsmaßnahme oder Wasserprobe zu hundert Prozent.

Klar, auch Dirk Pommerening, Vorsitzender des Hamburger Turnerbundes, die Betreiber des Naturbades sind, attestierte dem diesjährigen Wetter keine ausnahmslose Sommer-Qualität. Das habe sicherlich nicht gerade geholfen, doch für den Besucherschwund macht er klar den aggressiven Zerkarien-Befall verantwortlich. Etwa 80 Prozent weniger Badegäste als in vergangenen Jahren bedeuten eine absolute Horror-Freibad-Saison für Pommerening und das Naturbad. Damit es in Kiwittsmoor weitergeht, müssen wahrscheinlich Ideen für zusätzliche Einnahmequellen herangezogen werden: Man überlege derzeit, ob sich kleinere Veranstaltung auf dem gemütlichen Gelände realisieren lassen.

Umweltbehörde: Zerkarien und Blaualgen schwer vorherzusagen

Doch nicht nur das Naturbad Kiwittsmoor hatte mit ungebetenen Gästen aus Flora und Fauna zu kämpfen, wie die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), die für die Kontrolle der Hamburger Badegewässer zuständig ist, auf 24hamburg.de-Anfrage mitteilt. Ab Wassertemperaturen von 20 Grad sei „grundsätzlich damit zu rechnen“, dass Zerkarien und Blaualgen auftreten können, erklärt Behördensprecherin Renate Pinzke.

Ein bis vier Badegewässer seien dabei erfahrungsgemäß pro Saison von Zerkarien betroffen. Eine Regelmäßigkeit sei dabei aber nicht zu erkennen: So wäre in den vergangenen Jahren am ehesten das Naturbad Stadtparksee in dieser Hinsicht auffällig gewesen, in dieser Saison gäbe es hier allerdings keine Vorkommnisse, berichtet die Pressesprecherin.

Öjendorfer See noch wegen Blaualgenblüte gesperrt

Auch das massive Auftreten von Blaualgen sei stark temperaturabhängig und daher sehr schwer vorherzusagen. Die Pflanzen können allerdings auch von Windverhältnissen profitieren, die die Algen im Uferbereich zusammentragen. Im Gegensatz zu den Zerkarien kann bei Blaualgen zumindest ein gezielter Test stattfinden: Liegen die Ergebnisse im roten Bereich, sperrt die BUKEA das Bad – „aus gesundheitlichen Vorsorgegründen“. Aktuell betrifft das etwa den Öjendorfer See, zuletzt war auch der See Hinterm Horn gesperrt.

Entsprechende Warnhinweise sowie Tipps und Tricks zum richtigen Verhalten oder dem Erkennen von Gefahren finden Badegäste und Neugierige auf der offiziellen Badegewässer-Seite der Behörde.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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