Was für ein Schlam(m)assel!

Hamburger Hafenschlick muss weg – nur wohin? Bund ist für Deichbau

  • Fabian Raddatz
    vonFabian Raddatz
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Hamburgs Schlick landet immer wieder bei den anderen Elbstädten. Diese sind fertig mit den Nerven. Nun soll aber mit dem Schlamm-Schlamassel Schluss sein. Deichbau?

Hamburg – Viel Wirbel an der Elbe. Immer wieder landet giftiger Hafenschlick aus Hamburg bei den Elb-Nachbarn: Wittenbergen und Wedel entsorgen die Abfälle regelmäßig in ihren Gewässern (Verklappung). Doch wenige Wochen später wird der Schlamm wieder zurück nach Hamburg geschwemmt. Dann beginnt das Spiel von Neuem.

Hafen in Deutschland:Hamburger Hafen
Gründung:7. Mai 1189, Hamburg
Größe:Größter Seehafen Deutschland, drittgrößter Europas
Fläche:7200 Hektar
Anzahl der Beschäftigten:10.000 (2004)

Das Problem: Alle baggern sich einen Wolf. „Wir nehmen Bagger, um den Schlickanfall dort zu beseitigen, wo er uns stört, legen ihn irgendwo anders ab, die Elbe räumt das da wieder ab und legt das genau wieder dahin, wo wir es nicht haben wollen“, sagt Enak Ferlemann (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

Der Hafenschlick muss weg: Bund hat Plan

In und um den Hamburger Hafen muss mit hohem Kostenaufwand immer wieder Schlick ausgebaggert werden, damit der nach Rotterdam und Antwerpen drittgrößte Seehafen Europas leistungsfähig bleibt. Nicht das einzige Problem, das der Hamburger Hafen derzeit hat.

Mit dem teuren Schlick-Hick-Hack soll nun Schluss sein. „So wie bisher kann es nicht weitergehen“, sagt Ferlemann. Der Bund erklärt den Elbschlick zur Chefsache – und bringt nun ein neues Konzept an den Start.

Deiche aus Elbschlick bauen: „Eine Win-Win-Situation“

Sofern der Schlick aus der wenig schadstoffbelasteten Unterelbe stammt, könnte das Sediment nach Vorstellungen des Bundes künftig zu Baustoff verarbeitet werden, der zum Beispiel im Deichbau genutzt werden kann. „Nach den Untersuchungen, die wir gemacht haben, ist er hervorragend geeignet, zu einem Baustoff zu reifen, und zwar zu Klei“, sagte Ferlemann.

Hamburg baggert im Kreis. Immer wieder gelangt der abgetragenene Elbschlick zurück in den Hamburger Hafen. (24hamburg.de-Montage)

Klei sei ein sehr wertvoll gewordener Baustoff, der nicht mehr so einfach überall gewonnen werden kann, den man aber braucht, um im Zuge des Klimawandels die Deiche erhöhen zu können. „Eine klassische Win-Win-Situation“, so Ferlemann.

Bund: Giftigen Hafenschlick weit weg bringen

Schwieriger ist der Umgang mit schadstoffhaltigem Schlick direkt aus dem Hafen. Hier braucht Hamburg langfristig Alternativen zu der vertraglich mit Schleswig-Holstein vereinbarten Deponierung an der Tonne E3 südlich von Helgoland. Ferlemann favorisiert dafür die so genannte Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) weit vor der norddeutschen Küste.

Die Hamburger sehen das anders.

Staatssekretär Enak Ferlemann hält eine Hafenschlick-Deponie vor der Insel Scharhörn für keine gute Idee.

Der in der Stadt Hamburg zeitweise diskutierten Idee, für Hafenschlick eine Deponie vor der Insel Scharhörn einzurichten, erteilte Ferlemann eine Absage: „Der Bund unterstützt das nicht. Die Hamburger sehen das anders“, sagte er. „Der Bund hat sehr früh deutlich gemacht, dass wir eine Verbringung in unmittelbare Nähe des Wattenmeeres für nicht zuträglich halten. Das Wattenmeer ist die Kinderstube der Fische, es ist eines der wertvollsten Naturgebiete, die wir auf der Welt haben und da gilt es, jeglichen Schutz für dieses wertvolle Naturreservat zu haben.“

Ferlemann sprach sich dafür aus, eine gemeinsame Lösung zu finden. „Da sollte nicht ein Land zu Lasten anderer eine Lösung machen, wo man sagt, das kann man allein regeln.“ * 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Axel Heimken/dpa

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