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Zum Energiesparen: Bleibt der Kiez bald dunkel? „Das Ganze ist ein Problem“

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Von: Bona Hyun

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Lichter aus auf dem Kiez ab 22 Uhr – das sieht die Stadt Hamburg als Maßnahme zum Sparen von Energie vor. Betroffene reagieren verunsichert.

Hamburg – Für Clubbetreiber und Feiernde auf dem Kiez stehen dunkle Zeiten an. Schon wieder. Dabei erwacht die Party- und Amüsiermeile im Stadtteil St. Pauli nach den Problemen, die die Corona-Zeit mit sich gebracht hat, gerade erst wieder mehr und mehr richtig zum Leben, Nun sollen – um Energie zu sparen – sämtliche Betriebe in Hamburg wie Clubs, Theater, Kinos, Bars, Tankstellen und der Einzelhandel ihre Außenwerbung mit Wechsellicht ab 22:00 Uhr einstellen.

Auf der Reeperbahn gäbe es viele solcher Anlagen, die ausgeschaltet werden müssten. Wird es also bald nachts um die Kneipen oder Diskotheken auf St. Pauli, wo das Tagesgeschäft erst nachts beginnt, dunkel? „Für Vergnügungsviertel ist das Ganze ein Problem“, sagt Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) dem Hamburger Abendblatt.

Bisher wurde das Vorhaben zumindest noch nicht flächendeckend umgesetzt. Kommt‘s soweit?

Zentrale Straße im Vergnügungs- und Rotlichtviertel Hamburg:Reeperbahn
Länge:930 m
Standort:Sankt Pauli
Bekannt für:Nachtleben, Prostitution

Energie sparen in Hamburg: Auf der Reeperbahn könnte es nachts bald dunkel werden

Hintergrund der Regelung, die Leuchtreklamen abzuschalten, ist die die am ersten 1. September in Kraft getretene „Verordnung zur Sicherung der Energieversorgung über kurzfristig wirksame Maßnahmen“ von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Darin heißt es unter anderem, dass „der Betrieb beleuchteter oder lichtemittierender Werbeanlagen von 22 Uhr bis 16 Uhr des Folgetages untersagt“ ist. Zielsetzung ist die kurzfristige Einsparung von Energie zur „Stärkung der Vorsorge“. In Hamburg hatte es zuletzt schon Ärger gegeben, weil Hamburgs Blue Port auch tagsüber leuchtete und so – das war der Vorwurf – Strom verschwendet werde.

Eine nicht beleuchtete Stelle der Reeperbahn im Hamburger St. Pauli
Wird es bald nachts dunkel auf der Reeperbahn? Hamburg ordnet an, als Sparmaßnahme die Werbeanlagen ab 22:00 Uhr auszuschalten. © Daniel Bockwoldt/dpa

Wird es bald auf der Reeperbahn zum Energiesparen nachts dunkel? Erste Reaktionen sind kritisch

Lars Schütze, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) St. Pauli, geht laut Abendblatt allerdings davon aus, dass die Lichter in St. Pauli vermutlich an bleiben, da an einigen Stellen der Verordnung noch nachjustiert werden müsse. „Ich habe das Gefühl, dass das Ganze ein Schnellschuss ist und dass da noch einiges überarbeitet werden muss“, erklärt Schütze via Abendblatt.

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Hauptgeschäftsführer Malte Heyne von der Handelskammer in Hamburg weist darauf hin, dass diese „kleinteilige Verordnungen“ nicht hilfreich, sondern einschränkend für die Betriebe sind. Das würde Handel, Tourismus und Freizeitwirtschaft bei der Wiederaufnahme ihres Geschäfts nach Corona belasten.

Werbeanlagen sollen nach 22:00 Uhr ausgeschaltet werden – Restaurants und Hotels verunsichert

Auch Hotels und Restaurants sind von der Maßnahme betroffen und reagieren verunsichert. Noch ist unklar, ob die Namensschilder an den Außenfassaden ebenfalls abgeschaltet werden müssen. Diese würden laut Ulrike von Albedyl, der Hamburger Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), der Sicherheit und Sichtbarkeit und nicht der Werbung dienen. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) hält es deshalb erforderlich, bei der Verordnung nochmal „nachzujustieren“.

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Der Hamburger Einzelhandel hat bereits mit Sparmaßnahmen reagiert und teilweise auf sparsame LED-Beleuchtung umgestellt. Trotzdem gebe es laut City-Managerin Brigitte Engler ebenfalls eine „große Unsicherheit“, wie sie gegenüber dem Abendblatt erwähnte. Die Hamburger Geschäfte seien bezüglich der Umsetzung noch in der Orientierungsphase. Im Zuge der Energiesparmaßnahme wurde in Hamburg die Alsterfontäne ausgeschaltet. Möglich ist es zudem auch, dass die Elbphilharmonie nachts nicht mehr leuchtet, was die CDU als Maßnahme zum Energiesparen gefordert hat.

Licht aus auf dem Kiez, um Energie in Hamburg zu sparen – drohen Bußgelder bei Verstoß?

Die Stadt Hamburg könne bei Verstößen nach dem Gefahrenabwehrrecht ahnden und Zwangsgelder vollstrecken. Jedoch gebe es bisher keine Sanktionierungsmechanismen, wie ein Sprecher Bundeswirtschaftsministerium dem Abendblatt mitteilte. Bußgelder seien nicht festgelegt worden. Es sei Sache der Länder, die Vorgaben umzusetzen. „Wir sind in Gesprächen mit den Ländern, wenn die Umsetzung nicht ausreichend erfolgt, werden wir nachsteuern“, lautet ein Statement einer weiteren Sprecherin.

Von der Umweltbehörde gibt es zudem noch keine Auskunft, wer in Hamburg die Verstöße kontrollieren würde. Noch also tappen alle im Dunkel – obwohl vielerorts die Lichter noch leuchten.

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