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Wohnmobile blockieren Hamburgs Parkplätze – Anwohner nur noch genervt

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Von: Ulrike Hagen

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Hamburger gehen auf die Barrikaden, weil Camper und Wohnmobile im Winterschlaf Parkplätze dauerhaft blockieren. Doch ist das eigentlich erlaubt?

Hamburg – Die Camper-Welle, die seit der Corona-Pandemie unaufhaltsam rollt, hat Winterpause. Doch gerade das macht den Anwohnern der Hansestadt Hamburg zu schaffen. Denn als der Sommer ging, kamen die Wohnmobile zurück in die Stadt. In Massen. In Wohngebiete und in enge Straßen mit ohnehin schon spärlichem Parkplatzangebot. „Ohne Rücksicht auf Verluste“, wie viele erzürnte Hamburger inzwischen finden. Doch was kann man dagegen tun – und ist das Winter-„Campen“ auf öffentlichen Parkplätzen überhaupt erlaubt?

Norddeutsche Hafenstadt:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Einwohner:1.853.935 (31. Dezember 2021)
Zugelassene Kraftfahrzeuge:956.538\t(1. Januar 2022)

Ein Drittel mehr Camper seit Corona: Immer mehr Wohnmobile in Hamburg

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Anzahl zugelassener Wohnmobile in Deutschland um fast ein Drittel erhöht. Und Hamburg ist das Bundesland mit der zweitgrößten Dichte an Wohnmobilen, direkt nach Schleswig-Holstein. Auf 1000 Pkw kommen hier inzwischen 21 Camper. Waren 2020 noch 13.705 zugelassen, zählte das Kraftfahrt-Bundesamt 2021 schon 15.600, und im zweiten Pandemie-Jahr 17.400 Wohnmobile in der Hansestadt.

Wohnmobile blockieren Hamburgs Parkplätze – Anwohner nur noch genervt

Viele dieser Wohnmobile verstopfen Hamburg – und die Anwohner sind nur noch genervt. Denn vor allem im Winter, wenn die Camper nicht genutzt werden, bleiben sie oft über Monate auf demselben Parkplatz stehen. Ein Riesenärgernis für Autofahrer, die nicht nur mit den seit Jahren angestiegenen Preisen fürs Parken in Hamburg zu kämpfen haben, sondern immer weitere Kreise ziehen müssen, um ihr Auto überhaupt abstellen zu können. Sie fordern ein Verbot fürs Dauerparken.

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Drastische Maßnahmen für Dauercamper: CDU fordert Parkverbote für Wohnmobile

Auch der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Richard Seelmaecker sprach sich im Sommer gar für „Campen verboten“-Schilder in der Stadt aus. „Es ist in der Tat zum Problem geworden, weil es im Grunde genommen alles Dauercamper sind. Häufig bewohnen sie in der guten Jahreszeit noch ihre Fahrzeuge. Dafür ist der Straßenraum nicht gedacht“, sagte er gegenüber dem NDR. Passiert ist jedoch: nichts. Bleibt die Frage, ob es überhaupt erlaubt ist, den Camper monatelang im normalen Wohngebiet überwintern zu lassen.

Eine Radfahrerin fährt neben geparkten Wohnmobilen auf der Straße
Camper-Frust: Immer mehr sperrige Wohnwägen und Bullys verstellen die Parkplätze in Hamburgs Innenstadt. © Matthias Balk/dpa

Wohnmobil & Camper: Wo dürfen sie parken?

Die für genervte Anwohner schlechte Nachricht zuerst: Wohnmobile zählen als reguläre Kraftfahrzeuge – und dürfen daher grundsätzlich überall parken, solange sie weniger als 7,5 Tonnen wiegen. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) erlaubt das. Die meisten der Wohnmobile, Caravans oder Gespanne parken also völlig legal am Straßenrand. Einschränkungen gelten nur für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen Gesamtgewicht.

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Es gibt jedoch Ausnahmen. Ist beispielsweise das Parkplatz-Schild mit dem Zusatz „Pkw“ versehen, dann dürfen dort keine Wohnmobile parken. Genervte Anwohnern können sich darum bemühen, die Beschilderung in ihrer Straße dahingehend vom Bezirk ändern zu lassen. Auch Anwohnerparkzonen, von denen die Hamburger Verkehrsbehörde fünf neue in Eimsbüttel nahe Lutterothstraße, Emilienstraße, Apostelkirche, Langenfelder Damm und Lenzweg eingerichtet hat, entschärfen das Problem.

Wenn es zu eng wird: Parken für Camper verboten

Auch in engen Straßenstellen dürfen Camper nicht geparkt werden, erklärt der ADAC. Für das Durchfahren von Fahrzeugen größtmöglicher Breite – also 2,55 Meter zuzüglich eines Sicherheitsabstands von mindestens 0,5 Metern – muss Platz bleiben. Das gilt ebenso für das Parken gegenüber von Grundstückseinfahrten. Im Regelfall muss mindestens 3,5 Meter gegenüber Platz zum Rangieren bleiben.

Abgekoppelte Wohnwagenanhänger: Abstellen über zwei Wochen unzulässig

Angekoppelten Wohnanhänger dürfen ebenso wie Camper ohne Zeitbegrenzung am Straßenrand geparkt werden. Sind sie jedoch abgekoppelt, dürfen sie in Wohngebieten nicht länger als zwei Wochen auf ein und demselben Parkplatz stehen. Ein neuer 2-Wochen-Zeitraum beginnt erst dann, wenn der Parkplatz zumindest kurzfristig für andere frei gemacht wurde. 

Schwerere Anhänger über zwei Tonnen und Fahrzeuge über 7,5 Tonnen dürfen in Wohngebieten in der Zeit von 22 bis 6 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen nicht abgestellt werden.  Camper oder Anhänger mit Saisonkennzeichen dürfen außerhalb des Saison-Zeitraums nirgendwo im öffentlichen Raum geparkt werden.

Parkt ein Camper entsprechend diesen Regelungen verbotswidrig, können Anwohner immerhin das Ordnungsamt verständigen. Das ist nach einem neuen Gerichtsurteil sogar mit Bildbeweis rechtens, Bürger dürfen Falschparker mit Handy-Foto anzeigen. Eine echte Lösung ist das allerdings nicht. „Die Niederländer sind schon seit vielen Jahren weiter. Dort darf auf den meisten öffentlichen Parkplätzen kein Wohnmobil zwischen 22Uhr und 6 Uhr abgestellt werden“, meint ein frustrierter Anwohner.

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