Kampf der Sprache

CDU-Chef gegen SPD und Grüne: Zoff ums Gendern an Hamburgs Schulen

  • Christian Einfeldt
    VonChristian Einfeldt
    schließen

Das Gender-Sternchen wird an Hamburger Schulen verwendet - entgegen der offiziellen Regelungen. CDU-Chef Christoph Ploß wehrt sich dagegen.

Hamburg – Die Gender-Debatte macht auch vor Hamburgs Schulen keinen Halt. Unbeirrt trägt die Forderung nach einer diskriminierungsfreien Sprache jetzt auch im Schulbetrieb Früchte. Nachdem Katharina Fegebank vor wenigen Wochen das Gendern in Hamburgs Behörden durchgesetzt hatte, setzen in Hamburgs immer mehr Schulen auf die gendergerechte Sprache. Für Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß ist es ein weiteres Ärgernis. Statt Gender-Sprache fordert der Politiker „korrektes Deutsch“. Es ist nicht das erste Mal, dass er dem Gendern den Kampf erklärt.

Stadt:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,841 Millionen (2019)
Bürgermeister:Peter Tschentscher

Hamburgs Schulbehörde fordert die Einführung einer diskrimierungfreien Sprache

Einige Schulen verwenden bereits konkrete Gender-Sprache und zwar je nach Gusto: In der Schule Burgweide ist die Rede von „Streitschlichter*innen“ und „Elternmentor*innen“, im Kant-Gymnasium stellen „Schüler*innen“ Bilder vor und auch die Grundschule Knauerstraße setzt auf sprachliche Diversität, wenn es heißt: „Gute Reise, liebe Viertklässler*innen“. Eindrücke aus dem Schulalltag belegen: In Hamburgs Schulen wird wie selbstverständlich gegendert.

Damit folgen sie einer Entwicklung, die sich unlängst auch in anderen Bereichen des Lebens durchsetzt. Die Lufthansa machte kürzlich erst Schluss mit „Willkommen an Bord, meine Damen und Herren“ und selbst die Bundeswehr möchte mit der Umbenennung der „Einmannpackung“ ihren Beitrag zu einer Sprache leisten, die alle Geschlechter anspricht.

Für Gender-Sprache gibt es keine offizielle Regelung an Hamburgs Schulen

Die Hamburgs Schulbehörde hat für den Schulbetrieb allerdings bisher lediglich mehrere Empfehlungen zu einer diskriminierungsfreien Sprache ausgerufen: „Lehrerinnen und Lehrer“ sollen zukünftig als „Lehrkräfte“ oder „Lehrende“ bezeichnet werden, „das Lehrerzimmer“ könnte schon bald nur noch als „Raum für das schulische Personal“ bekannt sein. Darüber hinaus wird empfohlen nicht mehr von „Erzieherinnen und Erzieher“ zu sprechen, sondern von „Erziehungspersonal“. Aber: Empfehlungen oder Anweisungen zu gender-gerechten Schreibweisen, zum Beispiel mit Gender-Sternchen, gibt es nicht.

Auch in Hamburgs Schulen wird gegendert. (Symbolbild)

Hamburgs Schüler lernen im Unterricht, diskriminierungsfrei zu formulieren

Mit der Einführung der diskriminierungsfreien Sprache in Schulen verfolgt Hamburgs Schulbehörde ein klares Ziel: Es soll ein respektvoller Umgang geschaffen werden, der alle Geschlechter gleichermaßen anspricht. „Eine geschlechtergerechte Formulierung ist deshalb ein wichtiger Beitrag, um die Gleichstellung der Geschlechter durchzusetzen“, heißt es etwa in der offiziellen Erklärung der Behörde für Schule und Berufsbildung in Hamburg.

Nach der deutschen Rechtschreibung ist die Verwendung von Sternchen oder einem Doppelpunkt nicht zulässig – gilt aktuell also offiziell als falsch. Eine Ausnahme bestehe nur dann, wenn im Unterricht Gender-Themen behandelt werden. Dann können auch in schriftlichen Arbeiten die Gender-Zeichen zitierend verwendet werden, „ohne dass diese als Fehler gekennzeichnet werden“. Doch auch weiterhin gilt offiziell: Hamburgs Schüler lernen „die weibliche und männliche Form oder geschlechtsneutrale Bezeichnung zu verwenden“. Also: Der, die, das bleibt erstmal.

CDU-Chef Christoph Ploß: „Gendersprache hat an Hamburgs Schulen nichts verloren“

Vielen Politikern und Prominenten ist die Gender-Sprache seit jeher ein Dorn im Auge. Laut Politikjournalist Heiner Bremer macht die Gender-Debatte die Gesellschaft kaputt und Scooter-Frontmann H.P. Baxxter findet Gender einfach „zum Kotzen“*. Doch der wohl größte Gender-Kritiker ist und bleibt Hamburgs CDU-Politiker Christoph Ploß.

Erst vor wenigen Wochen wollte Hamburgs CDU-Chef das Gendern per Gesetz verbieten lassen*. Nun platzt ihm erneut der Kragen: „Es reicht! Es kann doch nicht der Ernst von SPD und Grünen sein, dass jede Schulklasse ihren eigenen Gendersprech formuliert“, sagte der 36-jährige Politiker.

Seine Forderung macht er unmissverständlich klar: „Alle Schüler sollen korrektes Deutsch lernen, eine künstliche Gendersprache hat an Hamburgs Schulen nichts verloren.“ Inwiefern seine Worte Einfluss haben werden, ist aktuell mehr als fraglich. Erst vor kurzem forderte Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock eine gendergerechte Sprache in Gesetzestexten* und selbst vor dem „Santa Fu“-Gefängnis hing zum CSD 2021 eine Regenbogenfahne, um ein Zeichen für Diversität zu setzen. *24hamburg.de und kreiszeitung.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare