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Nie mehr Scheiben kratzen? Winter-Hitzerekord in Hamburg

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Von: Laura-Marie Löwen, Jens Kiffmeier

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Werden unsere Kinder nicht mehr wissen, was Scheiben kratzen ist? Hamburg hat laut Deutschem Wetterdienst einen traurigen Wetter-Rekord erreicht.

Update vom 26. Januar 2021, 14:13 Uhr: Hamburg – Die Hansestadt verbucht einen neuen Negativ-Rekord: Zwei Jahre lang gab es keinen Dauerfrost mehr, das ist nach NDR-Informationen der längste Zeitraum ohne Eistage seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1936. 731 Tage ist es her, dass die Temperatur das letzte Mal für 24 Stunden unter null Grad Celsius blieb. Davor lag der Rekord laut Deutschen Wetterdienst (DWD) „nur“ bei 421 Tagen ohne Dauerfrost.  

Stadt in Deutschland:Hamburg
Fläche:755,2 km²
Bevölkerung:1,845 Millionen (30. Juni 2020)
Erster Bürgermeister:Peter Tschentscher (SPD)

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) bestätigte diese negative Temperaturentwicklung in Hamburg: „Die Statistik der Eistage bestätigt deutlich, dass es immer wärmer wird“. Der Klimawandel in Hamburg würde deutlich spürbar werden, auch im Alltag. Schockierend ist auch die Langzeitauswertung: Zwischen den Jahren 1961 und 1990 gab es in der Hansestadt durchschnittliche 20,6 Eistage pro Jahr. Zwischen 1961 und 2020 waren es im Durchschnitt nur noch 13,3 Tage.

Die Durchschnittstemperaturen an den Eistagen zeigen eine ähnliche Entwicklung auf: Zwischen 1961 und 1990 lag diese bei  -5,18 Grad, in den darauffolgenden 30 Jahren lag diese nur noch bei -4,44 Grad. Auch Schneefall ist es in Hamburg eher rar gesät – allerdings könnte sich dies in den kommenden Tagen ändern: Eine eiskalte Front aus Sibirien zieht ihren Weg nach Westen.

Ein Mann kratzt seine zugefrorenen Autoscheiben. Im Vordergrund ein Thermometer.
Scheiben kratzen könnte in Hamburg passé sein: Die Hamburger Winter werden immer wärmer. (24hamburg.de-Montage) © Eibner/imago images & PPE/imago images

Klimawandel trotz Corona-Jahr in Hamburg: Nie wieder Schnee?

Erstmeldung vom 5. Januar 2021, 8:40 Uhr: Fast zwei Jahre ohne Frosttage, dafür lange Hitzeperiode im Sommer: Der Klimawandel schreitet in Hamburg unaufhaltsam voran. Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,81 Grad Celsius war 2020 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Das geht aus einer Auswertung von Messdaten des Deutschen Wetterdienstes hervor, die Umweltbehörde in der Hansestadt Hamburg vorgelegt hat. Es sei „deutlich, dass der Klimawandel den Alltag mehr und mehr berührt“, warnte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne).

Den Angaben zufolge hat sich die Jahresdurchschnittstemperatur in Hamburg im Vergleich zur Referenzperiode 1961-1990 inzwischen um 1,08 Grad erhöht. Die Auswirkungen des Anstiegs zeigen sich nun an allen Fronten: Es gibt weniger Eis- und Frosttage und mehr Sommer- und Hitzetage – auch wenn viele Sturm- und Regen erprobte Hamburger das vielleicht in den Lockdown-Monaten des Corona-Jahres anders wahrgenommen haben dürften. Doch die Messdaten sprechen eine klare Sprache: Allein im August gab es eine extreme Hitzewelle, die 17 Tage andauerte und damit als längste Hitzeperiode in die Geschichte einging.

Klimawandel in Hamburg: Umweltsenator verspricht Gegenmaßnahmen

Eis- und Frosttage erlebten die Hamburger dabei so gut wie gar nicht. Das letzte Mal, dass die Temperatur in der Hansestadt den ganzen Tag unter dem Gefrierpunkt blieb, war am 25. Januar 2019 – also vor fast zwei Jahren. Oder genauer: Vor 710 Tagen. Der alte Rekord lag laut Umweltbehörde bei 421 Tagen.

Junge Aktivisten protestierten im Sommer mit Plakaten vor dem Hamburger Rathaus für mehr Klimaschutz.
Stoppt den Klimawandel: Die Fridays-for-Future-Bewegung mahnte im Sommer in Hamburg Taten an. (24hamburg.de-Montage) © Georg Wendt/dpa/picture-alliance

Und auch beim Niederschlag zeigen sich deutliche Veränderungen. Über das gesamte Jahr gesehen war es 2020 viel zu trocken. Besonders brisant sei es im Frühling gewesen, als nicht mal die Hälfte der normalen Regenmenge runtergekommen sei, schreiben die Studienautoren. Und auch der Sommer und Herbst waren trockener, während im Winter allerdings über 60 Prozent mehr Regen als normal gefallen ist. Dieser Trend spiegele sich auch in der Langzeitbeobachtung zum Hamburger Wetter wider, hieß es. Insgesamt seien die Sommermonate trockener und die Wintermonate nasser geworden – wobei die Hamburger auch die Schneetage an wenigen Fingern abzählen können. In Zukunft, so warnen die Autoren, müssten sich die Hamburger stärker auf heftigere Starkregenereignisse einstellen.

Angesichts dieser Wetterbilanz zeigte sich Kerstan besorgt. Der Umweltsenator versprach deswegen deutlich mehr Anstrengungen des Hamburger Senats im Klimaschutz. Man müsse unbedingt dafür sorgen, dass die Klimafolgen abgemildert würden, so der Grünen-Politiker. Zugleich sei es wichtig, sich auch an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. „Wir stehen hier vor großen Herausforderungen“, sagte Kerstan. Es müsse zum Beispiel die Ableitung von Regenwasser verbessert, der Hochwasserschutz verstärkt und die Versiegelung von Flächen reduziert werden. Nur so könne man die Bürger vor den negativen Folgen des Klimawandels schützen und Hamburg als lebenswerte Stadt erhalten, betonte er.

Deutschland erreicht Klimaziel – aber nur wegen der Corona-Pandemie

Die Auswertung zeigt laut der Umweltbehörde, wie deutlich der Klimawandel in Hamburg und in Deutschland voranschreitet. Zwar sind in diesem Jahr bundesweit die klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen in Deutschland kräftig gedrückt und das Klimaschutzziel für 2020 offenbar erreicht worden, wie eine am Montag veröffentlichte Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende zeigt. So sind den Berechnungen zufolge die Emissionen um über 80 Millionen Tonnen CO2 zurück auf rund 722 Millionen Tonnen. Doch zwei Drittel dieser Minderung seien eine direkte Folge der Corona-Pandemie, warnen die Experten. Ohne den industriellen und gesellschaftlichen Stillstand in den Lockdown-Monaten hätte der Rückgang nur bei etwa 25 Millionen Tonnen gelegen.

Der Direktor der Denkfabrik, Patrick Graichen, forderte die Politik deshalb auf, den klimapolitischen Ankündigungen auch Taten folgen zu lassen. Eine Pandemie ersetze keine echte Klimaschutzpolitik. Für 2021 rechne er mit einem möglichen Ende der Pandemie insgesamt wieder mit mehr Emissionen. „Nur durch schnelles klimapolitisches Handeln“, so sagte er, „kann man dem entgegensteuern.“ *24hamburg.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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