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Zockt OTTO Kunden ab? Verbraucherzentrale klagt gegen Inkasso-Gebühren

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Von: Lisa Klein

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Der Verbraucherschutz wirft dem OTTO-Versand vor, durch ein Inkassounternehmen Kunden mit einem fiesen Trick abgezockt zu haben.

Hamburg – Die Corona-Pandemie hat den Online-Handel noch beliebter gemacht, als er ohnehin schon war. Dadurch, dass in Deutschland monatelang die Läden durch den Lockdown geschlossen waren, wurde noch mehr als sonst im Internet bestellt. Wer viel bestellt, hat am Ende auch viele Rechnungen. Vor allem, wenn keine Zahlungserinnerung per Mail oder SMS kommt, gehen offene Rechnungen schnell mal unter. Wer es versäumt, seine Rechnung fristgerecht zu begleichen, wird in der Regel früher oder später durch ein Inkasso-Unternehmen kontaktiert – und das wird dann ganz schön teuer.

Die Otto-Group hat dafür eine Tochterfirma, welche sich auf dieses Gebiet spezialisiert hat. Die „Eos Investment GmbH“ ist ein Inkassounternehmen mit Sitz am Steindamm in St. Georg, Hamburg. Das Eos-Inkassounternehmen treibt dabei nicht nur das Geld von Otto-Kunden ein, sondern arbeitet in insgesamt in 26 Ländern für andere Unternehmen als Geldeintreiber.

Otto-Group:Otto (GmbH & Co KG), deutsches Handels- und Dienstleistungsunternehmen
Sitz:Hamburg
Gründung:17. August 1949
Mitarbeiter:Rund 52.000 Mitarbeiter weltweit
Bereiche:Einzelhandel, Finanzierung, Logistik, Versandhandel

Abzocke bei OTTO: Verbraucherschutz reicht Klage gegen Inkassogebühren ein

So weit, so gut – schließlich müssen Rechnungen beglichen werden und irgendjemand muss den Miese-Peter spielen. Doch nun gibt es einen vermeintlichen Abzock-Skandal um die Inkassofirma der Otto-Group. Wie die Hamburger Morgenpost (MOPO) berichtet, haben Verbraucherschützer nun eine Musterfeststellungsklage eingereicht, weil die Geldeintreiber den Kunden dabei oft selbst bei geringen Schulden exorbitant hohe Inkassogebühren aufbürden. Möglicherweise zu Unrecht.

Patrick Langer, Referent für Musterfeststellungsklagen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen, erklärt den Hintergrund der Abzock-Klage gegenüber der MOPO: „Uns geht es um die Inkassogebühren, die Eos nach unserer Überzeugung künstlich in die Höhe treibt.“

Pakete vom Otto-Versand.
Zockt der OTTO-Versand seine Kunden mit Inkasso-Gebühren ab? Der Verbraucherschutz bereitet eine Musterfeststellungsklage vor.   © Christian Charisius/dpa

Kunden abgezockt: Zu Unrecht exorbitante Inkassogebühren bei Otto-Versand?

Doch wie funktioniert diese „mutmaßliche Vetternwirtschaft“ bei der Otto-Group, mit der Kunden abgezockt werden? Die MOPO erklärt, der Otto-Versand beauftragt das Unternehmen Eos Investment damit, ausstehende Zahlung von Kunden einzutreiben. Da beide Unternehmen zur Otto-Group gehören, dürften dabei nur Mahngebühren erhoben werden, etwa in Höhe von 2,50 Euro.

Eos Investment wiederum reicht den Auftrag aber weiter an eine andere Tochterfirma, EOS Deutscher Inkassodienst GmbH (DID), welche dann als Tochter-Tochterfirma als Fremdunternehmen gegenüber der Otto-Group gilt. Und dieses Fremdunternehmen wiederum darf saftige Inkassogebühren erheben und nicht nur eine Mahngebühr. Der Verbraucherschutz sieht hier ganz klar eine Abzock-Masche. Kunden haben die Möglichkeit, sich dieser Musterfeststellungsklage, welche beim Hanseatischen Oberlangesgericht liegt, anzuschließen.

Hohe Inkassokosten für versäumte Zahlungen: Neues Inkassorecht deckelt Gebühren

Immerhin eine gute Nachricht gibt es zum Thema Inkassogebühren für Kunden: Die Zusatzkosten wurden zum 1. Oktober durch ein neues Inkassorecht gedeckelt, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Bisher haben Inkassofirmen – orientiert an den Gebühren von Rechtsanwälten – selbst bei Kleinforderungen bis 50 Euro in der Regel 76,44 Euro berechnen können, erklären die Verbraucherschützer. Heißt also, wer eine offene Rechnung von fünf Euro nicht beglichen hat, konnte bis zum 1. Oktober dafür mit Zusatzzahlungen von bis zu 76,44 Euro belangt werden. Künftig dürfen es seit dem 1. Oktober „nur noch“ maximal 32,40 Euro sein – also knapp die Hälfte.

Auch bei Forderungen über 50 Euro zieht der Gesetzgeber neuerdings einen Kostendeckel ein. So werden zum Beispiel bei einer Forderung von 500 Euro künftig in der Regel noch knapp 53 Euro an Inkassokosten fällig. Wer ein Schreiben bekommt, sollte die Kosten prüfen. Für Verbraucher gibt es übrigens noch eine gute Nachricht: Die Bundesnetzagentur hat Renditen für Netzbetreiber gesenkt, wodurch sich Strom- und Gaspreise entspannen.

Abzocke bei OTTO: Verbraucherschutz reicht Klage gegen Inkassogebühren ein

Doch zurück zu den Otto-Kunden: Denn trotz Deckelung, ist es in diesem Fall fragwürdig, ob überhaupt Inkassogebühren auf diese Art und Weise erhoben werden dürfen. Auch wenn EOS Deutscher Inkassodienst GmbH (DID) als Fremdunternehmen dargestellt wird, gehört Eos ja dennoch über mehrere Ecken zu Otto.

Gegenüber MOPO weist eine Eos-Sprecherin die Abzocke-Vorwürfe allerdings zurück. Schließlich werde sich an die Grenzen für Inkassogebühren gehalten. Ob die Otto-Group die Abzocke-Masche weiter durchziehen darf und die Klage vor dem Oberlandesgericht abgewiesen wird oder es womöglich doch zum Prozess aufgrund von „Vetternwirtschaft“ kommt, wird sich zeigen.

Zuletzt hat in Hamburg übrigens ebenfalls eine ausstehende Zahlung für reichlich Aufsehen gesorgt: Ein Mann hat in einem Bordell seine Rechnung nicht beglichen – daraufhin sind 15 Männer auf den Freier losgegangen. *hamburg24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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